Die Kirche im Dorf lassen

Röhrdaer Gotteshaus ist der letzte Teil unserer Kirchen-Serie 

+
Wehrhaft: Der gotische Turmbogen vor der Röhrdaer Kirche stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und war Teil einer Umfassungsmauer.

In einer Serie haben wir alle 84 Kirchen des Verbreitungsgebiets vorgestellt. Mit dem rund 700 Jahre alten Gotteshaus Röhrda folgt heute der letzte Serienteil. 

Aus welcher Richtung man sich dem Ringgauer Ortsteil Röhrda auch nährt – immer ist sie zu sehen, die wehrhafte Kirche des Dorfes, die sich schützend über dem Ort zu erheben scheint. 

Der für hiesige Verhältnisse große Bau der sogenannten Eigen- und Wehrkirche mit seinen hohen gotischen Spitzfenstern und dem zugleich gedrungenen Wehrturm stammt den Bauakten nach aus dem Jahr 1328. 

Die Grabsteine ruhen an der Kirchenmauer.

Das spitzbogige, noch erhaltene Tor einer früheren Umfassungsmauer wurde knapp 200 Jahre später errichtet. Gebaut wurde die Kirche wohl im Zusammenhang mit dem benachbarten Rittergut und einer kleinen Klosteranlage und ist den Aposteln Petrus und Paulus gewidmet.

Die Gründung

Die eigentliche Kirchengründung in Röhrda soll aber deutlich früher liegen. In den Urkunden zur Ersterwähnung des Ortes aus dem Jahr 1089 wird eine Pfarrkirche und eine Kapelle genannt, die Martinskirche, von der heute nur die Westwand steht.

Das Fenster

So trutzig das Äußere der Backsteinkirche ist, von so schlichter Schönheit ist ihr Inneres. Hohe Wände mit markanten gotischen Spitzbogenfenstern und Kalksteinmauerwerk, abgesetzt durch die Ecksteine aus Sandstein. Im Zentrum wirkt das farbige ebenfalls spitzbogige Buntglasfenster, das den auferstandenen Jesus mit ausgebreiteten Armen mit gebrochenem Brot und Kelch als Symbole für Gottes Gegenwart und die Vergebung der Sünden zeigt. Über dem Kopf Jesu ist die Flamme des Heiligen Geistes zu sehen. Eingebaut wurde das Fenster anlässlich der 900-Jahr-Feier Röhrdas im Jahr 1989 und wurde überwiegend aus Spenden aus der Gemeinde finanziert.

Altar und Kanzel

Der Altar, so wie er sich heute direkt unter dem östlichen Fenster befindet, entstand erst Ende der 1960er-Jahre im Zuge einer umfassenden Renovierung der Kirche. Dabei wurde ein Podest vor den Altar gebaut, und nur die Altarplatte aus Sandstein stammt vermutlich aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Schlichte Schönheit: Das ist es, was den Innenraum der Röhrdaer Kirche mit ihren hohen gotischen Spitzbogenfenstern und den Kalksteinwänden ausmacht. In der Mitte über dem Altar leuchtet das Buntglasfenster, das Jesus darstellt. Die Grabsteine ruhen an der Kirchenmauer.

Die frühbarocke Kanzel von 1675 ist das älteste Ausstattungsstück der Kirche. Die Bemalung von 1675 wurde bei einer weiteren Renovierung der Kirche 2003 farblich verändert und der Farbgebung des Buntglasfensters angepasst. Ihr Schalldeckel existiert nicht mehr.

Der Taufstein

1968 entstand auch der Taufstein, den ebenfalls Ende der 1960er-Jahre der damalige Kirchenvorstand Wilhelm Sennhenn aus einem Grabdenkmal, das auf dem Turm lagerte, herstellte. Bis dato besaß die Kirche keinen Taufstein. Man geht aber davon aus, dass der achteckige Steinsockel, auf dem heute die Kanzel steht, zu einem Taufstein aus dem 16. Jahrhundert gehört.

Glocken und Orgel

Auch die Glocken der Kirche Röhrda wurden, wie so viele, Opfer der beiden Weltkriege. 1917 musste die Gemeinde die zwei äußeren Bronzeglocken abgeben, die 1922 durch zwei Eisengussglocken ersetzt wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die noch verbliebende dritte mittlere Bronzeglocke geopfert. Sie konnte erst 1986 durch eine aus Spenden finanzierte Bronzeglocke wieder ersetzt werden. Erst seit dieser Zeit ist das Dreiergeläut wieder komplett, für das der achteckige Turmhelm auch bei seinem Bau um 1700 konzipiert worden war.

Die dreitürmige Orgel wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingebaut, sie besitzt 250 Pfeifen und neun Register.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare