Emotionen am Point India

US-amerikanische Reisegruppe zu Besuch in Lüderbach: Erinnerungen am Aussichtsturm

Gänsehautmoment: Reiner Methe (rechts) zeigt seinem amerikanischen Gast den Ausblick vom Aussichtsturm Point India. Der direkte Vergleich wird durch die von Methe zusammengetragenen historischen Dokumente möglich. Fotos: Methe/privat

Lüderbach. Eine Gruppe US-Amerikaner war jüngst zu Besuch in Lüderbach. Gäste und Gastgeber erlebten Emotionen pur. 

Wenn Besuche solch gewaltige Emotionen auslösen, die Worte nicht zu beschreiben vermögen, dann ist schon in der Vergangenheit vieles in die richtigen Bahnen gelenkt worden. Reiner Methe, Vorsitzender des Fördervereins Lüderbach, hat einen solchen Moment erlebt – und noch immer eine Gänsehaut, wenn er darüber berichtet. Jüngst begleitete er eine Gruppe US-Amerikaner durch den Ringgauer Ortsteil Lüderbach. Besonderer Höhepunkt für die Weitgereisten war der Besuch des Aussichtsturms des ehemaligen US-Observation-Points (OP) India auf dem Sohlberg.

„Einer der amerikanischen Gäste war der ehemalige Panzerfahrer Steve Jones, der in Lüderbach seinen Dienst versehen hat“, erinnert sich Reiner Methe, „dazu kam Howard Lund, ein seinerzeit in Fulda stationierter Offizier“. Ergriffen hätten die beiden samt ihrer Familien, der Reiseleitung sowie vier Begleitpersonen den Aussichtsturm bestiegen und in Erinnerungen an ihre Zeit in Lüderbach geschwelgt.

Besonders begehrt aber war ein von Reiner Methe in Akribie zusammengetragenes Album rund um das Camp und den zugehörigen Turm Point India; ein in seinem Umfang wohl einmaliges Zeugnis der Geschichte des Ringgauer Ortsteils. Mit Findigkeit und auch auf durchaus ungewöhnlichen Wegen hat Methe zeitgenössische Bilder, schwer zugängliche Dokumente und Zeitungsausschnitte unter anderem der Washington Post zusammengetragen; hat dazu in Foren und Archiven gestöbert.

„In einem dieser Foren“, sagt der engagierte Lüderbacher, sei er dann mit der Reiseleitung der US-Amerikaner in Kontakt gekommen. Schnell war beschlossene Sache und über das Internet kommuniziert, dass die Gruppe auf ihrer Tour von Paris über Berlin, München und Prag auch in Lüderbach Halt macht.

Dass der Turm überhaupt zugänglich geblieben ist, ist dem ehrenamtlichen Engagement der Lüderbacher über das übliche Maß hinaus zu verdanken. Denn nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Camp geschlossen; das Land Hessen ordnete den Rückbau der Liegenschaft an. 2001 wurde mit der Renaturierung begonnen. „Nur der Initiative des damaligen Ortsbeirates ist es zu verdanken, dass der Aussichtsturm Eigentum der Gemeinde Ringgau wurde und somit dem Rückbau entging“, sagt Methe.

Im Laufe der Jahre aber ließen Vandalen ihrer Wut freien Lauf und zogen den Turm arg in Mitleidenschaft. „2014“, sagt Reiner Methe mit einem Lächeln, habe er Marco Lenarduzzi vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land seine Vorstellungen von einer touristischen Nutzung des Aussichtsturmes vorgetragen. Der Rest ist Geschichte: Am Sonntag, 10. September, wird der Lüderbacher Premiumwanderweg 21 eröffnet – natürlich mit seinem Wahrzeichen, dem frisch sanierten Turm Point India.

Von Emily Spanel

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