Wegen Rauchverbot

Pächter der Dorfkneipe in Röhrda wollen gegen Kündigung ankämpfen

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Im vergangenen Jahr unter selbstlosem Einsatz der Röhrdaer Vereinsmitglieder hergerichtet: die Gaststätte Zum Ringgau. Aus einem leerstehenden Gebäude ist ein „Puppenstübchen“ geworden, sagt Petra Steinmetz, die laut eigenen Angaben selbst einen hohen Betrag in Kücheneinrichtungen, Gardinen, Teppiche und Dekoration investiert hat. 

Röhrda. Die Gemeinde Ringgau hatte den Pächtern der Dorfkneipe "Zum Ringgau" fristlos gekündigt, weil sie das Rauchverbot nicht eingehalten haben. Das wollen die Pächter so nicht hinnehmen. 

PetraSteinmetz

Kampflos aufgeben – das kommt für Petra Steinmetz, Pächterin der Gaststätte Zum Ringgau im Ortsteil Röhrda, und ihren Lebensgefährten Dieter Bürger nicht infrage. Denn nichts weniger als ihr Herzensprojekt ist die klassische Dorfkneipe in der Ortsmitte Röhrdas. Zum 31. Dezember aber war Petra Steinmetz vonseiten der Verpächterin, der Gemeinde Ringgau, fristlos gekündigt worden.

Steinmetz hatte – trotz wiederholter Aufforderungen – das Rauchverbot im Innenraum nicht durchgesetzt. Tatsächlich ist die Gaststätte im Pachtvertrag eindeutig als Nichtraucher-Kneipe ausgewiesen. „Unterzeichnet“, sagt die Röhrdaerin nun, habe sie besagten Vertrag seinerzeit nur unter der Prämisse, dass die Gemeinde ein adäquates Angebot für Raucher schaffe.

„Passiert ist bis heute nichts“, erklärt Petra Steinmetz. Weder sei ein Pavillon auf der Außenfläche errichtet worden, noch seien die räumlichen Möglichkeiten, welche die Gaststätte bietet, voll ausgenutzt worden. „Denkbar wäre beispielsweise die Herrichtung eines Nebenraums für Raucher gewesen, der durch eine Tür vom Gastraum getrennt ist“, so Steinmetz.

DieterBürger

Akut sei das Problem schließlich mit den Herbstmonaten geworden – die Temperaturen sanken, und die Raucher zog es in den warmen Innenraum. Von sich aus habe sie Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann auf die Tatsache hingewiesen. „Er hat auf die Einhaltung des Rauchverbots gepocht“, sagt Dieter Bürger, „ohne wenn und aber.“ Rauswerfen aber wolle man keinen einzigen Gast – und könne es auch gar nicht: „Rein wirtschaftlich ist es für den Betrieb einer Kneipe unmöglich, auf die Raucher zu verzichten“, sagt Dieter Bürger, der jahrelange Erfahrung aus der Hotel- und Restaurantbranche mitbringt. Zudem verweist er auf das Nichtraucherschutzgesetz in Hessen: Mit 69 Quadratmetern liege die Gaststätte Zum Ringgau deutlich unter der Richtlinie von 75 Quadratmetern Gastfläche. Weiterhin werde nur ein begrenztes Speiseangebot verkauft – und damit griffen zwei der Ausnahmen, die das Gesetz vorsieht.

Streiten wollen sich aber weder Petra Steinmetz noch Dieter Bürger. „Wir sind jederzeit zu einem Gespräch mit den Verantwortlichen der Gemeinde bereit und hoffen auf eine einvernehmliche, harmonische Lösung im Sinne aller Beteiligten, insbesondere unserer Stammgäste“, sagt Petra Steinmetz. Die Gaststätte Zum Ringgau führt sie auf Anraten ihres Anwalts ungeachtet der Kündigung vorerst weiter – geöffnet ist täglich außer montags. 

Das sagt der Bürgermeister

„Die Gaststätte Zum Ringgau in Röhrda ist als Nichtraucher-Kneipe ausgewiesen und eindeutig als solche verpachtet worden“, sagt Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann. Das sei im Vorfeld mit der Gemeindevertretung, dem Gemeindevorstand und in erster Linie mit den Vertretern der Vereine, die sich in zahllosen Stunden ehrenamtlicher Arbeit dafür eingesetzt hätten, diesen Ort der Begegnung zu schaffen, vereinbart worden. „Trotzdem hat die Pächterin das Rauchverbot wiederholt gebrochen und ignoriert“, sagt Klaus Fissmann. Zu insgesamt drei Gesprächsterminen, in denen das Problem erörtert und Lösungen gefunden werden sollten, sei sie nicht erschienen. „Die Kündigung war so letztlich unumgänglich“, sagt der Bürgermeister – schon aus Respekt vor der Renovierungsleistung der Ehrenamtlichen, die nicht durch das Rauchen in Mitleidenschaft gezogen werden soll. Die Angelegenheit sei einem Rechtsanwalt übergeben worden, eine Räumungsklage nicht ausgeschlossen. Danach soll neu ausgeschrieben und nach Pächtern gesucht werden – „Interessenten“, sagt Klaus Fissmann, „gibt es schon.“ 

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