Platz für 74.000 Hähnchen: Anlage für Mastgeflügel in Grandenborn soll erweitert werden

Umstritten: die Haltung von Geflügel in Massen. Unser Symbolbild stammt aus einem Betrieb in Niederbayern, in welchem etwa 21 000 Hähnchen untergebracht sind.

Grandenborn – Eine Anlage zum Halten von Mastgeflügel mit maximal 74.000 Mastplätzen soll nahe des Ringgauer Ortsteils Grandenborn in Betrieb genommen werden.

So ist es in einer Bekanntmachung des Regierungspräsidiums Kassel zu lesen, die seit dieser Woche öffentlich einsehbar ist. Untergruppen des Dachverbands Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen (AGA) haben bereits ihren Widerstand gegen das Vorhaben der Jürgen und Linda Siebert GbR angekündigt.

„Es handelt sich hier um einen Erweiterungsbau unserer bestehenden Anlage“, erklärt Linda Siebert auf Anfrage unserer Zeitung. Am besagten Standort werde bereits seit neun Jahren ein Maststall mit Platz für maximal 39 900 Tiere sowie eine Flüssiggaslagerung mit 5,8 Tonnen Lagerkapazität betrieben. 

Zweiter Stall für 33.000 Hähnchen

„Im Sinne des Tierwohls aber haben wir die Anzahl des Geflügels bereits jetzt deutlich zurückgenommen“, sagt Linda Siebert: Auf einem Quadratmeter würden statt 39 nun 35 Tiere gehalten. Gebaut werden solle in Grandenborn jetzt ein zweiter Stall, der weitere rund 33 000 Hähnchen fassen kann – „die Existenzgrundlage unserer Tochter, die in das Familienunternehmen einsteigen wird.“

Regelmäßig, so Linda Siebert, werde der Betrieb etwa vom Veterinäramt überprüft – „ohne Beanstandung“. Die Hähnchen seien hervorragend untergebracht, würden sogar deutlich öfter mit frischem Streu versorgt als vorgeschrieben. Sowohl der Ortsbeirat Grandenborns als auch die Gemeinde Ringgau seien informiert worden und hätten ihre Zustimmung erteilt. 

Das sagt das Regierungspräsidium

Die Vorprüfung des vorliegenden Falls habe ergeben, dass für das Vorhaben der Familie Siebert „keine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung“ bestehe, heißt es vonseiten des Regierungspräsidiums Kassel, Abteilung Umwelt- und Arbeitsschutz Bad Hersfeld. „Von dem geplanten Neuvorhaben sind keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten.“ Diese Feststellung beruhe unter anderem auf folgenden Merkmalen des Vorhabens: 

- Das Vorhaben liegt im Außenbereich der Gemeinde Ringgau und ist umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die nächstgelegene Wohnbebauung liegt in rund 500 Metern Entfernung (Ortslage Grandenborn). 

- Durch das Vorhaben kommt es zu Bodenversiegelungen. Es werden rund 2100 Quadratmeter durch den Neubau vollständig versiegelt. Insgesamt (Bestand und Neubau) sind damit etwa 4900 Quadratmeter vollständig versiegelt. 

- Das Vorhaben liegt innerhalb der Zone II des Wasserschutzgebietes für die Wassergewinnungsanlage Quelle Breitau. 

- Das Vorhaben befindet sich außerhalb von FFH-, Vogelschutz- und Naturschutzgebieten sowie Nationalparks. 

- Das nächstgelegene Vogelschutzgebiet („Felsklippen im Werra-Meißner-Kreis“) befindet sich in etwa 720 Metern Entfernung in westlicher Richtung.

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