Große Errungenschaften und schwierige Entscheidungen

„Es gibt noch viel zu tun“: Bürgermeister Klaus Fissmann im Interview über die zehn Jahre seiner Amtszeit 

Seit zehn Jahren Bürgermeister der Gemeinde Ringgau: Klaus Fissmann, hier auf dem Eichenberg bei Netra. In der Politik setzt er auf Zusammenarbeit und das Gespräch – so fallen 95 Prozent der Beschlüsse der Gemeindevertretung einstimmig. Foto: Spanel

Ringgau. Seit genau zehn Jahren ist Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann (SPD) im Amt. Im Interview blickt der 58-Jährige zurück auf die größten Errungenschaften des vergangenen Jahrzehnts, auf mitunter schwierige Entscheidungen – und er spricht über die Zukunft der Gemeinde.

Herr Fissmann, vor zehn Jahren wurden Sie das erste Mal zum Bürgermeister der Gemeinde Ringgau gewählt. Was treibt Sie seitdem an?

Klaus Fissmann: Der Wunsch, die Gemeinde zu gestalten und immer weiter nach vorn zu bringen. Und es gibt noch immer so viel zu tun, so viele innovative Ideen, die umzusetzen sind – und zwar gemeinsam. Die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien, den Vereinsvertretern und den Bürgern ist im vergangenen Jahrzehnt immer weiter gewachsen. Für dieses funktionierende System bin ich sehr dankbar.

Ein Rückblick: Bei Ihrem Amtsantritt im Jahr 2007 war etwa die Nahversorgung in der Gemeinde nonexistent ...

Fissmann: Eine gewaltige Herausforderung, denn der letzte Laden in Datterode hatte geschlossen; übrig geblieben war nur der Nahversorger im Ortsteil Netra. Kreative Lösungen waren gefragt – und wurden auf unsere Initiative hin in der Kooperation mit dem Verein Aufwind gefunden. Heute ist die Versorgungslage gut, einige, auch inklusive, Arbeitsplätze sind entstanden – und im gesamten Werra-Meißner-Kreis sind weitere dieser „Lädchen“ eröffnet worden. Die Idee dazu aber stammt aus dem Ringgau – und darauf können wir stolz sein.

Nicht das einzige gemeinsame Vorzeigeprojekt.

Fissmann: Der Bürgerbus, der seit November 2011 gemeinsam mit der Nachbargemeinde Weißenborn und dem Verein Aufwind betrieben wird, ist aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Nicht zu vergessen ist auch der „Marktwert“ in Datterode als Mittel- und Treffpunkt mit den vielen verschiedenen Dienstleistern vom Physiotherapeuten bis zum Postzusteller, die sich dort angesiedelt haben.

„Eine Gemeinde, die nicht investiert, kann nicht lebendig bleiben“, – hat Ihr Satz noch immer Gültigkeit?

Fissmann: Ja – denn auch eine Schutzschirmkommune darf sich nicht kaputtsparen. In den vergangenen Jahren wurden daher viele Millionen Euro in die Hand genommen, um beispielsweise eine vernünftige Infrastruktur zu gewährleisten. Allein elf Straßen wurden grundhaft erneuert sowie das Wasser- und Abwassernetz ausgebaut. Auf verhältnismäßig geringer Fläche sind drei Premiumwanderwege entstanden. Beste Bedingungen für Wandertouristen, die ihre Erfahrungen weitertragen – das ist unbezahlbare Werbung für die Region.

Trotz allem ist Ringgau Schutzschirmkommune und strengen Auflagen unterworfen.

Fissmann: 2018 werden wir aller Wahrscheinlichkeit den Haushalt ausgleichen können – zum ersten Mal seit 25 Jahren. Bis dahin aber war es ein steiniger Weg, verbunden mit großen Sparanstrengungen und Belastungen für die Bürger. Die Entscheidungen, Steuern zu erhöhen, wurden zähneknirschend getroffen – und ohne das Verständnis der Ringgauer wäre es noch schwieriger geworden.

Eines Ihrer Kernthemen ist die familienfreundliche Ausrichtung der Gemeinde.

Fissmann: Ringgau soll ein attraktives Angebot für junge Familien bieten. So wurden etwa beide Kindergärten ausgebaut, Öffnungszeiten erweitert und eine Nachmittagsbetreuung sowie eine Mittagsverpflegung angeboten. Dazu ist Bauland zu günstigen Konditionen zu erwerben. Momentanes Modellprojekt ist der Umbau der Grundschule Röhrda zu einem gemeinsamen Bildungshaus von Schule und Kindergarten – hier hat die Gemeinde Ringgau wieder Vorbildcharakter.

Apropos Bildungshaus – wie sieht die Zukunft der Gemeinde Ringgau aus?

Fissmann: Zwei der bestimmenden Themen werden der Breitbandausbau und die Autobahn 44 sein. Auf Letztgenanntes wollen wir vorbereitet sein: So wird geprüft, ob ein Gewerbegebiet westlich von Datterode erschlossen werden kann. Und ich freue mich auf die weiteren Herausforderungen, welche die Zukunft bietet.

Zur Person

Klaus Fissmann ist gebürtiger Datteröder und lebt heute in dem Ringgauer Ortsteil Röhrda. Als Ausgleich zum Bürgermeisteramt nennt der 58-Jährige Gartenarbeit. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie – der Handballfan ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Enkelsohn.

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