Aus Liebe zur Chormusik

Vier Gründe, warum der Gesangverein Fortuna Röhrda ungebrochen erfolgreich ist

Gänsehautatmosphäre: Das Weihnachtskonzert des Gesangvereins Fortuna Röhrda in der Pfarrkirche Peter und Paul zu Röhrda im Dezember. Im Vordergrund ist der Vorsitzende Hans Hartmann zu sehen; direkt hinter ihm Chorleiter Horst Busch. Foto: privat

Röhrda. Den traditionellen Chören im Werra-Meißner-Kreis geht die Luft aus. Allein im Sängerkreis Mittelwerra haben in den vergangenen zehn Jahren 17 Chöre aufgegeben oder sind nicht mehr singfähig (wir berichteten). Der Gesangverein Fortuna Röhrda aber trotzt dem Trend erfolgreich

Chormusik wirkt am eindrucksvollsten, wenn sie in Gemeinschaft erlebt wird. Und die Leidenschaft für den Gesang wird im Ringgauer Ortsteil Röhrda so gern und erfolgreich gepflegt wie kaum irgendwo sonst. Wir nennen vier Gründe für die ungewöhnliche Blüte des Gesangvereins Fortuna Röhrda in turbulenten Zeiten für die Gesangvereine.

1.Der Chorleiter. Horst Busch hat den Taktstock im März des Jahres 2005 übernommen. „Seine Leistung ist das Fundament unseres Erfolgs“, sagt Hans Hartmann, Vorsitzender des Gesangvereins Fortuna Röhrda. Horst Busch entstaubte das in die Jahre gekommene Liedgut rigoros; ließ Impulse aus Klassik, Rock, Pop und Schlagern einfließen – ohne aber die traditionellen Wurzeln des Gesangvereins zu verleugnen. Ergebnis: 37 Sänger aller Generationen – die Jüngste ist 16 Jahre alt, die älteste Sängerin 81 Jahre – finden in Röhrda eine musikalische Heimat. Tendenz steigend.

2. Der Vorstand. Der Gesangverein Fortuna Röhrda setzt auf einen erweiterten Vorstand. Der Vorteil: Anstehende Arbeiten werden auf viele Schultern verteilt; die Belastung für den einzelnen nimmt nie überhand. „Mit einem Team, das über Jahre zusammengewachsen ist, macht die Arbeit einfach Freude“, sagt Hans Hartmann, seit dem Jahr 2010 Vorsitzender. Ihm zur Seite stehen dauerhaft Stellvertreterin Heike Fischer, Kassiererin Doris Busch sowie Schriftführer Thorsten Lentschig. „Großer Wert wird nicht nur auf die Harmonie zwischen den Vorstandsmitgliedern, sondern auch zur Chorleitung und den befreundeten Vereinen gelegt“, sagt Hans Hartmann.

3.Die Leistung. Apropos befreundete Vereine: Die Röhrdaer Sänger orientieren sich an den Besten. So wird das Leistungsniveau beständig gesteigert; die Sänger sind – auch durch den musikalischen Anspruch Horst Buschs – gefordert, Stillstand gibt es nicht. „Wertvoll“, sagt Hans Hartmann, sei in dieser Hinsicht etwa die Freundschaft zum Chor aus Altenvers (Landkreis Marburg-Biedenkopf). Ungewöhnlich, aber fruchtbar ist auch die Zusammenarbeit mit dem Turner- und Musikzug (TMZ) Röhrda – alle Musiker sind durch ihre Leidenschaft vereint und teilen sich den Pavillon an der Röhrdaer Leimkaute als Proberaum.

4.Die Gemeinschaft. Kein absolvierter Auftritt ohne anschließendes Beisammensein, kein Jahr ohne gemeinsame Ausflüge: Der Gesangverein Fortuna Röhrda ist zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen; auch über das Singen hinaus. „Benötigen andere Vereine, wie etwa der TMZ, Hilfe, sind wir zur Stelle – und umgekehrt“, sagt Sängerin Maritta Hartmann. Unvergesslich bleibt das gemeinsame Weihnachtskonzert in der Pfarrkirche zu Röhrda.

Wussten Sie schon, dass ...

... der Chor im Jahr 1895 gegründet wurde? Damals allerdings noch als reiner Männerchor. Erst zur 900-Jahr-Feier Röhrdas 1989 trat der Chor zum ersten Mal als Gemischter Chor auf. Das neue Konzept traf den Nerv der Zeit: Zum 1. Januar 1991 traten gleich 14 Frauen als aktive Sängerinnen in den Verein ein. 1993 schließlich wurde der Name auch formal von „Männergesangverein“ zu „Gesangverein“ Fortuna Röhrda geändert.

... der Gesangverein Fortuna Röhrda auch schwere Zeiten überstanden hat? Aus Mangel an Sängern ruhte die aktive Vereinstätigkeit zwischen 2003 und 2005. Erst mit dem Einstieg von Chorleiter Horst Busch kam die Wende: Nach und nach schlossen sich Erwachsene und Jugendliche der Vereinigung an – in der Hauptsache aus Röhrda stammend, aber auch aus den umliegenden Orten wie Netra und Breitau. Der Chor hat mittlerweile zur alten Sängerstärke zurückgefunden.

... die öffentlichen Auftritte des Gesangvereins stets ein Erlebnis sind? Auf Einladung der Kulturgemeinschaft Großalmerode etwa gestalteten die Sänger jüngst ein komplettes Programm in der Kirche zu Uengsterode. Ein Jahr Vorbereitungszeit lag da hinter den Aktiven – und so wurde ein Weihnachtskonzert in der voll besetzten Pfarrkirche Peter und Paul zu Röhrda angeschlossen.

... die Mitglieder auf kurze und direkte Wege der Kommunikation setzen? Was simpel klingt, ist längst noch nicht in allen Vereinen angekommen. „Eine Whats-App-Gruppe macht vieles leichter“, sagt Hans Hartmann – und so werden etwa Terminverschiebungen in Sekundenschnelle an alle Mitglieder weitergegeben. Lästige Telefonketten entfallen.

... dass neue Mitglieder dem Gesangverein Fortuna Röhrda stets willkommen sind? Gesucht werden vor allem Sänger, die den männlichen Bass- und Tenorbereich verstärken. Der Chor probt immer mittwochs um 19.30 Uhr im Pavillon an der Leimkaute in Röhrda. Reinschnuppern ist ausdrücklich erwünscht; Sänger und Sängerinnen auch aus den umliegenden Orten sind willkommen. 

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