Gespräche wegen des Aushubes des Boyneburg-Tunnels

Ackerland für Tunnelaushub: Röhrdaer Landwirt erwägt Klage gegen Steinbruchfirma

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Hier soll ein Erdwall entstehen, der optisch den Steinbruch Röhrda verdeckt, doch auf dem Land liegt ein landwirtschaftliches Nutzungsrecht des Vorbesitzers. Der fühlt sich nun vor vollendete Tatsachen gestellt.

Umfangreiche Bauarbeiten auf einer 5,5 Hektar großen Ackerfläche in unmittelbarer Nachbarschaft des Röhrdaer Steinbruchs an der Landstraße nach Weißenborn entsetzen den Landwirt, Johann Heinrich (Name von der Redaktion geändert) so sehr, dass er erwägt, gegen das Vorhaben zu klagen.

Beziehungsweise will er eine einstweilige Verfügung zum Baustopp erwirken.

Landwirtschaftliches Nutzungsrecht für den Acker

Der Nebenerwerbslandwirt war bis vor zwei Jahren Eigentümer der Fläche, verkaufte sie 2018 an die Sontraer Firma Petrasch und ließ sich bis 2030 ein landwirtschaftliches Nutzungsrecht für den Acker vertraglich sichern. Doch jetzt rollen die Bagger an und beginnen mit der Aufschüttung eines Damms. „Ich fühle mich von der Firma Petrasch hintergangen und betrogen“, sagt Heinrich. Denn an Landwirtschaft sei nun nicht mehr zu denken. Stattdessen, so will Heinrich wissen, solle hier der Aushub der Bauarbeiten des A-44-Tunnels Boyneburg abgelagert werden, und zwar über den neuen Eigentümer, die Firma Petrasch. „Hätte ich das geahnt, hätte ich das Land nie verkauft“, schimpft Heinrich. Eine finanzielle Entschädigung, die Petrasch ihm angeboten habe, habe er abgelehnt.

"Spieß einfach rumgedreht" 

Die Firma Petrasch betreibt neben einigen anderen Steinbrüchen auch den Steinbruch in Röhrda. Der Chef des Unternehmens Petrasch argumentiert, dass das landwirtschaftliche Nutzungsrecht für Heinrich nur gelte, wenn seine Firma das Land nicht für den eigenen Betrieb brauche. „Wir brauchen es aber für den Betrieb und sind da in der Planung“, sagt Petrasch auf Anfrage unserer Zeitung. Für Landwirt Heinrich „dreht er den Spieß jetzt einfach nur um“.

Verhandlungen mit Autobahnbauherr Deges

Petrasch bestätigt auf Anfrage auch, dass er mit dem Autobahnbauherr Deges in Verhandlungen und Gesprächen wegen des Aushubes des Boyneburg-Tunnels sei. „Das wissen wir aber noch nicht.“ Er erläutert zudem, dass dort ein Erdwall entstehen soll, der den Blick auf den Steinbruch verbergen soll.

Baugenehmigung erteilt 

Das bestätigt auch der Landkreis als Baugenehmigungsbehörde. „Bei den Arbeiten beim Steinbruch Röhrda handelt es sich um Landschaftsgestaltungsarbeiten, die bereits in der naturschutzrechtlichen Genehmigung vom August 2019 in Form einer Aufwallung auf den nördlich angrenzenden Flächen gefordert waren“, so der Sprecher des Kreises, Jörg Klinge. Diese Aufwallung sei auch in dem Rekultivierungsplan 4/1996 bereits dargestellt. Für die Landschaftsgestaltungsarbeiten sei im Juni vorigen Jahres die Baugenehmigung erteilt worden.

Genehmigungsverfahren "verdächtig schnell"

Landwirt Heinrich, dem das Genehmigungsverfahren im vorigen Jahr verdächtig schnell ging, hat inzwischen juristischen Rat eingeholt. „Eins ist sicher, hier handelt es sich um eine Hintergehung.“ Doch wegen der Corona-Krise kommt auch er mit Anwälten nicht so richtig voran. „Eigentlich bleibt mir nur, erst mal eine einstweilige Verfügung zu erwirken, um einen Baustopp zu veranlassen.“ Denn bis die Welt wieder rund laufe, seien alle Messen gelesen.

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