Initiative vom Heimatverein Datterode

Späte Mahd schützt Rehkitze und hilft Bodenbrütern beim Überleben

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Werden von ihren Müttern im hohen Gras versteckt: Rehkitze

Der Heimatverein Datterode hat angeregt, die Wiesen in der Gemeinde später zu mähen. Das hilft Pflanzen und schützt Rehkitze und Bodenbrüter vor dem Mähtod.

Die Ränder von Waldstraßen sind für Orchideen, Eidechsen, Schmetterlinge und andere Tier- und Pflanzenarten ein wertvoller Lebensraum. 

Die zurückhaltende Pflege zum richtigen Zeitpunkt spart Arbeit – und fördert in erster Linie die Biodiversität.

Mit gutem Beispiel voran geht hier die Gemeinde Ringgau: Einige öffentliche Grünflächen der Kommune und Wegränder, insbesondere an Wanderwegen, werden erstmalig erst nach der Samenbildung der Gräser und Wiesenblumen gemäht. Gezielt sind dazu gemeindeeigene Flächen ausgewählt worden – unter anderem am sogenannten Küppelchen in Datterode.

Idee vom Heimatverein

Initiiert worden ist das Vorhaben „späte Mahd“ von den Mitgliedern des örtlichen Heimatvereins im Zuge der jüngsten Mitgliederversammlung. Zur Erläuterung des Projekts ist nun eine Tafel am Küppelchen angebracht worden.

Ist am Küppelchen in Datterode angebracht: Die Tafel zur Projekterläuterung. 

Aber auch die Wegesränder und -raine an den Wanderwegen seien in diesem Jahr erst später mit der „Rasur“ dran, heißt es vonseiten des Heimatvereins Datterode. Eine aufgeräumte Natur sei lebensfeindlich: „Wer hinschaut, sieht aktuell noch Margeriten, verschiedene Akelei, den Gundermann ebenso wie Wolfsmilch und Leberblümchen. Und: Man hört es summen und brummen.“

Das Späte-Mahd-Projekt helfe, ebenso wie Initiativen auf Privatgrund, Mitgeschöpfen wieder Raum und Nahrung in der Kulturlandschaft zu geben: „Ohne sie sind wir nämlich nichts.“ Wichtig sei dabei der Verzicht auf gestalterische Eingriffe. Standort- und artgerechte Pflege von größeren Naturflächen, zum Beispiel durch Ziegenbeweidung, sei eine sinnvolle Alternative. Die Aktion, das versprechen die Mitglieder des Heimatvereins, werde in der kommenden Zeit weiter verfolgt.

Das sagen Naturschützer

Als „sehr positiv“ bewertet Naturschützer Dr. Jörg Brauneis den Ringgauer Vorstoß: Die späte Mahd gebe den Pflanzen Zeit, zu blühen und zu verblühen – ein wertvoller Vorgang im Sinne des Erhalts der Vielfalt. Wiesen, die spät gemäht würden, seien blüten- und kräuterreich, weiß Dr. Jörg Brauneis. „Und nicht zuletzt profitieren auch die Bodenbrüter: Die Vögel brauchen Zeit, um ihre Jungen in Ruhe und geschützt ausbrüten zu können.“ In solchen Schutzzonen werde das Gelege nicht zerstört.

Das sagt der Tierarzt

„Auch für Rehkitze ist eine spät gemähte Wiese der beste Schutz“, weiß Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden aus Wanfried. Denn ab dem Frühlingsmonat Mai setzen Ricken ihre Jungen bevorzugt in blühende Wiesen in Waldrandnähe. Sie verlassen sich darauf, dass die Kitze durch die zahlreichen Flecken auf dem Fell kaum entdeckt werden können. Gleichzeitig drücken sich die Kitze, wenn sich eine Gefahr nähert, ganz fest an den Boden – eine tödliche Gefahr bei der Mahd mit schweren Maschinen. „Verhindert werden können solche Unglücke durch gezielte Absprachen zwischen Jäger und Landwirten“, sagt Ernst-Wilhelm Kalden. „Projekte wie die späte Mahd helfen zusätzlich.“

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