Südlink-Infoveranstaltung im Netraer Bürgerhaus: „Keine Müllhalde der Nation“

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Voll besetztes Bürgerhaus: Aus allen Teilen des Kreises kamen Engagierte nach Netra, um offene Fragen zu klären – und sich deutlich gegen die aktuelle Südlink-Planung der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Transnet BW auszusprechen.

Zwar sachlich, aber emotional aufgeladen verlaufen ist die Diskussion im Zuge der Südlink-Bürgerinformationsveranstaltungen im Bürgerhaus von Netra.

Netra – Welche Rolle spielt der Mensch bei den aktuellen Südlink-Planungen? Verkommt der Werra-Meißner-Kreis etwa zur „Müllhalde der Nation“ – und ist den Beteuerungen der Großkonzerne überhaupt noch Glauben zu schenken? 

Wer stand am Abend für Fragen zur Verfügung?

Rede und Antwort gestanden haben im voll besetzten Bürgerhaus der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann, die Pressesprecher Saskia Albrecht (Transnet BW) und Hendrik Steinke (Tennet) sowie Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Transnet BW. Kurzfristig abgesagt haben Vertreter der Bundesnetzagentur. Den Bürgern eine Stimme gegeben haben Oliver Radel, Torsten Möller und Andreas Pfetzing von der Bürgerinitiative (BI).

Ist Südlink notwendig?

Ja, sagt Dr. Werner Götz. Er sei der festen Überzeugung, dass Südlink gebraucht werde. Die von der BI in einer Präsentation dargestellten alternativen Technologien seien sinnvoll, aber zu kurz gedacht: „Zentrale und dezentrale Energiewende müssen Hand in Hand gehen und sich gegenseitig ergänzen“.

Wie wichtig ist der Mensch bei der Planung?

„Er ist uns wichtig“, bekräftigt Dr. Werner Götz. Die Planer hätten kein Interesse, die Erdkabel dicht an der Wohnbebauung vorbeizuführen. Manko: „Eine Mindestabstandslänge, die der Gesetzgeber vorschreibt, gibt es nicht.“ Gesundheitliche Risiken seien ihm unbekannt.

Fließt ausschließlich Ökostrom durch die Leitung?

„Ich kann nicht ausschließen, dass Strom aus fossilen Brennstoffen durch den Südlink transportiert wird“, sagt Dr. Werner Götz. „Einen Filter, der zwischen Ökostrom und aus fossilen Brennstoffen gewonnenem unterscheidet, gibt es nicht.“

Werra-Meißner-Kreis koordiniert Beteiligung der Bevölkerung

Der Öffentlichkeit wird eine Beteiligungsmöglichkeit am Verfahren seitens der Bundesnetzagentur eingeräumt. „Diese sollte von so vielen Menschen wie möglich genutzt werden“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann. Die Kreisverwaltung macht ein Koordinierungsangebot – E-Mail: torsten.rapp@werra-meissner-kreis.de. Der genau Beginn der Einwendungs-Frist (voraussichtlich Anfang April) wird rechtzeitig bekanntgegeben.

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Vorzugstrasse: Gebrft in drei Schritten

Warum soll die Südlink-Trasse durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen – und nicht weiter östlich durch Thüringen? 

Eingestuft als hohes Hemmnis: die Werra, hier bei Albungen. Um sie zu unterqueren, kommt die HDD-Bohrtechnik zum Einsatz.

Geprüft worden, sagt Hendrik Steinke von der Tennet, seien alle Varianten gleichwertig – und zwar in exakt drei Schritten.

  • 1. Bereiche mit eingeschränkter Planungsfreiheit. Bewertet wurden hier sogenannte Realisierungshemmnisse – etwa Steilhänge und Gebiete mit Populationen seltener Arten. Im Werra-Meißner-Kreis ist das etwa das FFH-Gebiet Werra- und Wehretal. Insgesamt wurden bei der westlichen Trassenführung elf Bereiche als „hohes Hemmnis“ eingestuft; bei der östlichen Variante 13.
  • 2. Qualitativ und quantitative Ausprägung. Gefragt wird: Wie leicht sind die im ersten Schritt ausgearbeiteten Hemmnisse zu umgehen? Sind Bohrungen nötig – und wenn ja, in welcher Länge?
  • 3. Die Wirtschaftlichkeit. Bei der Variante durch den Kreis müssten 167 Kilometer unterbohrt werden; bei der östlichen Alternative 195 Kilometer. „Der Verlauf durch den Kreis leichter umzusetzen“, so das Resümee.

Gemeindegremien Ringgaus verabschieden Resolution gegen Südlink

Klaus Fissmann, Bürgermeister der Gemeinde Ringgau.

Eine Resolution gegen die geplante Stromtrasse Südlink durch den Werra-Meißner-Kreis und die Gemeinde haben Gemeindevertretung und -vorstand Ringgaus nun verabschiedet. „Aufgrund von naturschutzrechtlichen und geografischen Besonderheiten in der Gemarkung Ringgau ist die geplante Stromautobahn in diesem Bereich absolut nicht tragbar“, heißt es in dem Papier. 

Der enge Korridor lasse einen ausreichenden Abstand zu den Wohngebieten in den Ortschaften Röhrda, Netra und Rittmannshausen nicht zu. Weiterhin sprechen etwa ausgewiesene Neubaugebiete gegen die Planung. „Bei der Ausgestaltung der Energiewende müssen die Belastungen für die Bürger ebenso wie die Auswirkungen auf Flora und Fauna berücksichtigt werden.“ Die Gremien verlangen, die Planungen zu überarbeiten und die jetzt vorgesehene Vorzugstrasse zurückzunehmen. Weiterhin treten Gemeindevorstand und -vertretung für den Ausbau dezentraler Energieversorgungen ein und stellen die Planungen der Südlink-Stromtrasse grundsätzlich infrage.

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