LTE-Antennen: Telekom setzt Gemeinde Ringgau Pistole auf die Brust

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Er soll nicht nur Gottes Wort in die Welt schicken, sondern auch schnelles Mobilfunknetz: Die Deutsche Telekom will auf dem Kirchturm in Datterode drei Sendeantennen installieren und den Ort dadurch mit LTE 800 und LTE 1800 versorgen. Mit der Kirche besteht bereits ein Mietvertrag. Doch Teile der Bürger wehren sich, weil sie in den hochfrequenten Sendeanlagen eine Gefahr für die Gesundheit sehen.

Die Deutsche Telekom hat der Gemeinde Ringgau die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder LTE-Sendeantennen im Kirchturm von Datterode oder ein kompletter Rückzug des Unternehmens.

Drei LTE Sendeantennen will die Telekom in dem Kirchturm installieren.

„Wir würden in diesem Jahr noch mit dem Bau beginnen“, sagte Robin-Wulf Zeeck von der Telekom am Donnerstagabend bei der Sitzung der Gemeindevertretung in Renda. „Ist das Votum der Gemeinde negativ, ziehen wir uns zurück“, sagte Zeeck. Das Unternehmen habe bereits viel Geld in das Projekt investiert. Mit den drei Antennen plante die Telekom, den gesamte Ort Datterode mit LTE 800 und LTE 1800, als 5G, zu versorgen. Die Installation müsste das Unternehmen wegen der dort lebenden Turmfalken in den nächsten Monaten vornehmen, denn sobald der Falke brütet, muss Ruhe im Turm sein.

Widerstand

In Datterode hat sich allerdings massiver Widerstand bei Teilen der Bürger gegen die Kirchturmvariante formiert, sie befürchten eine starke Strahlenbelastung durch die hochfrequenten Sendegeräte. Die Kirche hat bereits einen Mietvertrag mit der Telekom abgeschlossen.

Standortalternativen

Eine weiterere Standortprüfung, nämlich Wehretal 1, der bestehende Mast südlich von Datterode, habe die Telekom nicht weiter verfolgt. 2016 fand hier ein Flurbereinigungsverfahren statt und damals war unklar, wem der Grund und Boden, auf dem der Mast steht, gehört. Inzwischen steht fest: Er ist Eigentum der Gemeinde. Aber laut Zeeck hätte der Mast keine weitere Kapazität für drei zusätzliche Antennen, außerdem sei dann nicht sichergestellt, dass ganz Datterode mit LTE-Mobilfunk abgedeckt ist. Die Topografie würde ortsbereiche von der Sendeleistung abschirmen.

Kein Zuschlag für LTE

Die Gemeindevertretung hat der Telekom am Donnerstag keinen Zuschlag erteilt, sondern die Entscheidung in den zuständigen Ausschuss verwiesen. „Wir können jetzt nur wählen zwischen Kirchturm oder Kirchturm“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Hartmann. Er forderte die Telekom auf, eine weitere Standortprüfung am Mast Wehretal 1 und einem weiteren Mast oberhalb Datterodes vorzunehmen. „Wir messen erst nach dem Bau“, sagte Zeeck; die Standortprüfungen beruhen auf Berechnungen.

Nach vier Jahren ergebnisloser Planung sieht Bürgermeister Mario Hartmann das Problem in der fehlenden Beteiligung der Bürger und der Kommune. „Bei einer Hochfrequenzanlage muss die Gemeinde durch den Betreiber angehört werden und mögliche Bedenken berücksichtigt werden.“

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