„Entscheidung ist völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar“

Tennet gibt Vorzugstrasse bekannt: Südlink soll durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen 

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Sollen nach Willen der Tennet im Werra-Meißner-Kreis verlegt werden: Erdkabel. Ein entsprechender Vorschlag ist am Donnerstag bei der Bundesnetzagentur eingereicht worden.

Werra-Meißner - Der Netzbetreiber TenneT als Vorhabenträger für das Projekt Erdkabel Südlink  hat heute bekannt gegeben, dass er der Bundesnetzagentur den Verlauf durch Hessen als Vorzugstrasse empfehlen wird.

Aktualisiert um 17.15 Uhr. Im Abschnitt C bedeutet dies, dass der durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufende Korridor von Witzenhausen über Bad Sooden-Allendorf, Meißner, Wehretal, Ringgau und Herleshausen in Richtung Eisenach verläuft. „Diese Entscheidung der TenneT ist allein schon aus naturschutzfachlicher Sicht völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar“, kritisieren Landrat Stefan Reuß und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann und ergänzen: „Es bleiben erhebliche Zweifel an der fachlichen Beurteilung der Tennet. Wir setzen dabei auch auf die Unterstützung der Hessischen Landesregierung und Minister Al-Wazir, die angekündigt haben, eine an politischen Gesichtspunkten orientierte Entscheidung ebenfalls nicht zu akzeptieren.“

„Die Bekanntgabe der Vorzugstrasse durch den Werra-Meißner-Kreis ist noch keine abschließende Festlegung. Die Entscheidung durch die Bundesnetzagentur fällt erst am Ende des nun folgenden umfangreichen Beteiligungsverfahrens, voraussichtlich Anfang 2020“, betonen Landrat und Erster Kreisbeigeordneter.

Die Kreisspitze ruft die Kommunen und die Bevölkerung auf, sich weiterhin engagiert zu beteiligen: „Dazu gibt es im öffentlichen Beteiligungsverfahren der Bundesnetzagentur für alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit.“ Dieses findet voraussichtlich im April und Mai 2019 statt. Zwar wurden bereits sehr gewichtige Argumente als so genannte „Raumwiderstände“ gegen eine Verlegung von Südlinkk durch den Werra-Meißner-Kreis in den Planungsprozess eingebracht. „Dennoch sind die Kommunen und die Bevölkerung aufgerufen, diese erneut und insbesondere auch weitere, möglicherweise noch nicht bekannte Streckenhindernisse zu benennen“, betonen Landrat und Erster Kreisbeigeordneter.

So könnte die Südlink-Trasse im Werra-Meißner-Kreis verlaufen

Zusammen mit den von den Südlink-Planungen betroffenen Kommunen im Werra-Meißner-Kreis bietet die Kreisverwaltung Bürgerinformationsveranstaltungen an. Dazu eingeladen werden jeweils auch Vertreter der TenneT, der Bundesnetzagentur, des ‎Regierungspräsidiums Kassel und auch der Bürgerinitiative Südlink.

In den betroffenen Kommunen hat sich schon im Vorfeld Widerstand gegen die Südlink-Pläne formiert: Widerstand gegen Südlink formiert sich: Kreis-Kommunen wollen Stromtrasse nicht

Trasse soll laut Betreibern "Mensch und Natur so gering wie möglich belasten"

Mit der Bekanntagbe der Vorrangtrasse ist der Startschuss für die Entscheidung über den endgültigen Verlauf der Südlink-Trasse ist gefallen. Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und TransnetBW favorisieren den Verlauf durch den Werra-Meißner-Kreis. „Dieser Korridor ist das Ergebnis umfangreicher Detailuntersuchungen“, teilt Alexander Schilling, Pressesprecher der TransnetBW, mit. Durch die detaillierte Betrachtung der möglichen Korridorvarianten sei nun ein konkreter Erdkabelkorridor ermittelt worden, der Mensch und Natur so gering wie möglich belaste, ergänzt Manon van Beek, Vorstandsvorsitzende von Tennet. 

„Der Netzausbau braucht die Unterstützung der Politik auf allen Ebenen und gesellschaftliche Akzeptanz. Beides ist der Schlüssel, um Südlink und die gesamte Netzinfrastruktur zu einem Energiewendenetz umzuwandeln.“ Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW, sagte: „Transparenz ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Das werden wir in den nächsten Wochen bei Dialogveranstaltungen umsetzen und der Öffentlichkeit Einblick in die gesetzlich festgelegte Methode und deren Kriterien bieten, die dem präsentierten Vorschlag zugrunde liegen.“

2017 hatten Tennet und TransnetBW ein Netz möglicher Abschnitte identifiziert, die für eine detaillierte Untersuchung geeignet waren. Die Bundesnetzagentur hatte auf dieser Basis die zu untersuchenden Erdkabelkorridore und die dafür notwendigen Gutachten festgelegt. Danach hatten Tennet und TransnetBW diese Varianten – insgesamt rund 2000 Kilometer – anhand von 150 Kriterien untersucht und bewertet.

Im Nachbarlandkreis Hersfeld-Rotenburg wurde hingegen am Montag aufgeatmet: Südlink-Trasse soll nicht durch Waldhessen führen 

Hintergrund: Noch keine endgültige Entscheidung für die Südlink-Trasse

Die Bekanntgabe der Vorzugstrasse des Südlinks durch den Werra-Meißner-Kreis ist noch keine abschließende Festlegung. Die endgültige Entscheidung obliegt der Bundesnetzagentur. Diese eröffnet nun ein Beteiligungsverfahren, an dem sowohl Privatpersonen als auch öffentliche Institutionen, Vereine oder Kommunen teilnehmen können. 

Ende 2019/ Anfang 2020 schließlich entscheidet die Bundesnetzagentur, welcher der beiden Alternativkorridore – die östliche Variante durch Thüringen oder die westliche durch den Werra-Meißner-Kreis – definitiv für die Südlink-Verbindung gewählt wird. Diese Entscheidung ist verbindlich und nicht mehr zu ändern . In den Jahren 2021/ 2022 soll das Genehmigungsverfahren beendet werden. Der erste Strom vom Norden in den Süden Deutschland wird 2025 fließen.

Reaktionen auf die Trassenpläne: „Vorschlag ist inakzeptabel“ und „Nicht einfach hinnehmen“

Der Trassenvorschlag durch den Werra-Meißner-Kreis sei inakzeptabel – das sagen die Mitglieder des Landtags Karina Fissmann und Knut John sowie der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD). Ausschlaggebend für den Vorschlag waren laut Aussage von Tennet die hohe Zahl an besonders schützenswerten Wasserschutzgebieten in Thüringen. „Allerdings waren auch aus dem Kreis eine Vielzahl von Eingaben von Kreis und Kommunen zu Natur- und Wasserschutzgebieten beim Netzbetreiber eingereicht worden“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung: 

  • Bereits bei der Bürgerversammlung in Reichensachsen machte die Landtagsabgeordnete Karina Fissmann deutlich, dass die Trasse aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht durch das Werratal führen dürfe. „Dass jetzt wider Erwarten eine durch den Kreis verlaufende Variante vorgeschlagen wurde, ist nicht akzeptabel. Die Bundesnetzagentur ist auch nicht an den Tennet-Vorschlag gebunden, sondern kann im begründeten Fall noch Änderungen vornehmen. Darauf setzen wir!“ 
  • Michael Roth zeigt sich enttäuscht über den Trassenvorschlag. Klar sei aber auch: „Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Auch der nun beginnende Verfahrensabschnitt bietet weiterhin Möglichkeiten der Beteiligung für Bürger sowie Kommunen. Jetzt gilt es erst recht, mitzureden und sich bei der Bundesnetzagentur einzubringen!“
  • Der SPD-Landtagsabgeordnete Knut John befürchtet eine Belastung der Landwirtschaft: „Eine mögliche Trasse ist nicht nur ein gravierender Eingriff in unsere Natur, sondern ist auch eine massive Belastung heimischer Landwirte. Enttäuscht bin ich von der schwarz-grünen Landesregierung, die in den vergangenen Jahren ein Eintreten für hessische Interessen nicht für nötig hielt.“
Lena Arnoldt

Sichtlich enttäuscht zeigt sich auch die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt nach der Vorstellung der Antragsunterlagen für die Südlink-Trasse. „Der Werra-Meißner-Kreis soll nun die Lasten der Energiewende tragen – das werden wir nicht einfach hinnehmen“, präsentierte sich Arnoldt kämpferisch. „Vor Ort und von Seiten des Landes werden die Bemühungen um den Naturschutz immer weiter verstärkt, die gesetzlichen Anforderungen immer höher geschraubt. 

Jeder potentielle Eingriff muss daher genau geprüft werden und mit Eingriffen auf alternativen Routen genauestens verglichen werden.“ Besonders wichtig sind für die Landtagsabgeordnete allerdings die Menschen, die neben der Stromleitung leben. Hier gilt es nach Arnoldt, die Gesundheitsrisiken eingehend zu untersuchen und bei den Planungen einen größtmöglichen Abstand zur Wohnbebauung herzustellen.

Karten zum Vorschlagskorridor im Internet einsehbar

Um Bürgern, Gemeinden und anderen Interessierten vorab die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlichen Tennet und TransnetBW die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor und zum Korridornetz auf den Projektwebseiten www.suedlink.tennet.eu sowie www.transnetbw.de/suedlink bereits vor Einreichung der Unterlagen bei der Bundesnetzagentur. Die Bundesnetzagentur wird die Unterlagen nach der Prüfung der Vollständigkeit öffentlich auslegen. Dann wird auch die formelle Beteiligung durch die Behörde starten.

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