In diesem Jahr fliegen keine Brote durch die Luft

Traditionelle Brotspende auf der Boyneburg wird an Himmelfahrt nicht stattfinden

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Nicht in diesem Jahr: Die Brotspende durch Otto von Boyneburgk (links) wird in diesem Jahr nicht von Tausenden Wanderern angenommen werden. 

Um das Brot, das vor Blitz und Donner schützt, ist es diesmal schlecht bestellt. Die Coronakrise hat dem alljährlichen Spendengottesdienst auf der Boyneburg einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Andacht, die auf ein Vermächtnis zurückgeht, fand ursprünglich am Gründonnerstag statt, wurde aber wegen der unwirtlichen Wetterverhältnisse auf Anraten von Pfarrer Hochhuth um 1900 auf den Himmelfahrtstag verlegt. Davon berichtet Karl Beck, der 94-jährige Heimathistoriker aus Datterode.

Die Sage

So wäre es normalerweise abgelaufen: Nach dem Gottesdienst wird an die drei Burgfräuleins erinnert, die der Sage nach für die Spende verantwortlich sind. Nachdem dann die Betagten und auch die Schulkinder der ehemaligen Patronatsdörfer ihr „Brot und Speck“ erhalten haben, erfolgt durch Otto von Boyneburgk, der neuerdings von seinen Enkeln und auch von der Pfarrerin unterstützt wird, der „Brotschmiss“, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Barbarossa hielt Hoftag ab 

Warum die Pfarrer von Datterode für das Geschehen auf der Boyneburg zuständig sind, geht auf folgende Begebenheit zurück: Bekanntlich hielt Kaiser Friedrich der I., genannt „Barbarossa“, dreimal einen Hoftag auf der Boyneburg ab. Bei seinem letzten Besuch am 13. Juni 1188 wurde die auf sein Geheiß hin erbaute Kapelle geweiht und der Pfarrer von Datterode als Kaplan der Boyneburg verpflichtet, der Ritterschaft täglich die Messe zu zelebrieren. Aufgrund dieser Berufung reichhaltig mit Gütern und sonstigen Privilegien ausgestattet, war die Pfarrstelle in Datterode sehr begehrt.

Corona-Krise

Wegen Corona-Krise bleibt es diesmal an Himmelfahrt so wie während des Zweiten Weltkriegs ruhig auf der Boyneburg. Bei seinen heimatlichen Nachforschungen ist Karl Beck dazu eine ganz passende Himmelfahrtsgeschichte in die Hände gefallen: Diese steht in den „Heimatgrüßen“ an die Soldaten an der Front, die so von 1941 bis 1945 monatlich über das Geschehen in ihrer Heimat informiert wurden. So spricht der stellvertretende Ortsgruppenleiter Georg Holzapfel aus Röhrda im Juni 1944 den Männern durch Erinnerungen an den Gang zur Boyneburg an Himmelfahrt Mut zu, durchzuhalten.

Georg Holzapfels Sohn Bruno war indes einer der 26 Friedrich-Wilhelm-Schüler, die als Flakhelfer am 2. Oktober 1943 in Kassel-Sandershausen durch einen Bombenvolltreffer ums Leben kamen. Sein anderer Sohn Hartmut wurde 1991 im ersten rot-grünen Kabinett unter Ministerpräsident Hans Eichel Hessischer Kultusminister für zwei Legislaturperioden. Unter seiner Federführung entstand ein neues Schulgesetz. Das Gesetz sah für seine Zeit weit reichende Entscheidungskompetenzen für die Schule vor, setzte einen Schwerpunkt zur Integration behinderter Kinder, sah ein Letztentscheidungsrecht der Eltern über den Bildungsweg für ihre Kinder vor und stärkte die stufen- statt schulformbezogenen Elemente. Hartmut Holzapfel vertrat in dieser Funktion die Bundesrepublik Deutschland von 1996 bis 1999 im Bildungsministerrat der Europäischen Union.

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