Fast ausgestorbener Baum könnte gefragt sein

Die Elsbeere trotzt dem Klimawandel - Vorkommen im Ringgau und Eschwege

Von Ende Mai bis Juni blüht die Elsbeere mit weißen, in doldenartigen Rispen stehenden Blüten, aus denen sich bis zum Herbst ein bis zwei Zentimeter große, rötlichbraune, eiförmige Früchte entwickeln.
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Von Ende Mai bis Juni blüht die Elsbeere mit weißen, in doldenartigen Rispen stehenden Blüten, aus denen sich bis zum Herbst ein bis zwei Zentimeter große, rötlichbraune, eiförmige Früchte entwickeln.

In den 1970er-Jahren galt sie beinahe als ausgestorben. Inzwischen haben sich die Bestände der Elsbeere leicht erholt. Im Ringgau und im Eschweger Stadtwald gibt es in unserer Region einige stattliche Exemplare, wie der Naturschützer Jörg Brauneis festgestellt hat.

Eschwege/Ringgau – Die Elsbeere könnte in Zukunft eine größere Rolle zum Aufbau klimastabiler Wälder spielen.

Aussehen

Wer durch die Wälder der die mittlere Werra begleitenden Muschelkalkberge wandert, dem wird an den Waldrändern und in lichten Laubwäldern immer wieder ein merkwürdiger, kleiner bis mittelgroßer Baum begegnen. Die tiefgrünen Blätter dieses Baumes sind am Rand scharf gesägt, zirka zehn Zentimeter lang und fünf bis acht Zentimeter breit, im Herbst verfärben sie sich leuchtend orangegelb bis blutrot. Die Elsbeere (Sorbus torminalis) findet an den warmen und trockenen Hängen der Werraberge ideale Lebensbedingungen.

Von Ende Mai bis Juni blüht die Elsbeere mit weißen, in doldenartigen Rispen stehen Blüten, aus denen sich bis zum Herbst ein bis zwei Zentimeter große, rötlichbraune, eiförmige Früchte entwickeln. Mit der echten Mehlbeere bildet die Elsbeere gelegentlich Bastarde, die an den Waldrändern des Ringgaus und der Wanfrieder Werraberge zu finden sind. Unter günstigen Bedingungen können Elsbeeren Wuchshöhen von 15 bis 25 Metern erreichen. Die Borke ist schwarzgrau, längsrissig und kleinschuppig. Elsbeeren können bis zu 300 Jahren alt werden.

Vorkommen

Die Elsbeere gilt in Deutschland als in ihrem Bestand gefährdet. Insgesamt wurden bundesweit etwa 80 000 Bäume in vier Verbreitungszentren erfasst. Die meisten Elsbeeren wachsen in Süddeutschland (Nordbayern/Franken). Weitere Zentren gibt es in Mitteldeutschland (Werrabergland und Thüringen).

„Leider gefährdet auch die naturnahe Forstwirtschaft durch die starke Förderung dunkler Buchenwälder die auf lichte Waldstrukturen angewiesene Elsbeere“, sagt Brauneis. Elsbeeren findet man derzeit auf dem Ringgau vor allem in sogenannten Bauernwäldern mit hohem Eichenanteil. Aber auch in den parkartig bewirtschafteten Laubmischwäldern des Eschweger Stadtwaldes an den Leuchtbergen stehen eindrucksvolle Exemplare.

Verwendung

Früher wurde die Elsbeere auch als Darmbeere oder Ruhrbirne bezeichnet, weil die getrockneten Früchte als Mittel gegen Verdauungsstörungen und Durchfallerkrankungen genutzt und Bestandteil jeder Hausapotheke im Verbreitungsgebiet des Baumes waren. Der lateinische Name „torminalis“ stammt von „tormina“, was Kolik oder Bauchschmerzen bedeutet. Auch Martin Luther kannte die medizinische Wirkung der Elsbeeren. Luther verwendete auch zuerst den Namen „Elsbeere“.

Das wertvolle Holz der Elsbeere gilt als eines der härtesten Hölzer Europas. Es ähnelt dem Holz der Birne. Instrumentenbauer schätzen das harte, kaum verziehende Holz. Auch als Edelfurnier für wertvolle Möbel findet es Verwendung.

Nutzen

Die Forstwirtschaft beginnt sich seit einigen Jahren verstärkt für die Elsbeere als Wirtschaftsbaumart zu interessieren. Bereits im Jahr 1988 wurde im Forstamt Wehretal bei Wichmannshausen eine Elsbeeren-Samenplantage mit heute noch 261 Bäumen angelegt.

Deren Früchte werden regelmäßig abgeerntet und in der Samendarre in Hanau-Wolfgang zu hochwertigem Saatgut für Baumschulen aufbereitet. „Insbesondere für die Wiederaufforstung von durch Dürre und Borkenkäferfraß entwaldeten Kalamitätsflächen könnte die Elsbeere in Zukunft eine größere Rolle zum Aufbau klimastabiler Wälder spielen“, sagt Brauneis. (ts)

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