Unter der Linde gab's ein Ständchen

Amerikanerin besuchte das Haus ihrer Vorfahren in Datterode

In der Heimat der Vorfahren: Dorothy Barnhouse (Dritte von rechts) war zu Besuch in Datterode. Unter der Linde spielte ihr Karl Beck (Dritter von links) das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“. Mit dabei waren auch Elisabeth Blaschke, Wolf-Dieter Lautze, Almut Liese und Berthold Blaschke (von links). Foto: Kiele

Datterode. Dorothy Barnhouse aus San Francisco hat erst vor ein paar Jahren erfahren, dass sie Vorfahren in Datterode hat. Dass sie dieser Spur nachgehen wollte, war für sie sofort klar. Doch erst jetzt hatte sie die Möglichkeit, sich in Datterode genauer umzuschauen.

Über 9000 Kilometer ist Barnhouse gereist, um das Haus ihrer Vorfahren bestaunen zu können. Mit ihrer Freundin Almut Liese aus Winsen an der Aller hat sie sich am Donnerstag das Haus aus dem Jahr 1695 angeschaut. Im Harmuthsbach, wo das Haus jetzt steht, wohnt Familie Blaschke, die Barnhouse das Haus auch von innen zeigte. „Für uns Amerikaner ist es schon alt, wenn etwas 50 Jahre alt ist“, sagte Barnhouse schmunzelnd.

Karl Beck, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Datterode, erklärte ihr jede Einzelheit über das älteste Haus in Datterode. Früher stand es in der Nähe der Untermühle. Im 19. Jahrhundert wurde es umgesetzt und steht seitdem in der Straße Harmuthsbach.

Die genauen Vorfahren von Dorothy Barnhouse sind bisher noch nicht bekannt. Früher habe sie ihren Vater oft gefragt, woher ihr Nachname kommt, doch eine genaue Antwort konnte er ihr nicht geben. Karl Beck meint, dass der Name vielleicht so viel wie „ein Haus am Born“ bedeutet. Mit Born ist der Bach gemeint.

Nach der Besichtigung des alten Hauses stand noch ein Besuch bei der Barnhouse-Linde am Anger an, die Familienmitglieder eines anderen Barnhouse-Zweiges in den neunziger Jahren gespendet haben. Dort spielte Karl Beck Dorothy Barnhouse ein Ständchen auf seiner Mundharmonika. Zu „Am Brunnen vor dem Tore“ sangen Dorothy Barnhouse und Almut Liese gleich mit.

Die Ruhe und die grüne Landschaft im Ringgau haben es Barnhouse besonders angetan. Auch die Kirche und der Ort an sich haben die 82-Jährige beeindruckt. Im Fasanenhof schenkte Karl Beck der Amerikanerin zwei Fotoposter von Datterodes Dorfansicht, über die sie sich sehr freute. „Ich wusste nicht, ob es mit der Reise klappt. Deswegen habe ich erst mal niemanden davon erzählt“, sagte sie. Doch wenn sie nach Hause kommt, will sie allen von ihrer schönen Reise erzählen. Die, die dann gerade nicht vor Ort sind, will sie per Post berichten: „Ich werde bis morgens um drei Uhr E-Mails schreiben.“

In Erinnerungen kann sie zu Hause auch noch schwelgen, wenn sie die Chronik von Datterode aufschlägt. Diese hat ihr Berthold Blaschke, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Datterode, am Ausflugstag überreicht.

Hintergrund

Aus Bornhaus wurde Barnhouse

Das Haus der Vorfahren aus dem Jahr 1695, das Dorothy Barnhouse besuchte, ließ Anna Bornhaus damals in Datterode bauen. Das Haus ging in den Besitz des Landwirtes Valten Bornhaus über. Seine Söhne Christoph, Georg, Jacob und Johann Eobald haben auf englischer Seite am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776 - 1783) teilgenommen. Der fünfte Sohn Andreas ist wahrscheinlich nicht an Bord des Segelschiffes gegangen. Die Söhne gehörten zu den „verkauften Hessen“, die aufgrund des Subsidienvertrages des hessischen Landgrafen Friedrich II. mit der englischen Krone als Söldner zur Verfügung gestellt wurden. Christoph, Georg und Jacob Bornhaus gerieten in Gefangenschaft und liefen zu den Amerikanern über. Sie wurden amerikanische Staatsbürger. Aus diesen sind die Nachfahren, die heute den Namen Barnhouse tragen, hervorgegangen.

Von Franziska Kiele 

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