Auf Stippvisite im Ringgau

Henry Kissingers Cousine Lisa Levy besucht Datterode

Unterwegs auf dem Gänsekerleweg: Lisa und Elizabeth Levy genossen den Ausblick auf Datterode, den Ort ihrer Vorfahren. Foto: Beck

Datterode. Berlin, München, Washington, Jerusalem – und dazwischen Datterode: Die Amerikanerin Lisa Levy, Cousine des deutschstämmigen ehemaligen US-Außenministeres Henry Kissinger, war jüngst auf Stippvisite in dem Ringgauer Ortsteil.

Gemeinsam mit ihrer Tochter Elizabeth Levy begab sie sich auf Spurensuche in der Vergangenheit – und wurde dabei tatkräftig von den Mitgliedern des örtlichen Heimatvereins unterstützt.

Seit 35 Jahren besuche sie Deutschland mindestens einmal im Jahr, sagt die 78-jährige Levy, die hervorragend Deutsch spricht. Nie vergesse sie dabei, ihr einstiges Elternhaus in Fulda zu besuchen.

Spurensuche im Ort 

Diesmal jedoch habe sie sich Zeit genommen, um Datterode als den Wohnort ihrer Großmutter, einer geborenen Löbenstein, zu erkunden. Begleitet von einigen Mitgliedern des Heimatvereins suchte das Mutter-Tochter-Gespann nach Spuren der jüdischen Familie im Ort. „Wir haben gemeinsam das einstige Stammhaus der Löbensteins an der Leipziger Straße, ein Ladengeschäft sowie ein Lagerhaus besucht“, sagt Thomas Beck, Vorsitzender des Heimatvereins Datterode. „Ein Verweilen an Grabsteinen der Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof zu Netra rundete die Spurensuche ab.“

Neben der Reise in die Vergangenheit zeigten sich die beiden Besucherinnen aber auch von den landschaftlichen Reizen des Ringgaus begeistert. „Einen kleinen, faszinierenden Einblick bekamen Mutter und Tochter an exponierten Stellen des Gänsekerlewegs“, sagt Beck. Der Premiumwanderweg 19 ist erst vor gut einem Monat eröffnet worden und gilt als der bestbewertete in ganz Hessen.

Lange habe man anschließend zusammengesessen und über die Ergebnisse diskutiert. Dabei gab Lisa Levy auch Einblicke in ihre Familiengeschichte: Mit ihren Eltern floh die damals Dreijährige im Jahr 1940 aus Nazi-Deutschland: zunächst über die Niederlande nach England. Von dort aus emigrierte die Familie in die USA, wo sie sich im Raum Boston (Massachusetts) niederließ. Seit dem Jahr 2008 ist Lisa Levy verwitwet und wohnt in Washington, D.C. Ihre 1960 in Boston geborene Tochter Elisabeth ging nach Israel, heiratete dort und lebt heute in Jerusalem. „Für Gäste und Gastgeber war es eine wunderbare Begegnung, die sicher ihre Fortsetzung finden wird“, sagt Beck.

 

Von Emily Spanel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare