Ein Haus der neuen Hoffnung

Straffällig gewordene Mädchen erhalten Chance auf Ausbildung

Rittmannshausen. Einen Ort schaffen, der einmal ein Zuhause werden soll – das ist zurzeit das wohl wichtigste Projekt von Anja Lenze.

In der seit drei Jahren leerstehenden Hofreite des kleinsten Ringgauer Ortsteils Rittmannshausen laufen dazu die Renovierungsarbeiten auf Hochtouren. Ab Frühsommer sollen hier zunächst vier Mädchen Geborgenheit und Struktur finden, deren Leben bislang von Gewalt, Drogen und Rastlosigkeit geprägt war. „Die Jugendlichen, die sonst wohl keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und einen nachhaltigen Einstieg ins Berufsleben mehr hätten, werden von uns aufgefangen“, sagt die Sozialpädagogin.

Das Gebäude

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Ringgau das weitläufige Gebäude am Ortseingang von Rittmannshausen an die CoLab-Jugendhilfe mit Sitz in Speyer verkauft. Einrichtungsleiterin Anja Lenze ist seitdem mit der Renovierung beschäftigt, die komplett in Eigenleistung erfolgt. Im Erdgeschoss ist bereits eine voll ausgestattete Küche samt Esszimmer fertiggestellt; in der ersten Etage finden sich eigene Räume für zunächst vier Mädchen. „Alles ist bunt und fröhlich gestaltet“, sagt Lenze. Perspektivisch solle noch der Dachboden der Hofreite ausgebaut werden – so könne Platz für drei weitere Mädchen geschaffen werden.

Die Gruppe

Spätestens im Mai ziehen vier Mädchen aus dem ganzen Bundesgebiet nach Rittmannshausen. Diese werden von den jeweiligen Jugendämtern an CoLab vermittelt – das Aufnahmealter liegt bei 13 Jahren. In Rittmannshausen sollen zunächst familienähnliche Strukturen entstehen: „Die Jugendlichen erfahren meist zum ersten Mal Beständigkeit – regelmäßiges Aufstehen oder gemeinsame, selbst zubereitete Mahlzeiten zu festgelegten Zeiten gehören dazu“, erklärt Thomas Friedrich, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung. Mehr als sieben Mädchen würden nicht aufgenommen, um die Gruppendynamik nicht zu gefährden. Auch würden fünf Betreuer ständig vor Ort sein, um die Jugendlichen zu betreuen.

Die Ziele

„Die Mädchen sollen idealerweise ihren Schulabschluss schaffen“, sagt Anja Lenze. Dazu stehe sie bereits in Kontakt mit Schulen in Eschwege; denkbare Optionen seien auch Sontra und Herleshausen. Erklärtes Ziel der Betreuung sei die Vermittlung der Mädchen in eine Ausbildung in einem Pflegeberuf. „Dieses Betätigungsfeld hat Zukunft im Werra-Meißner-Kreis“, sagt Lenze. Mit der Diakoniestation in Datterode stehe sie bereits in Verbindung.

• Vor dem Einzug der Mädchen wird es eine Informationsveranstaltung für die Rittmannshäuser geben. Dort sollen offene Fragen geklärt und Ansprechpartner benannt werden.

Hintergrund

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- Zweite Chance für straffällig gewordene Jugendliche

Die Jugendhilfeeinrichtung CoLab betreibt bereits seit fünf Jahren einen Standort in der historischen Wassermühle in Datterode. Dort sind straffällig gewordene Männer ab 25 Jahren untergebracht. „Wo andere Einrichtungen aufgeben, bilden wir aus“, sagt Geschäftsführer Thomas Friedrich. „Wir glauben an unsere Jugendlichen und kämpfen um jeden Einzelnen.“ Der Erfolg ist beeindruckend: Sind die jungen Männer stabilisiert, werden sie in IT- und Medienberufen ausgebildet. Aktuell haben sich drei der Jugendlichen, die ursprünglich aus der Pfalz stammen, auch nach ihrem Aufenthalt in Datterode für ein geregeltes Leben im Werra-Meißner-Kreis entschieden. CoLab ist eine gemeinnützige GmbH, die sich durch öffentliche Gelder, Spenden und eigene Wertschöpfungen, wie etwa Reparaturdienste, finanziert. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.hol-mich-von-der-strasse.de, per E-Mail unter kontakt@colab.de und unter Telefon 0 62 32/87 73 50.

Von Emily Spanel

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