Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt

Netra: Ziegenhalter soll Schächtung von Tieren zugelassen haben

Ziegen stehen auf einer Weide.
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Eine der größten Ziegenherden Nordhessens gibt es im Ringgau. Zwei der Tiere sind im August von vier Männern auf einem privaten Grundstück in Netra geschächtet worden. Der Halter hatte die Tiere an sie verkauft.

Wegen der illegalen Schächtung (der rituellen jüdischen beziehungsweise islamischen Schlachtung) von zwei Ziegen auf einem Privatgrundstück in Netra ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Kassel.

Netra - Vorgeworfen werden den Männern, die aus Eschwege, Baunatal, Herzberg/Harz und Bad Lauterbach stammen, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Das bestätigte jetzt der Sprecher des Polizeipräsidiums Eschwege, Alexander Först, auf Anfrage unserer Zeitung.

Seiner Auskunft nach habe der Halter der Ziegen (Name ist der Redaktion bekannt) aus dem Ringgau, der mit rund 200 Tieren eine der größten Herden in Nordhessen hat, die beiden Ziegen an die Männer verkauft und ihnen erlaubt, seine Scheune zum Töten zu nutzen. Er habe den Männern ein Bolzenschussgerät mitgegeben, damit die Tiere fachgerecht getötet werden können.

Wie Först weiter mitteilte, hätten die vier Männer das Gerät aber nicht benutzt, sondern die beiden Ziegen in der Scheune geschächtet. Der Halter selbst sei bei der Schächtung nicht zugegen gewesen. „Eine Ausnahmegenehmigung zur Schächtung konnten die vier Männer nicht vorlegen“, sagte der Polizeisprecher. Bei den Tieren konnte die Beamten keine Einschüsse des Bolzens finden.

Neben der Staatsanwaltschaft wurde auch das Veterinäramt des Kreises über den Vorfall, der sich bereits am Sonntag, 16. August, in Netra ereignete, informiert.

Die Polizei alarmiert hatte an dem Sonntagvormittag ein Paar, das gegenüber des Grundstückes mit der Scheune wohnt. Eine Nachbarin schildert, dass die Tiere „fürchterlich geschrien“ hätten und dass in der Scheune schon seit Jahren Schächtungen stattfinden. Der Halter habe, darauf angesprochen, gesagt, dass die Tiere nur schreien, wenn sie gefangen werden. Der WR gegenüber wollte er sich nicht äußern. (Stefanie Salzmann)

Tiere müssen komplett ausbluten

Schächten ist das rituelle Schlachten von im jeweiligen Ritus zugelassenen Schlachttieren, insbesondere im Judentum und im Islam. Die Tiere werden mit einem großen Schnitt quer durch die Halsunterseite, wobei die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, getötet. Dadurch sollen die Tiere rückstandslos ausbluten. Der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch im Islam verboten.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes (Schächturteil) werden muslimischen Metzgern Ausnahmegenehmigungen zum betäubungslosen Schächten erteilt, sofern das Fleisch des getöteten Tieres von Personen verzehrt wird, denen zwingende religiöse Vorschriften den Verzehr des Fleisches nicht geschächteter Tiere verbieten.

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