Zehn Wochen ohne Regen

Trockenheit: Bauern bangen um Ernte

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Sorgenvoll: Julian Manss begutachtet den Weizen auf seinem Feld am Eichenberg bei Netra. Die Kultur geht nun in die entscheidende Phase, in der die wertvollen Körner ausgebildet werden. Bleibt der Regen weiterhin aus, sterben die Pflanzen ab.

Netra. Landwirt Julian Manss sitzt auf dem Trockenen. Zehn lange Wochen ohne Regen haben den Boden seiner Anbauflächen rund um den Ringgauer Ortsteil Netra ausgedörrt.

Wie sehr der Boden geradezu nach Wasser lechzt, zeigen feine Risse, die sich wie ein gigantisches Spinnennetz über Manss’ Maisfeld ausgebreitet haben. An einigen Stellen sind sie bereits daumendick, und statt meterhoher Pflanzen wachsen hier nur 30 Zentimeter hohe Stengel. Manss ist kein Einzelfall: „Die Lage ist mittlerweile so schlimm, wie es die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis noch nie erlebt haben“, sagt Torsten Möller, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. „Einen Teil der Ernte müssen wir bereits jetzt abschreiben.“

Zum Beweis zieht Manss, der zusammen mit seiner Familie einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb bewirtschaftet, einen Stengel aus der Erde, zeigt, was das knochentrockene Wetter mit der zarten Pflanze gemacht hat. Wasser hat die Wurzel so gut wie nie erreicht, ebenso wenig der ausgebrachte Dünger – den feinen Kügelchen fehlte schlicht die Flüssigkeit zum Transport.

Lage verschärft sich weiter 

„Beim ersten Schnitt der Grassilage Anfang Mai verzeichnen wir einen Verlust von 50 Prozent“, sagt Torsten Möller. „Der zweite Schnitt, der üblicherweise Mitte Juni ansteht, ist ein Totalausfall“, so der Archfelder. Damit falle die Hauptgrundlage für die Fütterung des Milchviehs im Winter ersatzlos weg. „Die Landwirte sind gezwungen, auf Stroh ausweichen oder Zuckerrübenschnitzel zuzukaufen.“

Alternativ könne Getreide siliert und im Winter verfüttert werden. Doch das, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, verschärfe die ohnehin prekäre finanzielle Situation der Landwirte zusätzlich, da dann auch die Einnahmen aus dem Verkauf wegbrächen.

Gähnende Leere: Normalerweise wird in dem mannshohen Speicher die Grassilage gelagert. Die Landwirte (von links) Horst und Dieter Manss, Torsten Möller, Andreas Mill, Julian Manss und Hannes Küllmer sind besorgt um das Futter für ihr Milchvieh.

Landwirt Lars Duclos, der einen Ackerbaubetrieb in Witzenhausen bewirtschaftet, befürchtet große Einbrüche beim Sommergetreide, dessen feines Wurzelwerk anfälliger sei als das der Kulturen, welche erst im Herbst ausgesät werden. Auch der Mais leide unter der Trockenheit. Seinen Optimismus hat Duclos dennoch nicht verloren: „Abgerechnet wird erst, wenn der Mähdrescher über das Feld gefahren ist. “

Wichtig sei in erster Linie der Standort der Pflanzen sowie die jeweilige Bodenbeschaffenheit. Da die von Feld zu Feld unterschiedlich sei, mache das endgültige Prognosen nahezu unmöglich. Der Verbraucher wird die Not der Landwirte wahrscheinlich nicht im Geldbeutel spüren. „Wir leben in einer globalisierten Welt“, sagt Torsten Möller nicht ohne Sarkasmus. Fehlten dem Handel Nahrungsmittel, würden die aus anderen Ländern zugekauft.

Von Emily Spanel

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