BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER Unterwegs mit dem Bürgerbus durch Ringgau

Unterwegs mit der Bürgermobil im Ringgau - Verlässliche Mobilität mit Ansprache

Bürgerrmobil Ringgau 
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Rundum umsorgt: Die ehrenamtliche Bürgerbus-Fahrerin Karin Bauer-Blumenstiel (links) hilft ihren zum Teil hochbetagten Fahrgästen wie hier der 89-jährigen Mathilde Rose aus Datterode beim Einstieg, reicht die Handtasche zu und ist immer für einen Plausch zu haben.  Stefanie Salzmann

Unterwegs mit dem Bürgermobil durch die Gemeinden Ringgau und Weißenborn. Das Angebot gibt es seit acht Jahren und wird gut angenommen. 

Seit mehr als acht Jahren Routine in Ringgau und Weißenborn und doch jeden Tag was Neues. Gestern hatte das fabrikneue Bürgermobil seine Jungfernfahrt und Karin Bauer-Blumenstiel am Steuer.

Am Freitagmorgen glitzert noch der Raureif auf dem Asphalt, die Sonne kämpft sich über die Höhenzüge und verheißt einen sonnigen Tag. Das Sparkassenmobil richtet sich auf dem Parkplatz des Marktwertes in Datterode ein und dann rollt pünktlich, wenige Minuten vor halb neun, Karin Bauer-Blumenstiel mit dem fabrikneuen Bürgermobil auf den Parkplatz. Exakt um 8.30 Uhr, streng nach Fahrplan, bricht die ehrenamtliche Fahrerin mit dem Bürgerbus zu dessen Jungfernfahrt durch Ringgau auf.

Die ersten Haltestellen sind verwaist

Zweimal in der Woche nutzt Rita Fietz den Bus.

Dann saust der Bus nach Röhrda, die erste und zweite Haltestelle ist leer, die dritte auch. Also weiter nach Grandenborn. Auch hier kein Fahrgast. „Aber hier ist fast nie jemand“, weiß Karin Bauer-Blumenstiel. Dafür erinnert sie sich an eine Geschichte, in der morgens zwei junge arabische Männer auf den Bus warteten, bei ihrem Anblick am Steuer aber ins wilde Diskutieren kamen, ob sie überhaupt zu einer Frau ins Auto steigen sollten. „Ich hab ihnen dann gesagt, entweder ihr steigt jetzt ein oder ihr müsst halt hierbleiben.“ Sie sind mitgefahren.

Doch die meisten ihrer Fahrgäste sind ältere Menschen, die das Angebot des kostenlosen Bürgerbusses regelmäßig nutzen – für Arztbesuche in der Praxis Hühnermund in Netra, um zur Physiotherapie in Röhrda zu gelangen oder in Datterode einzukaufen.

Zum Einkaufen und zurück

In Datterode oben auf dem Berg beispielsweise wohnen drei ältere Frauen, die steigen zu, lassen sich beim Marktwert absetzen und bei der nächsten Runde geht’s wieder zurück. „Wenn Sie viele Tüten haben, halten wir auch schon mal direkt vor der Haustür.“

Die Bürgerbusrunde führt nach Renda, dann nach Lüderbach – wieder steigt an diesem Morgen niemand zu, auch in Rittmannshausen und Netra nicht. Aber Karin Bauer-Blumenstiel ist ganz optimistisch: „Wir sind noch nie komplett leer gefahren“, sagt sie und behält recht.

Alte Bekannte in Datterode

In Datterode an der Haltestelle Finkenweg wartet eine alte Bürgerbusbekannte. Mathilde Rose, inzwischen 89 Jahre alt, steht in Mantel mit adretter Handtasche und frischer Frisur in der Wintersonne und erwartet den Bus. Karin Bauer-Blumenstiel springt flott aus dem Wagen und hilft der alten Dame, die inzwischen einen Stock braucht, beim Einsteigen. Seit acht Jahren fährt Mathilde Rose jeden Freitag zum Einkaufen. „Solange das Auto fährt, fahren wir natürlich mit“, sagt sie resolut.

Schnell zum Arzt nach Netra 

An der nächsten Station in Datterode klettert die 81-jährige Rita Fietz in den Bus. Sie will heute zum Arzt nach Netra und hofft, bis 12 Uhr wieder aus der Praxis raus zu sein, damit sie den Bürgerbus nach Hause bekommt. „Soll ich reinkommen und gucken?“, fragt Karin Bauer-Blumenstiel. „Nein, nein, ich warte dann draußen“, sagt Rita Fietz. Auch sie ist sozusagen Stammkundin des Bürgerbusses und nutzt ihn für Touren zum Supermarkt oder zum Arzt. Nach dem Tod ihres Mannes habe sie das Auto verkauft. „Nach Eschwege zu fahren hatte ich Angst und in Datterode brauche ich kein Auto.“

Jetzt startet die zweite Runde für diesen Vormittag und Karin Bauer-Blumenstiel steuert das Bürgermobil jetzt nach Weißenborn, wo sie sich wundert, dass „Gitta“ gar nicht an der Haltestelle steht. „Es ist das erste Mal, seit ich fahre, dass sie nicht da ist – vielleicht, weil ihr Platz auf dem Beifahrersitz heute schon belegt ist.“

Auch in Rambach keine Fahrgäste 

Hat gar keinen Führerschein: Der 81-jährige Erwin Sippel aus Rittmannshausen hatte nie ein Auto.

Auch in Rambach gibt es keine Fahrgäste. „Die alten Leute sind inzwischen fast alle gestorben“, sagt Karin Bauer-Blumenstiel, die den Bürgerbus seit acht Jahren regelmäßig fährt. Dafür wartet in Rittmanshausen schon die halbe Familie Sippel am Hoftor und Opa Erwin krabbelt forsch in den Bus – auch er muss zum Arzt nach Netra. Seine Frau Ursula, die sonst meist mit von der Partie ist, bleibt heute zu Hause. „Ich hab gar keinen Führerschein“, sagt der 81-Jährige. „Nie gehabt – nie gebraucht.“ Er sei auch früher schon zur Arbeit nach Kassel mit dem Bus gefahren.

Derweil wird Rita Fietz immer schweigsamer im Wagenfond, bis sich rausstellt, dass sie sich etwas ärgert, weil der Bus nicht auf direktem Weg von Datterode nach Netra gefahren ist. „Ich fahre genau nach Fahrplan“, sagt Karin Bauer-Blumenstiel. Ein bisschen grußlos steigt Rita Fietz an der Arztpraxis aus.

Wiedersehensfreude nach dem Einkauf

Dafür steht vor dem Marktwert in Datterode die lächelnde und winkende Mathilde Rose mit ihren Tüten, die ihr Karin Bauer-Blumenstiel in den Bus schleppt. Bevor es weitergeht, ist Zeit für einen Kaffee.

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