BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER In Weißenborn kann man in den Wald eintauchen

Enstpannung beim Waldbaden - ohne Bikini und Badehose 

Zwei ältere Damen liegen auf Liegen mitten im Wald und genießen mit geschlossenen Augen.  
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Blicken entspannt in die Baumkronen: Gertrud Rietze (links) und Lilli Stieff genießen die Ruhe des Waldes und wollen jetzt regelmäßig zum Waldbaden kommen.

Der Wald als Raum zum Wohlfühlen: Der Trend aus Japan ist auch in Weißenborn erlebbar. Eine Seniorengruppe ist eingetaucht in das Waldbad. Eins ist klar: Sie kommen gerne wieder.

Weißenborn. Wer sich einmal die Zeit nimmt und mit offenen Augen und ohne Hast durch den Wald geht, wird merken, wie positiv sich die Atmosphäre auf sein gesamtes Wohlbefinden auswirkt. Dies ist nicht verwunderlich, denn die reine Luft, das frische Grün der Bäume in Kombination mit den warmen Farben des Bodens und der erdige Geruch – der Erlebnisraum Wald spricht alle Sinne an und löst bei vielen Besuchern ganz eigene Assoziationen und Erinnerungen aus. Das Themenfeld „Waldtherapie“ wird immer populärer und nimmt auch im akademischen Diskurs seit einigen Jahren an Bedeutung zu, hier finden verschiedene Forschungen über die heilende Wirkung des Waldes auf Körper, Seele und Geist statt.

In Japan seit 1980er-Jahren populär

Was bei uns zu Lande noch ein recht junges Forschungsgebiet ist, ist in Japan schon seit den 1980er-Jahren unter dem Begriff „Shinrin Yoku“ bekannt, frei ins Deutsche übersetzt: das Waldbaden. Gemeint ist hiermit die bewusste Zuwendung zum Wald, etwa durch einen Spaziergang durch die Natur, zwischen den Bäumen und dem intensiven Betrachten der Umgebung.

Weltenbummler entdeckte Weißenborn 

Dieses Erlebnis kann man auch hier vor der Haustür haben, denn in Weißenborn wurde vor gut einem Jahr ein Ort geschaffen, der zur Erholung und Wahrnehmung ideal ist. Die Idee hatte Volker Mehl aus Heppenheim, der sich als Buchautor, Coach und Weltenbummler einen Namen gemacht hat. Durch einen überregional erschienenen Artikel ist er auf die kleine Gemeinde Weißenborn aufmerksam geworden, hat sich sofort in die Gegend verliebt und war überzeugt: „Hier lässt sich was machen.“

Der Waldbademeister darf nicht fehlen 

Dabei stieß er bei Bürgermeister Thomas Mäurer auf offene Arme, gemeinsam entwickelte man die Idee des Waldbadens, das auf dem Waldstück von Ludger Arnold errichtet wurde. „Und mit Karl-Ulrich Körtel haben wir einen sehr fähigen und bewanderten Waldbademeister gefunden“, freut sich Thomas Mäurer.

Sechs Liegen zum Innehalten

Das Konzept des Waldbadens sei recht offen, im Wald stehen aktuell sechs Liegen, die zum Innehalten einladen. „Jeder ist hier herzlich willkommen, Atem zu holen“, erklärt Thomas Mäurer, der das Waldbaden als echte Aufwertung des Erholungsangebotes der Region sieht. Zudem können feste Termine mit dem Waldbademeister Körtel gebucht und unter Anleitung das Entspannungserlebnis erfahren werden. „Ich arbeite mit Senioren, Kindern, Firmenteams und Managern, und egal welches Alter die Teilnehmer haben, alle sind davon fasziniert, wie sich die Kraft des Waldes auf sie auswirkt“, so der 65-Jährige, der in seinem Berufsleben als Prokurist selbst immer auf Hochspannung lief. Als studierter Diplom-Pädagoge habe er lange in der Erwachsenenbildung gearbeitet. Nun, als Pensionär, will er, der auch aus familiären Gründen eine große Verbundenheit zum Wald verspürt, buchstäblich wieder zu seinen Wurzeln zurück und mit den Menschen arbeiten. Aber wie funktioniert das Waldbaden, ganz konkrekt? Davon verschaffte sich in dieser Woche die Seniorengruppe aus Weißenborn einen Eindruck.

Erst Gymnastik, dann Baden in der Flora 

Zu Beginn stand Gymnastik an, die Teilnehmer wärmten sich mit verschiedenen Atem- und Bewegungsübungen auf. Im Anschluss wurde eingetaucht in das Waldbad, im Liegen genossen Lilli Stieff und Gertrud Rietze den Blick hoch in die Baumkronen. „So etwas macht man ja sonst nie, dabei ist es so einfach“, sagen die beiden Frauen. Mit von der Partie waren Thea Wettig aus Rambach (heute in Eschwege lebend), die sich sehr für die Mechanismen der Natur interessierte, und der ehemalige Bürgermeister Arno Mäurer, zeigte sich begeistert darüber, dass man auch ohne Badehose oder Bikini baden kann. Im Anschluss an das Bad stärkten sich die Senioren bei Kaffee und Kuchen, einig waren sich alle: „Wir werden hier jetzt öfter in den Wald eintauchen.“

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