Mögliche Standorte in den Gemarkungen von Rittmannshausen und Netra

Gemeinde Weißenborn positioniert sich gegen Windkraftanlagen in Ringgauer Ortsteilen

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Könnten sich bald rund um die Graburg drehen: Windkraftanlagen, wie hier im Kaufunger Wald. Die Gemeinde Weißenborn setzt sich zur Wehr – in Rambach hat sich so die Initiative BIFUUHL gegründet.

Weißenborn – Die Gemeinde Weißenborn spricht sich vehement gegen eine mögliche Vergabe von Windenergiestandorten in den Gemarkungen der Ringgauer Ortsteile Rittmannshausen und Netra aus.

Von einer „untragbaren Situation“ gar spricht Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer – wir beantworten die drängendsten Fragen.

Was genau ist in Sachen Windkraft geplant?

Bis zu sieben Windkraftanlagen, jede gut 230 Meter hoch, könnten sich künftig in den Gemarkungen der Ringgauer Ortsteile Rittmannshausen und Netra drehen. Die Planungen fußen auf dem zweiten Entwurf des Teilregionalplans Energie 2016. Dort werden entsprechende Vorranggebiete (hier: ESW 035 und ESW 038) ausgewiesen. Bereits vor zwei Jahren hatte die Firma Vortex Energy mit Sitz in Kassel entsprechende Planungen vorgestellt.

Wie ist Weißenborn in den Prozess involviert?

„Als Nachbarkommune von Ringgau – dort soll das Projekt umgesetzt werden, und von dort wird das Vorhaben befürwortet – sind wir nicht in den Genehmigungsprozess involviert“, sagt Bürgermeister Thomas Mäurer. Ein aktives Eingreifen sei so nur schwer möglich.

Welche Kritikpunkte werden angebracht?

„Wir können uns des Gedankens nicht erwehren, dass die Vergabe der gewünschten zweiprozentigen Ausweisung der Landesfläche für Vorranggebiete gern im ländlichen Raum umgesetzt wird“, sagt Bürgermeister Thomas Mäurer. Er fragt weiterhin: „Wie kann man vereinbaren, dass über 1000 Hektar Waldfläche an der Graburg genau in der Nachbarschaft der geplanten Anlagen als Urwald ausgewiesen werden?“

Was sagt Hessen Forst zu den Plänen?

„Wir beteiligen uns aktiv an der Umsetzung der energiepolitischen Ziele der Landesregierung“, heißt es in einem Schreiben Hessen Forsts. Geeignete Staatswaldflächen, die einen gesellschafts- und umweltverträglichen Ausbau erwarten lassen, würden für den Ausbau als Windenergiestandorte zur Verfügung gestellt. „Der Landesbetrieb Hessen Forst beabsichtigt daher, die Staatswaldflächen im Vorranggebiet ESW 35 des Forstamts Wehretal interessierten Entwicklern von Windenergieprojekten anzubieten.“  

Chronik der Informationsweitergabe an den Gemeindevorstand Weißenborn

„Mehr als suspekt“ komme den Mitgliedern des Gemeindevorstands die Informationsweitergabe bezüglich möglicher Windkraft vor. Eine Chronik: 

Am 7. Januar wird der Gemeindevorstand durch Hessen Forst darüber informiert, dass in Kalenderwoche fünf eine Ausbietung des Standorts ESW 35 erfolgt. Sechs Wochen danach solle bereits der Zuschlag erteilt werden. Die Nachbarkommune habe bis zum Ende der dritten Kalenderwoche Zeit, Hinweise und Anregungen abzugeben. 

Mit einer E-Mail vom 8. Januar wurden Hinweise und Anregungen an Hessen Forst fristgerecht abgegeben, bestätigt Thomas Mäurer.

Zwischenzeitlich, so der Bürgermeister, aber hätten eigene Recherchen ergeben, dass der Genehmigungsprozess für eine einzige Windkraftanlage durch die Firma Eno Energy vorliege. Durch die Firma Vortex Energy sollen bis zu sieben Anlagen errichtet werden. Eine öffentliche Beteiligung ist bei dem aktuellen Vorhaben nicht vorgesehen. 

Naturschützer äußern massive Bedenken gegen Vorranggebiet-Ausweisung

Wurden im Netratal beobachtet: die seltenen Schwarzstörche.

„Erhebliche Bedenken“ gegen die Ausweisung des Vorranggebiets für Windenergienutzung ESW 35 bestehen auch aus naturschutzfachlicher Sicht. „Es ist für uns schwer vorstellbar, dass alle Verträglichkeitsprüfungen ohne die Einbeziehung der Expertise der anerkannten Naturschutzverbände vor Ort erfolgt sind“, teilt Dr. Jörg Brauneis für den Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege mit. 

Dem Bau von Windkraftanlagen in diesem ökologisch hochsensiblen Bereich stünden die Gefährdung der Brut- und Zugvögel, der Fledermäuse und die Zerstörung des Naturschutzgebiets Graburg gegenüber. „Der Schaden am Landschaftsbild in diesem wegen seiner Schönheit und Eigenart bevorzugten Wander- und Erholungsgebiet darf nicht unterschätzt werden“, sagt Dr. Jörg Brauneis. 

Besonders das Naturschutzgebiet Graburg ziehe als Pflanzenstandort von bundesweiter Bedeutung alljährlich Naturfreunde und Touristen an. „Wir bitten deshalb dringend, die Gemeinde Weißenborn bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Bau von Windkraftanlagen auf der Graburg zu unterstützen. Insbesondere erbitten wir, eine öffentliche Beteiligung im Genehmigungsverfahren sicherzustellen.“

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