250 Meter Abstand zum Naturschutzgebiet

Geplante Windkraftanlage an der Graburg: Anwohner verlangen nach Informationen

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Anwohner verlangen nach Informationen zur geplanten Windkraftanlage an der Graburg

Rambach – Ein Großteil der Besucher einer Informationsveranstaltung am Mittwoch in Rambach kam aus der Nachbargemeinde Ringgau nach Rambach. 

Der Grund: Details zu der geplanten Windkraftanlage am Südhang der Graburg bei Netra. Die Informationen wurden sorgsam aufbereitet und präsentiert durch Manuel Lehmann, Mitglied des Rambacher Ortsbeirats. Mangelnde Information, fehlende Transparenz und insbesondere die Nichtexistenz einer Öffentlichkeitsbeteiligung monierten am Mittwochabend nicht nur die Besucher, sondern auch Andrej Schindhelm als Sprecher der örtlichen Bürgerinitiative.

„Überschreitet ein Genehmigungsverfahren eine bestimmte Größe nicht, muss die Öffentlichkeit auch nicht beteiligt werden“, erklärte Manuel Lehmann – heißt im konkreten Fall: Hätte die Gemeinde Weißenborn nicht durch bloßen Zufall von dem beim Regierungspräsidium Kassel anhängigen Genehmigungsverfahren erfahren (wir berichteten), „würden die Bagger auf der Graburg schon rollen“. 

Die größten Verlierer, führte Manuel Lehmann aus, seien dann die Menschen der Region: Sie hätten mit Infraschall und der Akustik der Geräte zu kämpfen, die Zerstörung der Landschaft zu ertragen und den Wertverlust ihrer Immobilien zu kompensieren. Nicht zu vergessen: Auch die Finanzierungslast werde letztlich durch die Stromverbraucher in Form der EEG-Umlage getragen.

„Besonders paradox“, ergänzt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer, sei es, dass die geplante, 242 Meter hohe Anlage in nur 250 Metern Entfernung zum Naturschutzgebiet Graburg errichtet werden soll – „ein offener Widerspruch“.

30 Anlagen sind möglich

Platz bieten das Windvorranggebiet ESW 035 (Netra) und das angrenzende ESW 038 (Rittmannshausen) für 30 Anlagen. „Und klar ist, dass es nicht bei einer Anlage bleiben wird“, führte Manuel Lehmann aus. Diese erste sei nur dazu da, weitere Windkraftanlagen nachzuziehen. Vorverträge existierten nach eigenen Recherchen bereits.

Dank der Energiewende-Ziele des Landes ergebe sich eine bemerkenswerte Situation für die Betreiber dieser Anlagen: „Sie erfüllen unter dem Deckmantel der grünen Energie die Vorgaben des Landes –und das ohne jedes unternehmerische Risiko und mit sagenhaften Renditen“.

Die Genehmigungsbehörde sei das Regierungspräsidium in Kassel. Dort werde nach Aktenlage entschieden. Geschickt: Das Land Hessen hat die Prüfung von Betreibern und Standorten ausgelagert; die benötigten Gutachten geben die Unternehmen selbst in Auftrag.

„Der, der bauen will, bezahlt also den, der prüfen soll, ob gebaut werden darf“, so Manuel Lehmann. Und der, der entscheide, ob gebaut werden dürfe, verlasse sich auf den, der geprüft habe. „Und so“, schließt Manuel Lehmann, „wird der Bock zum Gärtner gemacht.“ 

Windkraft an der Graburg verhindern: So können sich Betroffene jetzt einbringen

Was, fragt Andrej Schindhelm von BIFUUHL (Bürgerinitiative für ultimativen Umweltschutz im hessischen Land), können Betroffene jetzt noch tun, um die Windkraftanlage an der Graburg zu verhindern? Rat gesucht haben er und seine Mitstreiter sich dafür bei der BI in Ziegenhagen (Witzenhausen).

• Die Vereinung und die Vernetzung aller Betroffenen im Ringgau und in Weißenborn. Die Windkraftgegner müssten geschlossen – und, wünschenswerterweise – in großer Mannstärke für ihre Sache eintreten. 

• Die letzte Entscheidung über die Genehmigung der Anlage obliegt Berit Bender vom Regierungspräsidium in Kassel. „Sie muss stichhaltige Einwendungen überprüfen“, sagt Andrej Schindhelm – und diese sollten jetzt eingereicht werden. Hier helfen die Mitglieder der BI gern weiter. E-Mail: info@nahumantura.de. 

• Der Klageweg: Wird die Anlage trotz des Bürgereinsatzes genehmigt, kann nur ein direkt Betroffener klagen – ein Naturschutzverband hat bereits seine Bereitschaft signalisiert.

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