900 Kilo geballte Sanftmut

Tobias Schäffer aus Weißenborn ist einer der letzten Waldarbeiter, die mit Rückepferd arbeiten

Zieht meterlange Baumstämme aus dem Wald, als wögen sie nichts: Rocky und sein Zugführer Tobias Schäffer können auch in unwegsamem Gelände Holz ernten.
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Zieht meterlange Baumstämme aus dem Wald, als wögen sie nichts: Rocky und sein Zugführer Tobias Schäffer können auch in unwegsamem Gelände Holz ernten.

Pferde im Waldeinsatz – das mag romantisch anmuten, ist aber ein wahrer Knochenjob, der immer seltener wird. Wir waren im Wald bei Weißenborn vor Ort.

Weißenborn – „Macher“ steht auf der roten Weihnachtsbaumkugel, die das Innere des Jeeps von Tobias Schäffer ziert und könnte kaum treffender den Mann am Steuer beschreiben. Vor vier Jahren besuchte er eine Pferdemesse und verliebte sich in das, was er da sah. „Dort wurde vorgeführt, wie man Pferde in Forst- und Landwirtschaft einsetzen kann. Das hat mich umgehauen und ich wusste sofort: Ich will das auch machen.“ Schäffer fackelte nicht lang. Über eine Anzeige fand er den damals zweijährigen Rocky und brachte ihn nach Weißenborn.

Hat sich einen Traum erfüllt: Tobias Schäffer ist einer von zwei Pferderückern im Kreis.

Erst ein Jahr zuvor war er selbst zusammen mit seiner Frau Sabine hierhergezogen. Nach vielen Jahren in Frankfurt am Main hatten sie der Großstadt den Rücken gekehrt, um ihre Kinder im ländlichen Idyll aufwachsen zu lassen. „Wir stammen beide aus Weißenborn, waren zusammen im Kindergarten“, so Schäffer, der sich mit dem Neustart auch beruflich neu ausrichtete. Als Gra-bourg-Scout bringt er seitdem Besuchern seine Heimat näher. Und nun kam Rocky, ein rund 900 Kilogramm schweres Kaltblut. „Seine Augen haben mich damals überzeugt. Man sieht ihm einfach an, dass er sanft ist. Ein Toppferd“, schwärmt Schäffer.

Seitdem befinden sich Pferd und Mensch in einem andauernden Lernprozess. Obwohl er mit Pferden aufgewachsen sei, wäre das ohne fachkundige Unterstützung nicht möglich gewesen. „Ich hatte das große Glück gleich zu Beginn, Otto Linhose zu finden, der mir seither mit Rat und Tat zur Seite steht.“ Von Glück zu sprechen, ist hier auf jeden Fall angebracht, denn Pferderücker sind extrem selten geworden. Linhose selbst wohnt in Hoheneiche und geht schon seit vielen Jahrzehnten mit seinen Pferden in den Wald, um dort Baumstämme herauszuholen.

„Leben kann man davon nicht und die Bedingungen werden auch nicht einfacher“, resümiert Linhose und spricht damit auch den Borkenkäfer an, der ganze Wälder vernichtet „das wird dann alles mit Maschinen rausgeholt.“ Schäffer kann ihm da nur zustimmen, trotzdem möchte er an seinem Traum festhalten.

Er und Rocky sind ein eingespieltes Team. Ein gelegentliches „Brrrr“ – mehr ist kaum zu hören. Ziel ist es, dass Rocky hauptsächlich auf Schäffers Stimme hört und kaum mit Seilen gelenkt wird. „Rocky muss auf mich hören. Besonders muss er ruhig stehen, wenn ich es ihm sage, ansonsten ist ein Finger mal ganz schnell ab“, erklärt Schäffer, während er zum wiederholten Male ganz dicht hinter Rockys mächtigem Hinterteil kniet und die Seile festzurrt.

Auch wenn die Auftragslage rosiger aussehen könnte, hat Schäffer mit Apollo ein zweites Pferd angeschafft, das er, wenn der Hengst so weit ist, trainieren möchte. „Mit zwei Pferden kann man den Tieren abwechselnd genug Ruhephasen gönnen“, so Schäffer, dem ein schonender Umgang mit seinen Tieren wichtig ist.

Zurzeit werden er und Otto Linhose hauptsächlich von Privatwaldbesitzern gebucht, auch Hessen-Forst hat sie schon eingesetzt, aber das ist eher die Ausnahme. „In Hessen gibt es nur für Privatwaldbesitzer eine Förderung, wenn sie Pferderücker beauftragen. Ich würde mir wünschen, dass uns die Forstämter mehr unterstützen“, so Schäffer, der die bodenschonenden Pferde als sinnvolle Ergänzung zu Maschinen sieht.

Diesen Schritt trotz der harten Bedingungen gegangen zu sein, habe er jedoch noch nie bereut. „Man muss sich fragen, wo wollen wir denn hin? Immer nur größer und schneller geht nicht. Es ist zwar ein harter Beruf, aber er ist nachhaltig und für mich ist das Gleichgewicht zwischen Geld und Lebenszeit genauso wichtig. Ich kann mich hier frei entfalten.

Von Ulrike Käbberich

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