„Bei Veralberung hört Spaß auf“

Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer im Interview zur Darstellung der Gemeinde im HR-Fernsehen

Fröhlicher Drehtag Ende August: Die Symbolfiguren Mattenklickerin (Rambach, Vrauke Krause) und Dörnermann (Weißenborn, Martin Kliebisch) standen dem Drehteam ebenso Rede und Antwort wie die vielen Kinder des örtlichen Kindergartens. Zu sehen war davon in der Ausstrahlung nichts. Foto: Spanel

Weißenborn.Das Glück gesucht hat ein Filmteam des Hessischen Rundfunks in der Gemeinde Weißenborn (wir berichteten) – hinterlassen hat diese Ausgabe der „Wilden Camper“ nach Ausstrahlung aber vor allem Enttäuschung. Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer zu einem missglückten Dreh.

Bürger, die sich geschlossen für ihre Heimat aussprechen; das geballte Vereinsleben, konzentriert rund um den Kirchring – eigentlich beste Voraussetzungen für einen gelungenen Dreh. Herr Mäurer, was ging da trotzdem schief?

Thomas Mäurer: Engagierte Weißenbörner und Rambacher haben mit ausgelassener Stimmung, großem Einsatz und einem außergewöhnlichen Programm die besten Voraussetzungen für den HR geschaffen. Ausgestrahlt aber wurde eine Sendung, die schwer mit dem fröhlichen Drehtag in Verbindung zu bringen ist: lustlose Schnitte, zusammenhanglose Beiträge und ein immerwährender, unterschwelliger Ton der Verunglimpfung.

Ein wenig Provokation gehört zum Konzept der Sendung “Wilde Camper“ ...

Mäurer: ... und die Bürger der Gemeinde haben mitgespielt und die provokanten Thesen entkräftet. Zu sehen war davon allerdings nichts: Kritische Kommentare wurden ebenso herausgeschnitten wie die vielen sehenswerten, eigens vorbereiteten Auftritte der örtlichen Vereine. Im Übrigen verstehen wir in Weißenborn und Rambach viel Spaß – der hört aber genau dann auf, wenn man uns veralbern will.

Viel Raum nahmen die beiden Thesen ein, dass Weißenborn nicht nur die ärmste, sondern auch geburtenschwächste Gemeinde Hessens sei.

Befremdlich: Moderator Daniel Mauke als Liebesbote unterwegs in der Gemeinde Weißenborn. Screenshot: HR-Fernsehen

Mäurer: Dagegen können wir uns nicht wehren. Allerdings: In keiner Sequenz wurde beispielsweise der örtliche Kindergarten erwähnt, der nicht nur gut besucht ist, sondern eine hervorragende Betreuung bietet. Den Humor der Darstellung des HR dagegen – Moderator Daniel Mauke unterwegs auf einem geliehenen Fahrrad mit rosa Luftballons und Sexspielzeug – kann ich nicht teilen. Das passt nicht zum Seriositätsanspruch eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Auffällig oft war die verfallene ehemalige Dorfkneipe „Zum Dörnermann“ zu sehen.

Mäurer: Leider ohne die zugehörige Erklärung: Das Gebäude ist verkauft und wird derzeit aufwendig saniert. Aber das passte wohl nicht in das Konzept der Sendung.

Gab es im Vorfeld keine Absprachen zwischen dem HR und Ihnen?

Mäurer: Nein, ein Vorgespräch gab es nicht. Aufgrund der negativen Erfahrungen in der Gemeinde Weißenborn mit Beiträgen dieser Art in der Vergangenheit habe ich den Kontakt zum Sender gesucht, um auf die Sensibilität des Themas hinzuweisen. Reagiert wurde nicht.

Welche Lehren ziehen Sie aus der jüngsten Erfahrung?

Mäurer: Ich kann jedem Bürgermeister empfehlen, eine solche Drehanfrage abzulehnen. Wir in Weißenborn haben die Aufzeichnung der „Wilden Camper“ als eine echte Chance begriffen und sind mit einem Flop bestraft worden. Fest steht: Dieser Beitrag wirkt nicht motivierend, den ländlichen Raum im Werra-Meißner-Kreis zu besuchen und die vielen Besonderheiten kennenzulernen. Schade.

Die Sendung ist unter www.hr-fernsehen.de unter der Rubrik „Sendungen von A bis Z“ zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare