Aus der Gastronomie im Oktober

Ungewisse Zukunft für Weißenborns Dorfgemeinschaftshaus

Traditionsgasthaus: Das Gasthaus Faber ist über Weißenborn hinaus bekannt und beliebt. Im Oktober soll nun Schluss sein mit der Gastronomie – wie es mit den Räumlichkeiten weitergeht, bleibt offen. Foto: Spanel

Weißenborn. Die letzte verbliebene Gastronomie in der Gemeinde Weißenborn steht vor dem Aus: Wohl nur noch „bis Ende Oktober“ will das Ehepaar Faber sein Gasthaus in der Ortsmitte bewirtschaften. Eine Nachfolgeregelung steht noch nicht fest.

Darüber hinaus gilt es für die Gemeinde Weißenborn, noch ein weiteres drängendes Problem zu lösen: „Die Antragsfrist zur Förderung von Projekten der Dorferneuerung läuft zum 30. September aus“, sagte Bürgermeister Thomas Mäurer am Mittwochabend vor der versammelten Gemeindevertretung. „Danach wird keine öffentliche Förderung für das Privatobjekt mehr möglich sein.“

Die Vorgeschichte

Das Gasthaus Faber ist der Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Lebens in Weißenborn. Seit Mitte der 1980er- Jahre betreiben Magdalena und Günter Faber ihr Lokal. 1994 schließlich wurde das Gebäude gemeinsam mit der Gemeinde Weißenborn und mit finanzieller Unterstützung der Dorferneuerung grundlegend renoviert. Hessenweit ist dieses Konzept bis heute einmalig, erklärte Bürgermeister Thomas Mäurer: „Die Kommune hat einen Nutzungsvertrag mit den Fabers geschlossen, um alle Möglichkeiten eines Dorfgemeinschaftshauses auszuschöpfen. Das Eigentum aber ist zu 100 Prozent bei den Fabers geblieben.“

Die Ausgangslage

Die ursprünglich gegebene Zusage des Ehepaars Faber zur Eigentums- und Weiterführungsübertragung des Gebäudes innerhalb ihrer Familie wurde nun überraschend zurückgezogen. „Somit besteht für die Kommune keine Chance mehr, einen Folgevertrag abzuschließen“, erläuterte Thomas Mäurer. Dieser sei jedoch zwingend nötig gewesen, um kommunale Investitionen in dem Privatobjekt über die Dorferneuerung umsetzen zu können. 75 Prozent der Fördermittel drohen nun zu verfallen.

DIE FRIST

Zwischenzeitlich, so Mäurer, seien seitens des Ehepaars Faber bereits Anstrengungen unternommen worden, einen Käufer für das Gebäude zu finden. „Bis zum Donnerstag, 31. August“, sagte der Bürgermeister, „ist von den Fabers – sofern sie weiterhin an einer Zusammenarbeit mit der Kommune interessiert sind – ein schlüssiges Konzept vorzulegen.“ Das solle dann in den zuständigen Gremien beraten und beschlossen werden.

Die Nutzung

Unabhängig von einer möglichen Schließung der Gastronomie behält der mit der Gemeinde Weißenborn geschlossene Nutzungsvertrag bis zum Jahr 2018 seine Gültigkeit. Das sei ihm im persönlichen Gespräch mit den Eigentümern zugesichert worden, sagte Thomas Mäurer. „Für die Nutzung der Räumlichkeiten kann beispielsweise eine Pauschale an die Eigentümer gezahlt werden“, schlug Martin Kliebisch, Vorsitzender der SPD-Fraktion, vor.

Begegnungsstätte schaffen

Eine der kommunalen Aufgaben ist es, eine Begegnungsstätte für Vereine und Gruppen zu schaffen. Ist das im Gasthaus Faber nicht mehr möglich, muss in Weißenborn kurzfristig eine Alternative geschaffen werden. „Ein Lösungsansatz ist so zu verstehen, dass die ehemalige Weißenbörner Grundschule als kommunale Begegnungsstätte hergerichtet wird“, sagte Bürgermeister Thomas Mäurer. 

Die Infrastruktur – also Wasser, Abwasser, Heizung, Sanitäranlagen und die Einrichtung – werde für Gesellschaften nutzbar gemacht. „Gleichzeitig ist das Projekt als Vorbereitung für eine spätere Tagespflege, die möglicherweise in die Räumlichkeiten der ehemaligen Grundschule einziehen wird, zu sehen“, so Mäurer weiter. Somit werde keine Parallelstruktur zur Gaststätte/ zum Dorfgemeinschaftshaus aufgebaut. Außerdem könne jederzeit auf neue Situationen und veränderte Gegebenheiten hinsichtlich der Gaststätte Faber reagiert werden – etwa dann, wenn ein Pächter, Mieter oder Käufer gefunden worden sei. Dieses Vorhaben könnte mit Mitteln der Dorferneuerung gefördert werden. 

„Die Kostenschätzungen inklusive Tagespflege lagen bei 408.000 Euro“, so der Bürgermeister. „Bei einer Umsetzung des Projekts als Begegnungsstätte sind rund 100.000 Euro an geringeren Aufwendungen umsetzbar.“ (esp)

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