TV-Team ist nicht zimperlich

Hessischer Rundfunk dreht am Montag die Sendung „Wilde Camper“ 

Nicht nur ein Paradies für Wanderfreunde: die Gemeinde Weißenborn. Die rund 1040 Einwohner der beiden Ortsteile Weißenborn und Rambach leben ruhig und mit kurzen Wegen etwa zur Kreisstadt Eschwege. Foto: Spanel

Weißenborn. Zu Protagonisten der Fernsehsendung „Wilde Camper“ des Hessischen Rundfunks (HR) werden am kommenden Montag, 28. August, die Bewohner der Gemeinde Weißenborn.

Ab 16 Uhr sollen die Aufnahmen rund um den historischen Kirchring beginnen.

Das Team um die beiden Moderatoren Daniel Mauke und Julia Tzschätzsch, die sich selbst gern mit dem Ruf „Achtung, wir kommen“ ankündigen, geht dabei im Vorfeld wenig zimperlich vor. Ziemlich provokant heißt es etwa in der Ankündigung des HR: „Sie leben im ärmsten Dorf Hessens, haben das niedrigste Einkommen und bekommen die wenigsten Kinder: Es sieht nicht gut aus für die Menschen in Weißenborn im Werra-Meißner-Kreis. Wie kann man hier nur leben?“

Ungewöhnlich ist diese Vorgehensweise nicht: Bereits in den vorherigen Ausgaben der „Wilden Camper“, in denen unter anderem das Dorf Sellnrod (Vogelsbergkreis) besucht wurde, setzten die Verantwortlichen auf Konfrontation – und bezogen dafür reichlich Kritik.

Halb so schlimm, beschwichtigt Moderatorin Julia Tzschätzsch – lediglich ein wenig locken wolle man die Bewohner, damit sie dem Fernsehteam zeigen, für wie liebenswert sie ihren Heimatort tatsächlich halten. Und so wolle man am Montag gemeinsam mit den Weißenbörnern folgenden Fragen nachgehen: „Warum sind sie in Weißenborn so klamm? Und die wenigen Kinder – woran liegt’s? Keine Liebe? Und die wichtigste Frage: Wie kann man in Weißenborn trotzdem glücklich sein?“

Ort ist gerüstet

Die Gemeinde jedenfalls ist gerüstet für den Besuch des Fernsehteams: Die Landfrauen werden Eisenkuchen backen und der Spielmannszug wird musizieren. Unterstützung erhalten die Symbolfiguren Weißenborns und Rambachs, der Dörnermann und die Mattenklickerin, von den Wildecker Herzbuben, welche ihre Heimat auf das Beste repräsentieren wollen. Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land. wird die touristischen Vorzüge Weißenborns herausstellen. Nicht fehlen dürfen die Mitglieder der Seniorenbewegung, die das Weißenbörner Lied singen werden, und die Kinder des Kindergartens der Gemeinde.

Kommentar 

Das ärmste Dorf Hessens? Fehlende Liebe? Nanu? Es bedarf viel Fantasie, um von dieser Beschreibung des HR-Fernsehens auf die Gemeinde Weißenborn zu schließen. Wohl kaum ein Ort zeichnet sich durch eine größere Identifikation seiner Bewohner zur Heimat aus, hat ein solch hervorragend funktionierendes Ehrenamt – Stichwort Männerwerkstatt – und trotz der geringen Größe so viel zu bieten. 

Fest steht aber auch: Klappern gehört zum Geschäft, und die Fernsehmacher wissen: Ein bisschen Provokation verschafft maximale Aufmerksamkeit. Und die Weißenbörner werden diese am Montag nutzen und sich ganz Hessen so liebenswert präsentieren, wie sie sind.

Von Emily Spanel 

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