WR-Serie: Die Kirche im Dorf lassen

Fest und unerschütterlich: Das Gotteshaus ist Mitte und Mittelpunkt Weißenborns

Der Mittelpunkt des Orts der Dörnermänner Weißenborn: die Kirche. Die Geschichte des Bauwerks kann bis in das Jahr 1577 zurückverfolgt werden. Die Pfarrei des Dorfes wurde erstmals im Jahr 1506 urkundlich erwähnt
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Der Mittelpunkt des Orts der Dörnermänner Weißenborn: die Kirche. Die Geschichte des Bauwerks kann bis in das Jahr 1577 zurückverfolgt werden. Die Pfarrei des Dorfes wurde erstmals im Jahr 1506 urkundlich erwähnt

Weißenborn. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Kirche in Weißenborn ist der unerschütterliche Mittelpunkt.

Unzählige Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern haben die mächtigen Mauern der Kirche zu Weißenborn über die Jahrhunderte hinweg gesehen. Allein 105 Konfirmationsjahrgänge hat Pfarrer Rüdiger Pütz in mühevoller Detailarbeit zusammengetragen; dazu Fotos gesichtet, die zugehörigen Namen recherchiert und als Ausstellung im Eingangsbereich des Gotteshauses zugänglich gemacht.

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie sticht heraus, datiert auf den 31. März 1945, ein Karsamstag: Ein Tieffliegerangriff ist abgebildet, Weißenborn brennt – mit Ausnahme der Kirche. Wie ein Bollwerk steht sie inmitten der Flammen, fest und unerschütterlich.

105 Konfirmationsjahrgänge hat Pfarrer Rüdiger Pütz zusamen getragen.

Bis zum heutigen Tag ist das Gotteshaus die Mitte und der Mittelpunkt des Orts der Dörnermänner. Ein besonderer, ja heiliger Ort, der Zuflucht bietet in allen Lebenslagen, in Freude, aber auch im Leid.

Verbunden sind die Weißenbörner nicht nur sprichwörtlich mit „ihrem“ Gotteshaus – jeder, der den hellen, lichtdurchfluteten Innenraum betritt, kann es sehen: Ein Sternenhimmel ziert Tonnendecke und Galerie; für jeden einzelnen Himmelskörper hat ein Weißenbörner die Patenschaft übernommen.

Der Klang der beiden bronzegegossenen Glocken der Kirche – jeweils 400 und 250 Kilogramm schwer – gibt dem Tag in Weißenborn (wenn auch unbewusst) Struktur; ruft zu den regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten und zu besonderen Anlässen.

Die Kirche in Weißenborn steht heute in allen Teilen unter Denkmalschutz – mit Ausnahme der Orgel, die im Jahr 1970 neu eingebaut worden ist. 

Unterm Sternenzelt: 418 Himmelskörper zieren Tonnendecke und Galerie der Kirche

Genau 418 mattgoldene Sterne zieren Tonnendecke und Galerie der Pfarrkirche in Weißenborn. Die Himmelskörper sind während umfangreicher Malarbeiten im Zuge der jüngsten Renovierung des Gotteshauses zwischen 2012 und 2014 passgenau zwischen die himmelblauen Schmuckornamente der Kuppel gesetzt worden. „Die Besucher erleben die Gottesdienste nun unter einem Sternenzelt“, sagt Erwin Wirz vom Kirchenvorstand Weißenborn, der auch für eine besondere Aktion verantwortlich zeichnet: die Sternenpatenschaft. „Für 20 Euro konnten Interessenten die Patenschaft für einen der Sterne über 15 Jahre erwerben“, erläutert Erwin Wirz das wohl einmalige Konzept. 

Unterm Sternenzelt: Die Kirchendecke in Weißenborn ist etwas Besonderes – und einzigartig im Kreis.

Besonders beliebt seien die Sterne als Geschenk für die Weißenborner Täuflinge gewesen – aber auch bei Hochzeitspaaren oder Angehörigen von Verstorbenen auf reges Interesse gestoßen. Mittlerweile sind die streng limitierten Patenschaften verteilt. Im Innenraum der Kirche, direkt neben dem Altarraum, wurde eine Tafel mit den auf Plaketten gravierten Namen aller Paten angebracht. Jeder Sternenpate hat zudem eine Urkunde mit Bibelvers und der Nummer seines Sterns bekommen. Der Erlös aus den Sternpatenschaften ist komplett in die Renovierung der Kirche geflossen. 

Ist eine Begegnungsstätte in Weißenborn: die Kirche in der Ortsmitte.

Mit zusätzlichen Stiftungsmitteln wurden Fenster, Türen, Decken, Säulen und Emporenbrüstung mit einem frischen Farbanstrich versehen, die überalterten Elektroinstallationen erneuert sowie ein Mittelgang angelegt. „Der Zustand unserer Kirche kann uns zufrieden in die Zukunft blicken lassen“, sagt Pfarrer Rüdiger Pütz. Das Gotteshaus ist zu einer Art Begegnungsstätte geworden: Der durch das Anlegen des Mittelganges freigewordene Raum etwa wird als Ort für Ausstellungen oder für Büfetts zu besonderen Anlässen genutzt. Auch Chöre treten hier nur zu gern auf.

Wussten sie schon, ...

... dass der älteste Gegenstand im Innenraum der Kirche zu Weißenborn der Taufstein ist? Er stammt aus dem Jahr 1510. Drei weitere Taufsteine gleicher kunstvoller Bauart sind heute noch in den Orten Netra, Rittmannshausen und Bischhausen zu finden.

Kunstvoll: das Taufbecken der Kirche zu Weißenborn.

... dass die Geschichte des Kirchengebäudes gesichert bis ins Jahr 1577 zurückzuverfolgen ist? Aus diesem Jahr stammen die ältesten Teile des (Wehr-)Turms. Der Fachwerkteil im oberen Bereich der Kirche stammt aus dem Jahr 1697. Vor gut 100 Jahren war die Kirche derart baufällig, dass sich während eines Gottesdienstes ein Sandsteinbrocken löste, der fast den Organisten erschlagen hätte. Die nötige Renovierung 1913 schließlich brachte ein fast neues Kirchenschiff.

... dass die Barockkanzel mit Schalldeckel aus Rambach stammt? Gefertigt hat sie Schreiner Dietzel im Jahr 1700. Erst danach wurde die Kanzel in Rambach in Auftrag gegeben.

Die Kirche im Dorf lassen: Weißenborn

Die Kirche im Dorf lassen: Weißenborn
Die Kirche im Dorf lassen: Weißenborn
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