"Einfach weggeworfen" 

Tierbesitzer klagt an: Toter Kater widerrechtlich in Flur bei Weißenborn entsorgt

Gepflegte Katzen, wie auf unserem Symbolbild zu sehen, haben meist durch den Tierarzt transplantierte Transponder. Über diese lässt sich der Eigentümer ermitteln – eine Verpflichtung dazu besteht nicht.
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Gepflegte Katzen, wie auf unserem Symbolbild zu sehen, haben meist durch den Tierarzt transplantierte Transponder. Über diese lässt sich der Eigentümer ermitteln – eine Verpflichtung dazu besteht nicht.

Ein toter Kater soll in der Gemeinde Weißenborn widerrechtlich entsorgt worden sein - und zwar durch Ablegen des Kadavers an einem wildreichen Gebiet. Der Besitzer des Katers klagt das Vorgehen an - eine Strafanzeige ist bereits gestellt. 

Doch was ist zu tun, wenn ein fremdes oder herrenloses Tier auf einem öffentlichen Grundstück verstirbt? Die amtliche Regelung, teilt Sylvia Weinert als Presseverantwortliche des Werra-Meißner-Kreises auf Anfrage unserer Zeitung mit, ist eindeutig: Werden beispielsweise verendete Hunde oder Katzen aufgefunden, sind diese Funde unverzüglich der Tierkörperbeseitigungsanlage zu melden. 

Eigentümer der Fläche ist verantwortlich 

Verantwortlich dafür sei immer der Eigentümer der Fläche, das heißt bei einem privaten Grundstück der Besitzer, bei öffentlichen Straßen und Plätzen Kommune, Kreis oder Land. „Das Einsammeln und anschließende offene Ablegen eines Tierkörpers, der verendet auf privatem oder öffentlichem Grundstück gefunden wurde, ist keine unschädliche Beseitigung im Sinne des Tierische-Nebenprodukte-Beseitigungsgesetzes (TierNebG) und somit unzulässig“, teilt Pressesprecherin Sylvia Weinert mit. 

Handelt es sich um Heimtiere, insbesondere Hunde und Katzen, sei auch die Beseitigung in einer Verbrennungsanlage, dem sogenannten Tierkrematorium, erlaubt – oder, im Einzelfall, auch das mindestens 50 Zentimeter tiefe Vergraben auf eigenem Gelände außer in Wasserschutzgebieten. 

Klagefall in Weißenborn 

Keine der genannten Möglichkeiten aber, klagt Tierhalter Holger Bruns aus Eschwege in einem Schreiben an unsere Zeitung an, sei nach dem Tod seines Katers vor dem Kindergarten in Weißenborn zur Anwendung gekommen. Stattdessen „einfach illegal in der Flur entsorgt worden“ sei Kater Luna; ohne tierärztliche Untersuchung und auch ohne den Versuch, ihn vor dem Ablegen des Tierkadavers als Halter des Tieres zu ermitteln. 

Zumindest zu Letztgenanntem seien Kommunen auch nicht verpflichtet, heißt es vonseiten des Kreises – eine Identitätsüberprüfung bei auf öffentlichen Plätzen verendeten Heimtieren finde, wenn überhaupt, auf freiwilliger Basis statt. Nichtsdestotrotz hat die Gemeinde Weißenborn reagiert: Freiwillig wurde etwa ein spezielles Lesegerät angeschafft, mit dem künftig Transponder im Tierkörper ausgelesen und so der Besitzer ermittelt werden kann. Weiterhin hat das Veterinäramt des Werra-Meißner-Kreises nach Bekanntwerden des Weißenbörner Falls allen Kommunen schriftlich die Rechtslage bezüglich des korrekten Entsorgungswegs toter Tiere erläutert. 

Kostenpflichtige Abholung

Der zuständige Verarbeitungsbetrieb für tote Nutz- und Heimtiere ist die Firma SecAnim Südwest GmbH, Am Orschbach 2 in Rivenich (Landkreis Bernkastel-Wittlich). Aufgefundenes totes Vieh, Hunde und Katzen sind unverzüglich unter Telefon 0 65 08/9 14 30, Fax 0 65 08/91 43 32 und E-Mail: Tierannahme-rivenich@secanim.de zu melden. Bis zur kostenpflichtigen Abholung sind Kadaver so aufzubewahren, dass Menschen nicht mit ihnen in Berührung kommen. 

Einfach weggeworfen 

Holger Bruns ist fassungslos. „Unser geliebtes Haustier wurde einfach weggeworfen“, klagt der Eschweger in einem Schreiben an unsere Zeitung – entsorgt in einem Graben in der wildreichen Flur um Weißenborn. Schlichtweg illegal sei dieses Verhalten der Gemeinde, findet er, und deswegen hat Bruns auch Strafanzeige gestellt. „Der Vorgang liegt seit Monatsbeginn bei der Staatsanwaltschaft“, bestätigt Jörg Künstler, Pressesprecher der Polizeidirektion in Eschwege, auf Anfrage unserer Zeitung.

Doch von vorn: Kater Luna hat ein gepflegtes Äußeres, ist gechipt und bei Tasso, dem Haustierzentralregister, angemeldet. Quicklebendig verlässt Luna an einem Abend im Februar sein Heim in Weißenborn – und kehrt nicht mehr zurück. „Wir meldeten Luna als vermisst, hängten Plakate in Weißenborn auf, suchten – vergeblich“, schildert Holger Bruns.

Vor Kindergarten aufgefunden 

Über Tasso erfolgt schließlich die Mitteilung, dass Luna verendet vor dem Kindergarten der Gemeinde aufgefunden worden sei. Die Kindergartenleitung habe die Gemeinde über den Totfund informiert; ein Mitarbeiter holt Luna schließlich ab. „Der Totfund unseres Haustiers wurde dann einfach in der Flur entsorgt und den Wildtieren zum Fraß vorgeworfen“, empört sich Holger Bruns.

Angeblich sei der Tod des Tieres auch lediglich durch Anstupsen festgestellt worden. „Beim sofortigen Aufsuchen des Tierarztes hätte man die Identität feststellen und Kater Luna vielleicht noch retten können“, sagt der Tierliebhaber.

Gefahr im Verzug 

„Da sich der Fundplatz des Katers direkt am Eingang des Kindergartens befunden hat, mögliche Sichtungen durch Kinder sowie Krankheitsverbreitungen unbedingt vermieden werden sollten, war Gefahr im Verzug – das tote Tier wurde entsorgt“, sagt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer. Für das Ablegen direkt in der Gemarkung wolle er sich entschuldigen.

Persönlich habe er sich umgehend an der Suche nach Luna beteiligt, der leider nicht mehr aufgefunden werden konnte. Und auch darüber hinaus wurden Konsequenzen gezogen: Künftig steht der Gemeinde ein Tasso-Handlesegerät zur Ermittlung des Tierhalters zur Verfügung. Das Veterinäramt habe Weißenborn wie auch sämtlichen anderen Kommunen des Kreises die Rechtslage erörtert – „weiterhin wird eine Dienstanweisung an alle Mitarbeiter der Gemeinde Weißenborn ausgegeben, damit zukünftig rechtskonform gehandelt wird“, sagt Thomas Mäurer. 

Tierhalter ausfindig machen

Hunde und Katzen werden bei der Ausstellung eines Heimtierausweises durch den Tierarzt in der Regel durch die äußerlich unsichtbare Implantation eines Transponders gekennzeichnet. Dieser kann ausgelesen und so der Tierhalter ausfindig gemacht werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, mit der mit einem selbst beschafften Lesegerät ermittelten Identifizierungsnummer beim Tasso-Haustierzentralregister (Telefon 0 61 90/93 73 00, Internet: tasso.net/Tierregister/tier-gefunden) den Halter zu ermitteln. Dieser wäre dann verantwortlich für die kostenpflichtige Tierkörperbeseitigung. 

Kommentar: Maß und Mitte bewahren

Jeder, der einmal ein Tier besessen hat, weiß: Die Liebe zum Haustier reicht bis in den Tod. Hund, Katze, Hamster und Co. gehören zum Kern der Familie. Die Sorge für und um dieses Haustier, die Besitzer über so viele Jahre gespürt haben, spielt auch in dessen Tod eine Rolle – der Wunsch der Besitzer nach einem würdevollen Abschied für ihr Tier ist ganz natürlich. 

Emotional schwer getroffen haben muss es so die Besitzer des Katers Luna, der Möglichkeit dieses Abschieds beraubt worden zu sein. Ein letzter Blick, ein kraftloses Schnurren – nichts davon konnten sie erleben, nichts hilft, den Tod, den Verlust Lunas zu verstehen und zu verarbeiten. Ja, das Verhalten der Gemeinde Weißenborn war in diesem Fall nicht korrekt. Und trotzdem dürfen in der von Emotionen getriebenen Auseinandersetzung Maß und Mitte nicht vergessen werden: Das Fehlverhalten – im Übrigen sicher auch in der Vergangenheit in anderen Kommunen praktiziert – ist eingestanden, eine Entschuldigung ausgesprochen, Maßnahmen zur Besserung über die rechtliche Verpflichtung hinaus eingeleitet. Die Gemeinde hat dazugelernt. 

Eine Anzeigenschwemme bei der Polizei, ja Drohungen mögen der Trauer der Besitzer ein Ventil geben – der Verarbeitung des Schmerzes aber dienen sie nicht.

Von Emily Spanel 

Quelle: HNA

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