Zug um Zug zum Ziel

Ehrenamtliche bieten Schachnachmittag für Flüchtlinge an

Hochkonzentriert: Das Schachduell zwischen Thomas Holzapfel (vorn) und Sheron Shahin zieht auch Grundschüler Hassan in seinen Bann. Immer dienstags treffen sich Netraer und Flüchtlinge zum gemeinsamen Spiel – die Ausrüstung wird von Holzapfel und Rainer Marinoni gestellt. Foto: Spanel

Netra. Schach kennt keine Länder- und Sprachbarrieren: Das Spiel der Könige findet überall auf der Welt im Kopf statt. Es erfordert stundenlange Konzentration, kreative Züge, Mut – und hin und wieder auch ein Damenopfer als notwendiges Übel.

Die Raffinesse der Züge, mit denen sich Thomas Holzapfel aus Netra und Sheron Shahin auf dem Brett mit den schwarzen und weißen Quadraten duellieren, setzt dann auch jeden Anflug von Langeweile matt. „Denn laut“, sagt Holzapfel mit einem Schmunzeln, „sind unsere Treffen sicher nicht.“

Stattdessen sitzen sich Holzapfel und der aus Syrien stammende Shahin am blitzblanken Tisch des Netraer Martin-Luther-Heims hochkonzentriert gegenüber, starren auf das Brett mit den 64 Feldern, um hin und wieder Turm, Springer oder Dame geschickt zu bewegen.

Am Nebentisch tickt derweil die mechanische Schachuhr für die Paarung Rainer Marinoni und Hussein Ayub. Letzterer hat sich für seine Züge zu viel Bedenkzeit herausgenommen, und das rote Fallblättchen wackelt bereits bedenklich. Zu viele Chancen und Risiken haben sich in dem komplexen Wechselspiel ergeben – kein Wunder, denn Marinoni ist der geübteste Spieler der Runde. Er liebt das Brettspiel so sehr, dass er seit August des vergangenen Jahres im Eisenacher Schachclub spielt. Vor allem die russische Schachschule, so der Netraer begeistert, werde dort gelehrt.

„Schach verbindet“, sagt Marinoni, „es hilft, soziale Schranken zu überwinden, schafft Selbstmotivation und trainiert Zielstrebigkeit und Ausdauer.“ Deswegen hätten er und seine Mitstreiter Thomas Holzapfel und Volker Bernhardt auch nicht gezögert, im Januar den wöchentlichen Schachtreff für die Flüchtlinge des Ringgauer Ortsteils ins Leben zu rufen.

„Schach verbindet. Das Spiel hilft, soziale Schranken zu überwinden.“

Nicht um des Gewinnens willen werde hier gespielt, betont Thomas Holzapfel. „Wir gehen einer gemeinsamen Faszination nach, die uns in Kontakt bringt.“ Mittlerweile hat sich ein fester Stamm gebildet: Mit Holzapfel und Marinoni spielen Azad Shahin, Salih al Abob, Hussein Ayub und Sheron Shahin.

Die Regeln seien ihnen bestens bekannt, sagen die aus Syrien stammenden Flüchtlinge – und auch Marinoni bestätigt seinen Mitspielern ein durchaus hohes Niveau im Spiel. Das wird am Nebentisch von Sheron Shahin sofort bestätigt: Er setzt Holzapfels König schachmatt und freut sich wie ein Schuljunge. Lachend schüttelt Holzapfel Shahins Hand, und dann wird schon wieder gewechselt: Ein neues Spiel beginnt.

• Neue Mitspieler, egal welcher Nationalität, sind immer willkommen: Die Schachliebhaber treffen sich immer dienstags ab 15 Uhr im Martin-Luther-Heim in Netra.

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