1. Werra-Rundschau
  2. Lokales
  3. Ringgau-Weißenborn

Zweites Herz, zweite Chance: Klaus Hoßbach aus Weißenborn feiert heute das Leben

Erstellt:

Von: Jessica Sippel

Kommentare

Ein Team, das alles schafft: Klaus und Ilona Hoßbach aus Weißenborn. Mit 45 Jahren bekam Klaus Hoßbach ein neues Herz. Das ist heute genau 25 Jahre her.
Ein Team, das alles schafft: Klaus und Ilona Hoßbach aus Weißenborn. Mit 45 Jahren bekam Klaus Hoßbach ein neues Herz. Das ist heute genau 25 Jahre her. © Jessica Sippel

Klaus Hoßbach aus Weißenborn hat am eigenen Leib erfahren, wie wichtig Organspende ist. Denn heute vor genau 25 Jahren bekam er ein Spenderherz, das ihm das Leben rettete.

Weißenborn – Seinen Geburtstag feiert Klaus Hoßbach zweimal im Jahr. Einmal den Tag seiner Geburt und einmal genau heute am 26. Februar. Denn an diesem Tag bekam Klaus Hoßbach eine zweite Chance, als ihm ein Spenderherz transplantiert wurde. Das ist genau 25 Jahre her.

„Ich werde heute 25 Jahre alt“, sagt der rüstige 70-Jährige mit einem verschmitzten Grinsen. Er und seine Frau Ilona nennen das heutige Ereignis liebevoll „Herzgeburtstag“. In den vergangenen Jahren feierten sie es stets zusammen mit der Familie und Freunden – mal im Faschingskostüm, zum sechsten Herzgeburtstag gab es eine Zuckertüte wie zur Einschulung, zum 14. gab es eine Konfirmationskerze für sein Herz. Die Familie feiert das Leben. „Jeder Tag ist ein Geschenk“, sagt Klaus Hoßbach und beißt in eine Lakritzstange. Er nascht gerne.

Seinen Humor hat er nie verloren, auch wenn es nicht immer einfach war. Mit 44 Jahren bemerkte er erste Probleme beim Atmen bei einer Radtour mit einem Sohn. Als er aber während des Überquerens einer Straße aus Erschöpfung und Atemnot keinen einzigen Schritt mehr gehen konnte, wurde ihm bewusst: Da stimmt etwas nicht.

Auf der Warteliste für ein Spenderherz

Klaus Hoßbach kam ins Eschweger Krankenhaus auf die Intensivstation, es wurde eine Herzmuskelschwäche festgestellt. „Vermutlich war eine verschleppte Infektion schuld“, erklärt Ilona Hoßbach. „Der Arzt meinte damals, wenn ich kein neues Herz bekomme, sterbe ich“, sagt er. Er kam auf die Warteliste für ein Spenderherz. Nun galt es durchzuhalten.

Nach einem dreiviertel Jahr war ein passendes Herz gefunden. „Es war knapp an der Grenze, ein paar Wochen länger und ich wäre weg gewesen. Wir hatten Glück“, sagt er nüchtern. Wenige Wochen nach seinem 45. Geburtstag erhält Klaus Hoßbach in Göttingen sein neues Herz. „Damit es nicht abgestoßen wird, wird das Immunsystem heruntergefahren“, erklärt Ilona Hoßbach. Neun Wochen lang lag er nach der siebenstündigen Operation auf der Intensivstation, vier weitere Wochen auf der Normalstation. „Ich bin jeden Tag zu ihm gefahren, manchmal wie in Trance“, erzählt sie.

Die ersten drei Wochen hat er kaum Erinnerungen, sagt Klaus Hoßbach. Gespürt habe er aber immer, dass seine Frau an seiner Seite war. Es gab ein ständiges Auf und Ab mit vielen Krankenhausaufenthalten. Mal wirkte es, als würde das Herz vom Körper abgestoßen, dann haben ihn die Ärzte wieder aufgepäppelt. Bis heute braucht er 26 Tabletten pro Tag.

Das Herz war zwar neu, Klaus Hoßbach war aber fast der alte. Er versuchte stets die Waage zu halten zwischen dem, was er darf und was nicht, denn „das Leben will auch gelebt werden“, sagt er. Mit Anfang 50 arbeitete er sogar noch einmal für vier Jahre in seinem Beruf als Baugeräteführer. Da er sich aber nicht überanstrengen sollte, durfte er das bald nicht mehr.

Neues Herz, zweite Chance: Klaus Hoßbach sah seinen Sohn und seine Enkel aufwachsen

Körperliches Arbeiten ist mittlerweile zu anstrengend. Er hat aber neue Lieblingsbeschäftigungen gefunden: Gemeinsam mit seiner Frau kocht er gerne und mit seinem Elektroscooter düst er durch Weißenborn und hört sich um, was es so Neues gibt. Über den Spender oder die Spenderin weiß er nichts. „Das ist jetzt mein Herz und dafür bin ich dankbar.“ Seinen Sohn konnte er aufwachsen sehen, ebenso wie seine beiden Enkeltöchter, die sein ganzer Stolz sind. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das alles noch erleben darf.“ Er weiß aus Erfahrung, wie wichtig Organspende ist und dass sie direkt vor der Haustür Leben retten kann.

Ehepaar Hoßbach trotzt gemeinsam jedem Schicksalsschlag – das gilt etwa für Covid-19, woran beide erkrankten und nicht wussten, wie sich das Virus auf die Vorerkrankungen verhält. Ebenso gilt das für die Krebserkrankung von Ilona Hoßbach. Beides haben sie durchgestanden. Heute ist sie tumorfrei. „Es geht aufwärts“, sagt sie. Sie blicken positiv in die Zukunft. „Wir lassen uns nicht hängen. Wir schaffen alles zusammen“, sagen sie.

Organspendeausweise und weitere Informationen sowie Beratung gibt es bei Ärzten oin der Apotheke der online: organspende-info.de

Von Jessica Sippel

Auch interessant

Kommentare