Eltern fordern mehr Transparenz

Protest gegen höhere Gebühren in Ringgaus Kindergärten

Interessiert: Über 60 Eltern kamen zu der vom Elternbeirat organisierten Informationsveranstaltung in Datterode. Foto: Spanel

Datterode. Höhere Beiträge, aber deutlich reduzierte Leistungen: Die Sparzwänge der Schutzschirm-Gemeinde Ringgau machen auch vor den beiden Standorten des Kindergartens „Kleine Hände“ in den Ortsteilen Netra und Datterode nicht halt.

Einfach hinnehmen wollen die Eltern das aber nicht: Um sich Gehör zu verschaffen, lud die Elternvertretung am Mittwochabend Entscheidungsträger des Kindergartenbeirates, der Kindergartenleitung und des Gemeindevorstandes zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Über 60 Eltern waren in das Gemeindehaus Datterode gekommen, um sich über die potentiellen Einschnitte zu informieren und gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

„Maßvolle Erhöhungen der Kita-Gebühren sind angebracht und auch völlig in Ordnung“, sagte Evelyn Achler, Vorsitzende des Elternbeirates. Allerdings müssten dann auch die Sicherheit der Kinder und der reibungslose Ablauf der Betreuung gewährleistet sein – und das, so Achler, sei momentan nicht der Fall:

Mängelkatalog

Zu wenige Spielgeräte, ein gesperrter Außenbereich, fehlende Bewegungs- und Therapieräume für Inklusionskinder: Laut der Elternschaft liegt hier einiges im Argen. Besonders der marode Zaun am Standort Netra erhitzte die Gemüter: Der sei im momentanen Zustand eine Gefährdung für die Sicherheit der spielenden Kinder, das Problem der Gemeinde schon lange bekannt. Unternommen worden sei nach Ansicht der Eltern bislang viel zu wenig.

Komplizierte Einwahl 

Statt der bisher üblichen zwei (Halb- oder Ganztagsbetreuung) sollen, so der momentane Stand der Planung, künftig vier Module angeboten werden. Der Personalschlüssel bestimmt sich anschließend daraus, wie viele Kinder in welchem Modul angemeldet sind. Im schlimmsten Fall, so Kita-Leiterin Carina van der Willik, muss Personal entlassen werden. Auch die Öffnungszeiten ändern sich: Künftig werden Kinder nicht mehr ab sechs, sondern erst ab sieben Uhr betreut.

Steigende Beiträge 

Gefasst machen müssen sich die Ringgauer Eltern wohl auf finanzielle Einschnitte. Ein Beispiel: Wird im Kindergarten Netra das Betreuungs-Modul 7 bis 13 Uhr mit Essensoption gebucht, zahlen die Eltern monatlich 160 statt 140 Euro. Sollen die Kinder von 7 bis 17 Uhr versorgt werden, steigen die Gebühren monatlich um 30 Euro von 170 auf 200 Euro an.

Fehlende Transparenz 

Heftig kritisiert haben die Vertreter des Elternbeirats die Informationspolitik aus dem Rathaus. Informationen gelangten oft erst über Dritte an die Eltern, die sich mehr Transparenz wünschten. Vereinbart wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen Eltern- und Kita-Beirat.

Das sagt: Klaus Fissmann

Was das Thema Kindergartengebühren und geänderte Module angehe, bestehe erheblicher Klärungsbedarf, sagt Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann, der wegen anderer beruflicher Verpflichtungen nicht an der kurzfristig angesetzten Diskussionsrunde am Mittwoch teilnehmen konnte. Innerhalb der nächsten drei Wochen wolle er daher eine Informationsveranstaltung einberufen, um die Elternschaft selbst umfassend in Kenntnis zu setzen. Dabei sollen unter anderem die künftigen finanziellen Belastungen der Eltern, die maßgeblich aus Schutzschirm und Kinderförderungsgesetz resultierten, im Detail erläutert werden. Erst nach dieser Sitzung sollen nach Willen Fissmanns die endgültigen und verbindlichen Beschlüsse vom Zweckverband des Kindergartenvorstandes gefasst werden. Darüber hinaus seien viele der von den Eltern angeprangerten Mängel in den Kindergärten seitens der Gemeinde behoben worden. „Eine Brandschutzanlage wurde neu eingebaut und die Türen mit einem Klemmschutz versehen“, nennt Fissmann Beispiele. Der marode Zaun sollte, so der ursprüngliche Plan, in Gemeinschaftsarbeit von Kommune und Eltern instandgesetzt werden. Das sei so kommuniziert worden, eine Rückmeldung der Eltern habe es aber nicht gegeben. Fissmann weißt außerdem daraufhin, dass die Gemeinde nicht die Entscheidungsgewalt über geänderte Module und erhöhte Beiträge habe: „Beschlussorgan ist der Zweckverband des Vorstandes.“ Der Kindergartenbeirat, der je zur Hälfte aus gemeindlichen und kirchlichen Vertretern bestehe, habe lediglich eine beratende Funktion.

Das sagt: Carina van der Willik

Die Auslastung des Kindergartens „Kleine Hände“ ist sowohl am Standort Netra als auch in Datterode sehr gut“, sagt Kindergartenleiterin Carina van der Willik. Mittlerweile sei sogar die Kapazitätsgrenze erreicht: „Unser aufeinander eingespieltes Team leistet jeden Tag hervorragende Arbeit in der Betreuung.“ Die sei aber in Gefahr, wenn künftig aufgrund der äußeren Umstände Stunden gestrichen oder wegen eines veränderten Personalschlüssels Erzieher eingespart werden müssten. „Wir stecken in einem Dilemma“, sagt van der Willik. Im schlimmsten Fall seien dann etwa Dienstberatungen, in denen die pädagogische Arbeit geplant und reflektiert werde, nicht mehr leistbar. Auch die Zeiten für Elterngespräche müssten begrenzt werden. „Das ist nicht akzeptabel“, sagt die Kita-Leiterin. Am Ende müsse es allen Beteiligten um die Kinder gehen, die am meisten unter den Kürzungen zu leiden hätten.

Von Emily Spanel

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