Ringgauer nutzen Bürgerversammlung, um ihrem Gemeindechef eigene Sparvorschläge zu präsentieren

Fissmann schenkt Bürgern reinen Wein ein

Netra. Die Steuern im Ringgau sind erhöht, die Verwaltungsgebühren angepasst. Eigentlich war die Katze schon aus dem Sack, als Bürgermeister Klaus Fissmann am Mittwochabend in Netra die Bürgerversammlung zum kommunalen Schutzschirm einläutete.

340,83 Euro Schulden pro Einwohner (3076) hat der Ringgau in den Büchern stehen. Die ersten beiden Anträge zur Teilnahme am Schutzschirm waren in Wiesbaden abgelehnt worden. In der ges-trigen Parlamentssitzung sollten die Gemeindevertreter über den dritten Antrag abstimmen. Der ginge dann gleich heute nach Wiesbaden. Unterschreibt die Gemeinde, flössen im kommenden Jahr 2,3 Millionen Euro vom Land in die Gemeindekasse. Dafür müsste der Haushalt bis spätestens 2018 dauerhaft ausgeglichen sein.

„Nie hätte ich gedacht, dass ich als Bürgermeister mal in diese Situation kommen würde“, sagte Fissmann. Manch schlaflose Nacht habe er durchwacht. „Kommunaler Schutzschirm“ ist für Fissmann Anwärter Nummer eins auf das Unwort des Jahres.

„Der kommunale Schutzschirm ist für mich das Unwort das Jahres.“

Klaus Fissmann

Ausführlich zählte er seinen Zuhörern auf, an welcher Stelle die Gemeinde selbst, beispielsweise in der Verwaltung, im Bauhof und bei den freiwilligen Leistungen, sparen kann. Eine Pferdesteuer kommt für Fissmann nicht in Frage. „Solange wir die Konsolidierung ohne schaffen, wird es mit mir keine geben“, sagte er. Sollte die Einwohnerzahl im Ringgau unter die 3000er-Grenze fallen, würde das Parlament schrumpfen. Im Gegenzug werde die interkommunale Zusammenarbeit wachsen, was wiederum ein paar zusätzliche Euro einsparte.

Weitere Sparvorschläge kamen aus dem Publikum, und das nicht zu knapp. Mehr Knöllchen soll die Verwaltung verteilen. Und Hunde aufspüren, die nicht oder falsch angemeldet sind. Und auch beim Personal könne man sparen, waren die Zuhörer überzeugt. Den meisten Vorschlägen musste der Bürgermeister den Wind aus den Segeln nehmen, weil sie nicht umsetzbar sind oder bereits geprüft wurden.

„Wir haben unser Geld immer vorsichtig ausgegeben, aber wir wollen nachfolgenden Generationen keinen Schrotthaufen hinterlassen. Deshalb müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen“, sagte Fissmann zum Abschluss.

Von Stefanie Müller

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