Anneliese Bernhardt aus Netra hat als Rentnerin das Malen wieder entdeckt

Die Heimat in Öl gefasst

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Im neuen Haus hat sich Anneliese Bernhardt unterm Dach eigens ein Atelier für ihr Hobby eingerichtet. Im Hintergrund ist das Bild mit dem Sonnenuntergang über Netra zu sehen. Aktuell malt sie an einem Dinosaurierbild.

Netra. Es muss „klick“ machen, sagt sie. Dann entstehen aus Pinsel, Leinwand und Farbe ganze Geschichten. Schon als Kind hat Anneliese Bernhardt gerne gemalt, am liebsten Landschaften und Gebäude in Aquarell. Ihr Haus in Netra gleicht einem Heimatkundemuseum.

Gelernt hat die 67-Jährige einst Krankenschwester im Eschweger Klinikum. Dann kamen die beiden Töchter, der Umzug nach Bad Hersfeld. Das Malen rutschte an die hinterste Front. „Ab und an“, erzählt Bernhard, „hat es mich in den Fingern gekribbelt.“ Dann hat sie einen VHS-Kurs belegt. Aber das war eher selten.

Die Dorfkirche in Netra.

Bis zum Jahr 2006. Quasi mit dem Erhalt der ersten Rente buchte Anneliese Bernhardt die ersten Malkurse. Sommerakademie hier, Wochenendkurs dort. „Beim Malen kann ich abschalten“, sagt sie. Was als Nächstes aus ihr herausfließt, weiß sie nie. Aktuell steht in ihrem Atelier unterm Dach ein kleines Ölgemälde.

Mit der Schütteltechnik hat sie aus blauen und grünen Farbtönen einen Hintergrund entstehen lassen und ihn auf sich wirken lassen. Urknall, Urzeit - das war das erste, was ihr einfiel. Jetzt sind auf der Leinwand zwei Dinosaurier und ihre damalige Umgebung zu finden. „Ich weiß vorher nie, wo mein Bild mich hinführt“, sagt die Künstlerin.

Groß - klein, Öl - Aquarell, Anneliese Bernhardt mag die Abwechslung. Immer wieder findet sie alte Postkarten aus der Heimat und malt Fachwerk, Brücken und Kirchen detailgetreu nach. So hat sie den Netraer Anger verewigt, wie er früher einmal gewesen ist. „Unsere Dorfmitte ist einem Erneuerungswahn zum Opfer gefallen, den heute viele bereuen“, sagt Bernhardt. In ihren Bildern lebt sie weiter.

Und Bernhardt achtet penibel auf die richtige Perspektive. „Da ist selbst mein Lehrer schon an mir verzweifelt“, sagt sie und lacht über ihren eigenen Ehrgeiz. Wenn die 67-Jährige merkt, es läuft nicht so, wie sie es gerne hätte, fängt sie mit dem Malen gar nicht erst an.

Im Herbst 2012 zogen Anneliese Bernhardt und ihr Mann Volker nach Netra zurück. Trotzdem fährt sie einmal die Woche zur Malgruppe von Hans Röse nach Bad Hersfeld, wo sie Mitglied im Kunstverein ist. „Dort habe ich meinen Meister gefunden“, sagt sie. Die künstlerische Weiterentwicklung ist ihr wichtig.

Auch deshalb hat sie immer eine Kamera bei sich, wenn sie unterwegs ist. Ein Sonnenuntergang, den sie über Netra fotografierte, fand Platz in einem Gemälde über die Umweltentwicklung. Der Fantasie, so sagt sie, sind keine Grenzen gesetzt. Auch das liebt sie an ihrem Hobby: der Wechsel zwischen dem realen Abbild und dem Fantasiegebilde, das aus ihr heraus entstanden ist. Der Betrachter wiederum sehe in ihrem Bild wieder etwas ganz anderes.

Von Stefanie Müller

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