Datterode hat nach fast zehn Jahren wieder einen Jugendraum

Der Schlüssel zum Glück der Jugendlichen

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Nie hat der Bürgermeister (ganz rechts) den passenden Schlüssel dabei: Marvin Breitfeld versucht es vergebens. Symbolcharakter hat es trotzdem für die Datteröder Jugendlichen.

Datterode. Die Eltern unter den Datterödern können endlich aufatmen: Nach fast zehn Jahren permanenter häuslicher Zwangsbetreuung gibt es in dem Ringgauer Ortsteil wieder einen Jugendraum. Der Heimatverein hat den Jungen und Mädchen sein Lager im Hintergebäude des Hauses des Gastes zur Verfügung gestellt.

„Bisher“, erzählt Tobias Mell, „haben wir uns immer bei einem von uns zu Hause getroffen.“ Und da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, blieb es irgendwann bei ein- und demselben Ort. „Das war für die betroffenen Eltern nicht immer schön“, fährt der 17-Jährige fort.

Eine Gruppe von 20 bis 25 Leuten sind sie, im Alter von zwölf bis 22, die sich sofort akribisch an die Arbeit machte, als der DSV Datterode, der Ortsbeirat, die Gemeinde Ringgau und der Heimatverein ihnen den rund 36 Quadratmeter großen Raum hinterm Haus des Gastes anboten. „Wir haben gemeinsam nach einer Lösung für die Jugendlichen gesucht“, sagt Ortsvorsteher Thomas Schmidt.

Und gemeinsam richteten sie den Raum auch her, verwandelten den schmutzigen Lagerraum in ein gemütliches Wohnzimmer. Jeden Tag ein bisschen mehr. Die örtlichen Firmen unterstützten die Jugendlichen bei den Arbeiten am Haus und an der Elektrik. Steckdosen mussten her für Spielekonsolen und Fernseher. Der Sportverein spendierte einen Fernseher, die Gemeinde und der Ortsbeirat den Ofen. Die Möbel stammen vom Eschweger Möbelhaus Hartmann Wohnideen an der Thüringer Straße: „Wenn uns Kunden ihre alten Möbel zurückbringen, geben wir diese gerne kostenfrei an Jugendräume ab“, sagt Geschäftsführer Claus Hartmann.

Um die quietschgrüne Farbe an den Wänden kümmerten sich die Jugendlichen im Alleingang. „Die haben wir zusammen ausgesucht“, sagt Tobias Mell. Den neuen Raum wollen sie hegen und pflegen. Noch fehlt an der einen oder anderen Stelle eine Kleinigkeit, im Sommer - wenn alles fertig ist - wollen sie ein großes Helferfest geben.

Ihre Gemeinschaft soll noch stärker werden, wünscht sich Dirk Mell. „Weil die Jugendlichen hier einen Ort für sich mit viel Platz hatten, konnten sie einen Wagen bauen und am Kirmesumzug teilnehmen“, berichtet der Vorsitzende des Sportvereins. Jeder von ihnen hat einen Schlüssel zu dem Haus. „Somit ist jeder von uns ein bisschen Chef“, sagt Marvin Breitfeld.

Der Heimatverein verteilte seine Besitztümer auf andere Räume. Die Mitglieder waren gerne bereit, den Raum an die Jugendlichen abzugeben.

Von Stefanie Bettinger

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