Das Ehepaar Beatrice und Abraham Heilbrunn aus Toronto war für Ahnenforschung in Datterode

Auf Spurensuche im Ringgau

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Besuch im Haus der Vorfahren: Dr. Hans-Peter Marsch mit Beatrice und Abraham Heilbrunn.

Datterode. Auf den Spuren der Vorfahren begab sich der Kanadier Abraham Heilbrunn mit seiner Frau Beatrice im Ringgau. Der Architekt aus Toronto ist Nachfahre einstiger jüdischer Bewohner Datterodes und Herleshausens.

Seine Groß- und Urgroßeltern - die seinerzeit auf dem jüdischen Friedhof Gotha bestattet wurden - waren vor ihrem Umzug nach Thüringen in Herleshausen wohnhaft.

Belegt ist, dass Heilbrunns Urgroßvater, Meyer Heilbrunn, früh Witwer wurde und im Jahre 1839 Betty Löbenstein, eine Tochter des Baruch Callmann Löbenstein aus Datterode, zur Frau nahm. Er lebte mit Familienangehörigen in Herleshausen und war Handelsmann. Wahrscheinlich handelte er mit Fellen, so wie sein in Herleshausen damals registrierter Bruder Ruben Heilbrunn.

Der Nachname Heilbrunn lässt sich einige Jahrhunderte in der hiesigen Region zurückverfolgen und findet ein Zentrum in Wichmannshausen. In dem heutigen Stadtteil Sontras gab es, soweit bisherige Quellen es belegen, viele jüdische Familien dieses Namens, die von dort über die Zeit und teils durch auswärtige Eheschließung in unterschiedliche Orte abwanderten. Abraham Heilbrunns Urgroßeltern heirateten am 13. April 1839 in der Synagoge von Reichen- sachsen und lebten bis Ende des 19. Jahrhunderts in Herleshausen.

In der Gemeindeverwaltung von Herleshausen wurden die Gäste vom ehemaligen Bürgermeister Helmut Schmidt, der Mitarbeiterin für Tourismus, Frau Helga Gogler sowie vom Vorsitzenden des Heimatvereins Datterode, Thomas Beck, willkommen geheißen.

Schmidt und Gogler konnten einiges über die jüdische Geschichte Herleshausens berichten. Besonders konnten sie aber Auskunft über das Leben von Ruben Heilbrunn geben. Beck hatte Daten und Fakten zu Eheschließungen sowie der Herkunft der Heilbrunns und Löbensteins.

Die Besucher erhielten zudem von Helmut Schmidt ein Exemplar von Erich Schwerdtfegers Buch „Die jüdischen Gemeinden in Herleshausen und Nesselröden“ als Geschenk. Beim anschließenden Besuch des jüdischen Friedhofs in Herleshausen, bei dem auch Klaus Gogler zur Besuchergruppe stieß, waren zwei Grabsteine aus der Heilbrunn-Familie für die Besucher von besonderem Interesse.

Der anschließende Gang durch Herleshausen führte am Standort der ehemaligen Synagoge sowie der jüdischen Schule vorbei, bis zum Haus Hainertor Nr. 11. Dort wurde es besonders emotional für die kanadischen Gäste.

Die Gebäude 11 und 11a gehörten früher zusammen, während das Vorderhaus dem Fellhändler Ruben Heilbrunn mit Familie als Wohnhaus diente, handelte es sich bei dem Hinterhaus einst um dessen Lagerhaus mit Geschäft. Die wechselvolle Geschichte der Gebäude erläuterte den Heilbrunns der heutige Besitzer des Hauses 11a, Dr. Hans-Peter Marsch.

Höhepunkt für die Besucher war ohne Zweifel der Blick in die historischen Unterlagen, in denen der Verkauf des Anwesens an den Großvater von Marsch, ebenfalls Arzt in Herleshausen, durch die Familie Heilbrunn dokumentiert ist. Mit neuen Informationen zur „jüngeren“ Familiengeschichte versehen, begleiteten die Besucher den Vorsitzenden des Heimatvereins nach Datterode.

Hier wurde der erste Heilbrunn schon im Jahre 1673 erwähnt. Um 1683 erscheinen Callmann Meyer, in der Folge Meyer Callmann, die offensichtlich der Heilbrunn-Sippe zugehörig waren. Mit Verfestigung der Nachnamen erscheint ein David Heilbrunn 1729 in den Annalen des Dorfes sowie als „alter Vatter“ des Callmann Meyer 1731, das Jahr, in dem der Ururgroßvater von Abraham Heilbrunn, der Leiser Heilbrunn, geboren wurde.

Da der Großvater des Gastes aus Toronto die Datteröderin Betty Löbenstein heiratete, wurden relevante Örtlichkeiten und Häuser - in diesem Fall - der Löbenstein-Sippe im Dorf besichtigt. Informationen zur Orts- und Familiengeschichte sowie eine Stippvisite im Museum des Heimatvereins rundeten das Besuchsprogramm ab. Die vielfältigen Erkenntnisse des Tages wurden noch um Synagogenbuch-Auszüge zur Familie Heilbrunn, Prospektmaterial und eine Dorfchronik von Datterode erweitert.

Überwältigt von den vielen Eindrücken verließ das Ehepaar Heilbrunn den Ringgau wieder, allerdings nicht ohne einen weiteren Besuch in Aussicht zu stellen.

• Autor dieses Artikels ist Thomas Beck vom Heimatverein Datterode.

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