Gerd und Manuela Werner aus Netra reiten als Teil des European-Pony-Express durch Deutschland

Wildwest-Romantik im Galopp

Netra. „Ich als Pony-Express-Reiter, schwöre hiermit vor dem allmächtigen Gott, dass ich (...) mich in jeder Hinsicht ehrenhaft benehmen werde, meine Pflichten treulich erfüllen und in all meinem Handeln bestrebt sein werde, das Vertrauen meiner Arbeitgeber zu gewinnen“ – Das ist Teil des Schwurs, den Gerd und Manuela Werner in diesem Jahr abgelegt haben, bevor sie sich auf den Weg machten von Barzig nach Biehlen.

Die beiden Netraer sind Teilnehmer des European-Pony-Express, einem jährlichen Etappen-Distanzritt von den Niederlanden quer durch Deutschland bis nach Tschechien.

Der Ritt hat ein historisches Vorbild - den amerikanischen Pony Express, erklärt Gerd Werner. 1860 gegründet, war der Pony Express für ein Jahr, bevor er von der Entwicklung des Telegrafennetz überholt wurde, die schnellste Postverbindung in den USA. Die Route verlief von Saint Joseph bis nach Sacramento über eine Distanz von knapp 3 200 Kilometern. Ungefähr alle 15 Kilometer stand eine Station an der der Reiter das Pferd wechselte oder die Post an den nächsten Reiter weiter geben konnte. Acht bis zehn Tage brauchte der Postversand mit dieser Methode von Missouri nach Kalifornien.

Dieser Trip war nicht ganz ungefährlich. Schnell sei zum Beispiel ein Pferd in ein Kojotenloch getreten, sagt Gerd Werner. Und trotzdem musste die Post immer abgeliefert werden, denn Zuverlässigkeitgilt als das höchste Gebot der Express-Reiter. Deshalb sind heute wie damals die Reiter auch immer mindestens zu zweit unterwegs. Katastrophen, wie ein verletztes Pferd, hat Gerd Werner noch nicht erlebt, allerdings habe er bei seinem ersten Ritt 2002 während der Jahrhundertflut erlebt, dass am Übergabeort niemand wartete. Statt aufzugeben, ist sein Team auch den nächsten Abschnitt und damit weitere 30 Kilometer geritten.

So ein Ritt sei nichts für Ungeübte, erklärt Manuela Werner, die in diesem Jahr zum ersten Mal beim European Pony Express dabei war. Regelmäßiges Training sei wichtig, „denn schließlich geht es nicht gemütlich im Schritt, sondern meist im flotten Trab oder Galopp durchs Gelände“ , ergänzt ihr Mann. Und das unter Zeitdruck, denn schließlich wollen Freunde und Verwandte, die heutigen Adressaten, nicht lange auf ihre Post warten. (mia)

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