Ringgau und Weißenborn bedanken sich mit Grillfest bei den Bürgermobil-Fahrern

Ein Würstchen fürs Amt

Vor schöner Ringgau-Kulisse entspannten die Bürgermobil-Fahrer am Mittwochabend beim Grillen auf dem Eichenberg. Foto: Bettinger

Netra. So zögerlich die Menschen in Weißenborn und dem Ringgau das Bürgermobil anfangs nutzten, so fulminant verläuft jetzt seine Erfolgsgeschichte. Am Mittwochabend haben sich die beiden Bürgermeister bei den 20 Fahrern mit einer Grillfeier auf dem Eichenberg für ihren ehrenamtlichen Einsatz bedankt.

Seit November 2011 ist das Bürgermobil auf Kurs, fährt dienstags und donnerstags jeweils zwei Runden am Vormittag durch beide Gemeinden. Haltestellen befinden sich unter anderem am Marktwert Datterode, vor Apotheken, Hausärzten und Bäckereien. Träger des Projektes sind der Verein Aufwind und die Diakoniestation Eschwege-Land in Datterode. Die Fahrt ist kostenlos, für Spenden steht in jedem Kleinbus ein kleines Sparschwein. Vier Monate beobachteten Fahrer und Träger das Geschehen und verbesserten auf dieser Grundlage im März nochmal Fahrzeiten und Routenplan. „Mittlerweile befördern wir pro Schicht immer um die 20 Bürger“, sagt Klaus Fissmann stolz.

Regelmäßig bekommt der Ringgau-Bürgermeister Anfragen von Landräten anderer Landkreise und sogar Bundesländer, die das Konzept kennenlernen wollen. „Es ist vorbildlich, wie hier zwei Kommunen zusammenarbeiten“, ergänzt Amtskollege Thomas Mäurer aus Weißenborn. Gerade in Zeiten von Geldmangel und demografischem Wandel sei das Konzept die ideale Lösung.

Auch die Hausärzte machen mit. So stimmt Gert Hünermund die Termine seiner Patienten auf die Fahrzeiten des Bürgermobils ab. „Gerade ältere Menschen haben so wieder die Möglichkeit, regelmäßig zum Arzt zu gehen“, sagt er. Die meisten würden den Praxisbesuch auch gleich mit dem Einkauf verbinden. „Ich habe großen Respekt vor den Fahrern, die stundenlang im Auto sitzen, um anderen zu helfen“, sagt Hünermund.

Die Fahrer nutzten den Abend, um sich untereinander auszutauschen. An manchen Haltestellen zum Beispiel fehlen noch Sitzgelegenheiten für die Fahrgäste. Auch die Frage, wie man gerade älteren Menschen sicher, aber unverfänglich beim Aus- und Einsteigen hilft, wurde heiß diskutiert.

Dazu gab es die eine oder andere Anekdote. So hatte Fritz Adam, der im November als erster Fahrer am Start gewesen war, Dienst, als der HR einen Filmbeitrag für die Hessenschau über das Bürgermobil drehte. „Ich habe extra Leute engagiert, um sicher zu sein, dass der Bus voll ist“, erzählt er. Ab zwei Einkaufstüten liefert er seine Fahrgäste direkt vor der Haustür ab.

Neu im Team ist seit Kurzem auch eine Frau: Karin Bauer-Blumenstiel ist von Beruf Speditionskauffrau und fuhr schon für ihren Arbeitgeber viel umher. „Ich habe Zeit und sitze gerne am Steuer“, begründet sie ihr ehrenamtliches Engagement. Zudem mache es ihr Spaß, sich mit den Fahrgästen zu unterhalten. „Viele sind richtig glücklich, wenn sie einfach nur erzählen können“, sagt sie.

Fahrplan und Abfahrtszeiten stehen an den Haltestellen und in den Gemeindeblättchen.

Von Stefanie Bettinger

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