1. Werra-Rundschau
  2. Lokales

Genetische Verarmung bedroht Vitalität des Rotwildes

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefanie Salzmann

Kommentare

Rothirsch
Rothirsche sind in ihrem Bestand gefährdet: Zu kleine Wildtierbezirke und Autobahnen machen dem Tier das Leben schwer.   © Gerhard Calden

Der König der Wälder ist in Gefahr: Hessische Rothirsche sind in der Inzuchtfalle. Besteht diese Bedrohung auch im Werra-Meißner-Kreis?

Werra-Meißner – Wissenschaftler und Naturschützer bangen um den Fortbestand des Rotwildes in Hessen und schlagen Alarm. Sie gehen davon aus, dass das hessische Rotwild nicht mehr imstande ist, sich langfristig an sich verändernde Umweltbedingungen anzupassen. Der Grund ist massive Inzucht in den einzelnen Populationen.

Weil Schallschutzmauern, Autobahnen und Zäune auch für den „König der Wälder“ zum unüberwindlichen Hindernis geworden sind, gibt es praktisch keinen genetischen Austausch mehr unter den Tieren. „Daher sind die insgesamt noch recht großen, hessischen Rotwildvorkommen stark verinselt und zu großen Teilen voneinander isoliert“, sagt der Naturschützer Dr. Jörg Brauneis. „Wir haben festgestellt, dass die genetische Vielfalt massiv abnimmt und Inzucht, und als deren Folge Missbildungen auftreten“, fasst Prof. Dr. Gerald Reiner von der Uni Gießen das Ergebnis seiner mit dem Arbeitskreis Wildtierbiologie gemeinsam verfassten Studie zur genetischen Vielfalt der Rothirsche zusammen.

Rothirsch in der Inzuchtfalle

Weil die Tiere fast alle miteinander verwandt sind und sich somit immer ähnlicher werden, werden sie anfällig gegen Krankheiten, die Fruchtbarkeit nimmt ab, es gibt Totgeburten und Missbildungen, wie zum Beispiel verkürzte Unterkiefer. Während der Grad der Inzucht beim Rotwild in Mittelhessen so weit fortgeschritten ist, dass das Vorkommen als gefährdet betracht werden muss, sieht es in Nordhessen noch etwas günstiger aus.

Die Rotwildgebiete stehen hier noch in einem räumlichen Zusammenhang, sodass ein genetischer Austausch möglich ist. Das Rotwildgebiet Meißner-Kaufunger Wald, das den nördlichen und westlichen Werra-Meißner-Kreis umfasst, grenzt bei Hessisch Lichtenau und Waldkappel an das große Rotwildgebiet Riedforst. Dieses reicht weit in den Schwalm-Eder-Kreis hinein und hat dort einerseits Kontakt zum Rotwildgebiet Knüll und andererseits Kontakt zum Rotwild Gebiet Seulingswald. Dieses wiederum umfasst neben Teilen des Kreises Hersfeld-Rotenburg auch den südlichen Werra-Meißner-Kreis bei Sontra und Herleshausen.

Außerdem steht das Rotwild in Nordhessen über die Rothirsche im thüringischen Eichsfeld, dessen Vorkommen auch in den Werra-Meißner-Kreis ausstrahlt in einer Verbindung zum Harz und zum Nationalpark Hainich in Thüringen, wo sich im Schutze des Nationalparks das Vorkommen in den letzten Jahren stabilisiert hat. Über den Seulingswald bestehen auch Wanderwege zum Thüringer Wald. » SEITE 2

Auch interessant

Kommentare