Neues Kapitel in der Historie

200 Jahre alte Vermessungspunkte an der Boyneburg gefunden

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So sehen sie aus: die 200 Jahre alten Vermessungspunkte, die Ingenieure des Amtes für Bodenmanagement jetzt an der Boyneburg gefunden haben.

Wenn 200 Jahre alte historische Zeugnisse der frühesten Landesvermessung Nordhessens zutage treten, ist das für Fachleute eine Sensation.

Ein solcher Fund gelang Vermessungsingenieuren aus der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation an der Ruine Boyneburg bei Wichmannshausen. Sie identifizierten eindeutig aus den Jahren 1817 und 1818 stammende Vermessungssteine aus der so genannten „Müffling‘schen Dreieckskette“.

„Die damalige Landesvermessung, die Triangulation, ist die Müffling’sche Dreieckskette ,von Berlin nach dem Rhein’, die in den Jahren 1817 bis 1822 unter der Leitung des späteren Generalfeldmarschalls Philipp Friedrich Carl Ferdinand Freiherr von Müffling ausgeführt worden ist. Ein Hauptdreieckspunkt der Müffling-Kette befand sich auf der Boyneburg“, teilt Helmut Welsch vom Amt für Bodenmanagement in Homberg (Efze) mit.

Vermessungstechnische Berechnungen

So sieht sie aus: die Boyneburg.

Auf Grundlage historischer Unterlagen wurden im Januar 2019 auf der Boyneburg gezielt örtliche Untersuchungen angestellt, um Signalstandorte der Triangulation aus dem frühen 19. Jahrhundert zu rekonstruieren. „Hierfür mussten alte Aufzeichnungen entziffert und komplexe vermessungstechnische Berechnungen durchgeführt werden. Anfang des Jahres 2019 entdeckte nun aufgrund der hieraus berechneten Absteckkoordinaten in nur 20 Zentimetern Tiefe der Vermessungsingenieur Volker Krause vom Amt für Bodenmanagement Homberg zwei eingegrabene Feldsteine mit kreisrunden Vertiefungen, die als Messmarken dienten“, so Welsch.

Bernhard Heckmann vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation in Wiesbaden ist sich ganz sicher, dass hier ein bedeutsamer „vermessungstechnischer Schatz“ gefunden wurde und hob hervor, dass diese Entdeckung den Bemühungen und Dokumentationen vieler Fachkundiger zu verdanken ist. Unter anderem verwies er hierbei auf die vor rund 50 Jahren erfolgten gründlichen Recherchen von Dr. Rudolf Schmidt aus Bonn- Bad Godesberg, die letztendlich mit zu dem aktuellen Fund führten.

Historische Stationspunkte

„Die aus der Vermessungsepoche 1817/1818 unversehrt und lagerichtig vorgefundenen Feldsteine auf der Boyneburg ermöglichen Einblicke in die Arbeits- und Verfahrensweisen der damaligen Triangulation“, erklärt Welsch. Die beiden vorgefundenen Markierungen werden als historische Stationspunkte in den amtlichen Festpunktnachweis übernommen und als wertvolle hessische Kulturdenkmäler inventarisiert. „Sie stehen damit sowohl nach Denkmalrecht als auch nach dem Hessischen Vermessungs- und Geoinformationsgesetz unter dauerhaftem Schutz.“

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