Bankraub-Serie in Sontra

A 44-Bauer sollen Sitzbänke ohne Absprache entsorgt haben

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Hier stand sie: Alfred Gernhardt zeigt auf einer der Stellen, wo eine von ihm hergestellte Bank verschwunden ist. Im Verdacht hat er die Firmen, die die A 44 bauen.

Sontra - Bankraub-Serie in Sontra: Die A-44-Bauer sollen Sitzbänke ohne Absprache entsorgt haben. Das beklagt Alfred Gernhardt.

Alfred Gernhardt aus Sontra ist stinksauer. Seit Jahren investiert der 76-Jährige viel Zeit und Geld, um die Wanderwege rund um seine Heimatstadt mit Sitzbänken aus Holz aufzuwerten. Und jetzt sind drei davon laut ihm ohne Absprache weggeschafft und geschrottet worden. Im Verdacht hat er die Firmen, die die Autobahn 44 bauen.

Ein Mann und sein Hobby: Alfred Gernhardt an einer seiner Bänke nahe Sontra.

Gernhardt schüttelt den Kopf und schimpft: „Der kleine Mann hat doch keine Rechte mehr. Und gefragt wird er ohnehin nicht.“ Die Wanderbänke sind seine Leidenschaft. Zusammen mit Heinz Schäfer hat er 22 Stück in mühsamer ehrenamtlicher Arbeit fertiggestellt für die heimischen Wanderliebhaber. Doch jetzt sind sie weg, spurlos verschwunden. „Das tut weh“, sagt Gernhardt, der sich immer freut, wenn Bürger sich bei ihm für seine Werke bedanken. Zuletzt kam eine Frau mit Blumen an seiner Haustür. Doch nun hatte der 76-Jährige erstmals ein Schock-Erlebnis mit den Bänken. Gernhardt zählt wutentbrannt wie aus der Pistole geschossen die Nummern der fehlenden Bänke auf: „2, 13 und 21.“ Er meint die „Schmuckstücke“, die am Quesselsberg, Roten Rain und am Seegel standen.

Bei gutem Wetter konnten Wanderer von den Sitzgelegenheiten an allen drei Stellen aus kilometerweit in die Ferne schauen. „Im Rahmen des Autobahnbaus wurden sie einfach dem Erdboden gleichgemacht“, behauptet Gernhardt, „obwohl mein Name sowie meine Adresse immer auf den Bänken eingraviert ist. Eine Frechheit, dass sich keiner gemeldet hat.“ Ein Freund habe ihm die letzten Überreste einer Bank kürzlich noch vorbeigebracht. Dabei hätte der Sontraer die Bänke seiner eigenen Aussage zufolge ohne Probleme umsetzten können: „Ein schönes Eckchen hätten wir gefunden, über 100 Plätze habe ich noch auf meiner Liste“, sagt er.

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die mit dem Bau der A 44 betraut ist, konnte bis zum Redaktionsschluss gestern nicht recherchieren, was mit den drei genannten Bänken passiert ist. „Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass wir oder die von uns beauftragten Firmen so agiert haben wie beschrieben – kann das aber im Moment weder bestätigen noch zurückweisen. Wir bleiben dran und können hoffentlich morgen mehr sagen“, sagte Deges-Pressesprecher Michael Zarth gestern auf Anfrage.

Von Marvin Heinz und Florian Künemund

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