Aus dem Werra-Meißner-Kreis ausgewandert

Ab Diemerode zum Zuckerhut: Armin Weichert lebt in Brasilien

Ein Paar steht am Strand und blickt in den Sonnenuntergang.
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Armin Weichert zog von Diemerode nach Rio de Janeiro: Mit Tassila (21) an seiner Seite freut er sich auf seine Zukunft.

In „Die weite Welt und wir“ stellen wir Menschen vor, die weit weg von zu Hause spannende Geschichten erleben. Heute: Armin Weichert aus Diemerode, der nach Brasilien ausgewandert ist.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen aufs Wasser und das Meer rauschte fast schon gespenstisch leise, als Armin Weichert an einem frühen Morgen in Zeiten des Corona-Lockdowns den menschenleeren Camboinhas Beach entlangjoggte. Der übliche Lärm in seiner 13-Millionen-Einwohner-Metropole ist der Angst vor dem grassierenden Coronavirus gewichen. In diesen seltenen Momenten der Ruhe ließ der 57-jährige häufig seine Zeit in Brasilien Revue passieren.

Seit mittlerweile 25 Jahren arbeitet der aus Diemerode kommende Weichert am Zuckerhut. Am Fuße der 38 Meter großen Christusstatue, dem Wahrzeichen der Stadt. Ein Vierteljahrhundert liegt hinter Weichert. Eine aufregende Zeit, in der er das Leben in Rio kennen und lieben gelernt hat. „Ohne Wenn und Aber, Brasilien ist meine zweite Heimat geworden“, so Weichert, dessen Kinder Daniel (19) und Pedro Elias (17) in Rio geboren wurden.

Dass die pure Lebensfreude seiner Mitmenschen ansteckend ist, merkt der Zuhörer, wenn Weichert über die Vorzüge seiner Wahlheimat spricht: „Die Menschen in Rio sind immer gut drauf, lachen immer, feiern viel und nehmen nicht alles so ernst.“ Dieses Lebensgefühl kommt nicht von ungefähr.

Armin Weichert (rechts) mit einem Freund aus Porto Alegre.

„Wenn hier mal schlechtes Wetter ist, dann kommt nach zwei Tagen mit Garantie richtig gutes Wetter“, erzählt Weichert, der gerade auf das Thermometer in seiner Wohnung am Strand schaut. 22 Grad, es ist Winter in Brasilien. Trotzdem hatte Weichert am Tag unseres Videotelefonats allen Grund zur Freude.

Dank den Corona-Lockerungen konnte er mit seiner Freundin Tassila (21) endlich mal wieder essen gehen. „Hier gibt es so viele Kulturen, vor allem Esskulturen“, erzählt Weichert, der am liebsten aber eine Schweinshaxe im deutschen Restaurant Frikadelle isst: „Da kommen Heimatgefühle auf.“

Wie kam Weichert eigentlich nach Brasilien? „Über Umwege und wie es der Zufall so will“, sagte Weichert, der im Jahr 1982 das Abitur in Sontra ablegte, ehe er bis 1985 für zwei Jahre seinen Dienst als Zeitsoldat in Hessisch Lichtenau verrichtete. „Mein Vater wollte, dass ich Forstbeamter werde“, so Weichert, „aber das Beamtentum hat mich nicht gereizt.“

Weichert entschied sich, im bayerischen Rosenheim BWL mit dem Schwerpunkt Holzwirtschaft zu studieren. Das Studium machte ihm Spaß, das Lernen ging leicht von der Hand.

„Die Nachfrage war wegen den geburtenstarken Jahrgängen zu groß. Mein Betriebspraktikum habe ich dann nicht in Bayern, sondern bei B. Braun in Melsungen gemacht. Als ich gesehen habe, dass das Unternehmen Industriekaufleute einstellt, habe ich Interesse angemeldet.“

Weichert begann die Lehre, beendete seine Ausbildung aufgrund seiner Vorkenntnisse binnen von 18 Monaten in Rekordzeit und mit Bestnoten, um dann den Diplom-Betriebswirt noch dranzuhängen. Unterdessen expandierte sein Arbeitgeber, Niederlassungen wurden auf allen Kontinenten gegründet.

„Es wurden Talente gesucht, die in USA, Asien und Lateinamerika Fuß fassen und mein Drang war, im Ausland tätig zu sein“, so Weichert, der eine Tätigkeit in Malaysia wahrnehmen sollte. Aber so kam es nicht: „Die Korrektur meiner Diplomarbeit hat wegen der Krankheit meines Professors länger gedauert, der Job war dann weg.“

Und so entschied sich Weichert für das Abenteuer Brasilien, anstatt in den USA seine erste Auslandserfahrung zu machen. Eine goldrichtige Entscheidung. „Ich fühle mich hier pudelwohl“, sagte Weichert, der seit 2010 als Geschäftsführer für die amerikanische Firma Globus Medical den Kontinent Lateinamerika betreut. „Die Entscheidung für Brasilien habe ich nie bereut, meine berufliche Karriere habe ich diesem Land zu verdanken.

Und wie sieht sein Plan für seine Zukunft aus? „Also, wenn ich es einrichten kann, würde ich gerne in Brasilien sechs Monate und sechs Monate in Diemerode leben. Ich habe schon ein bisschen Heimweh.“

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