Stadt lässt über 100 Jahre alte Linden fällen

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Verfault: Die andere Linde auf dem Anger war so angegriffen, dass sie im Inneren schon ganz hohl war.

Diemerode. Zwei über 100 Jahre alte Linden am historischen Anger von Diemerode stehen nicht mehr. Die Stadt Sontra hatte sie fällen lassen. Die Empörung ist jetzt groß.

Von der Aktion selbst haben viele im Ort nichts mitbekommen. Dass in Diemerode Motorsägen zu hören sind, ist nichts ungewöhnliches. Auch nicht an diesem Montagmorgen vergangener Woche. Erst als die Anwohner sahen, was passiert ist, war die Bestürzung groß.

Unverständnis bei Anwohner

Für Karl-Heinz Kollmann ist dieses Vorgehen unverständlich. Der Anwohner des Angers hat die Linden immer sehr geschätzt. Dass die äußere der beiden gefällten Linden nicht mehr in Ordnung war, sieht er ein. „Sie war innen schon ganz hohl“, sagt er. Der beeindruckende Baum in der Mitte hätte seiner Meinung nach nicht fallen müssen. „Der sieht ganz gesund aus“, sagt auch seine Frau und bedauert, dass die Anwohner vor der Fällung nicht informiert wurden.

Die Entscheidung, dass die Bäume nicht stehenbleiben können, ist bereits im Sommer gefallen. Damals hatte der Sachverständige Thorge Steinmetz aus Wehretal den Baum überprüft und war zu dem Entschluss gekommen, dass diese beiden Bäume gefällt werden müssen. Einer war von innen faul, der andere habe Zwiesel gebildet, wie Lothar Oschmann, Ortsvorsteher von Diemerode bestätigt. Auch die Untere Naturschutzbehörde hatte der Fällung der Bäume - wenn auch mit Bedauern - zugestimmt.

Die Zwieselbildung ist Folge einer Fehlentwicklung der Bäume in jungen Jahren. In der Regel wird sie durch eine Beschädigung des Gehölzes oder als Folge von genetischen Defekten verursacht. Bäume mit V-Zwieseln gelten als verstärkt bruchgefährdet. Bei V-Zwieseln drückt die einwachsende Rinde die beiden Stämme im Laufe der Jahre auseinander. „Die Äste waren teilweise zu stark hochgewachsen und es drohte ein Bruch“, heißt es von Seiten der Stadt Sontra. Lothar Oschmann sagt: „Äste hätten herunterfallen können, es war Gefahr in Verzug.“

Stadt lässt über 100 Jahre alte Linden fällen

Ein von der Stadt Sontra beauftragtes Unternehmen hatte die beiden Bäume gefällt. „Nicht sehr professionell“, wie Kollmanns befinden. Die anderen Bäume hätten sie gleich mitausschneiden können. Außerdem wurde der Zaun, der das steile Grundstück umgibt, an zwei Stellen durch herabgefallene Äste beschädigt. In der Mitte des Baumkreises ist ein etwa halber Meter hoher Baumstumpf stehengeblieben, von dem die Kollmanns befürchten, dass er das Lindenfest, das Feuerwehr und Landfrauen jedes Jahr im August dort veranstalten, stören könnte. Oschmann sowie die Stadt Sontra beruhigen: „Der Baumstumpf wird entfernt und die herumliegenden Äste und Zweige werden entfernt, sobald der Sontraer Bauhof Luft hat.“

Von Tobias Stück

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