Bankraub-Serie bei Sontra beendet

Alfred Gernhardt
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Wanderliebhaber und Bankbauer: Seit 1971 geht Alfred Gernhardt bereits seiner Leidenschaft nach und baut Bänke rund um Sontra, in die er seinen Namen und seine Adresse eingraviert. 

Wiedergutmachung hat Alfred Gernhardt nach 435 Tagen bei der  Sontraer Bankraubserie jetzt erfahren.

Sontra – Alfred Gernhardt kann es nicht glauben, er schüttelt den Kopf und ist wütend: „Der kleine Mann hat doch keine Rechte mehr. Und gefragt wird er ohnehin nicht mehr“. Es geht um sein Hobby und seine Leidenschaft – Wanderbänke. Viel Zeit und Geld hat der 77-Jährige investiert, um die Wanderwege seiner Heimatstadt Sontra aufzuwerten. Und dann das.

Von 22 Bänken wurden drei gestohlen

Drei seiner 22 Bänke, die der Wanderliebhaber in Zusammenarbeit mit Heinz Schäfer gebaut hat, waren weg. Einfach weg. Spurlos verschwunden. „Das tat weh“, sagte Gernhardt, der sich immer freut, wenn Bürger sich bei ihm bedanken für seine Werke. Als eine Bürgerin mit Blumen an seiner Haustür stand, zählte Gernhardt wutentbrannt wie aus der Pistole geschossen die Nummern der Bänke auf: „2, 13 und 21“. Er meint seine Schmuckstücke, die am Quesselsberg, am Roten Rain und am Seegel standen. Bei gutem Wetter konnte man an allen drei Stellen kilometerweit in die Ferne schauen.

Bänke hätten umgesetzt werden können 

„Im Rahmen des Autobahnbaus wurde sie einfach dem Erdboden gleichgemacht“, behauptet Gernhardt, „obwohl mein Name sowie meine Adresse immer auf den Bänken eingraviert ist. Eine Frechheit, dass sich keiner gemeldet hat.“ Ein Freud hat ihm die letzten Überreste einer Bank noch vorbeigebracht. Gernhardt, der seit 1971 Bänke baut, hätte die Bänke ohne Probleme umsetzten können: „Ein schönes Eckchen hätten wir allemal gefunden, über 100 Plätze haben ich noch auf meiner Liste“. Im Verdacht hatte er die Firmen, die die A 44 bauen. „Ich habe bei den Bauunternehmen mehrfach vorgesprochen, aber es passierte monatelang nichts – nach der dritten und vierten Vorsprache rührte sich nichts“, sagte der ungehaltene Gernhardt, „man behauptete lange, dass ich es erst beweisen muss.“

Im März 2019 informierte Gernhardt die Öffentlichkeit über den Bankraub 

Am 10. März des vergangenen Jahres wendete sich Gernhardt an unsere Zeitung. Die Werra-Rundschau schrieb in der Ausgabe vom 12. März 2019: „Bankraub-Serie in Sontra“ – und Gernhardt erhielt viel Zuspruch aus der Bevölkerung. „Trotzdem ging der Verlust der Bänke an meine Nerven“, erzählte Gernhardt, der sich lange sogar gerichtliche Schritte vorbehielt. Aber soweit sollte es nicht kommen.

Nach 435 Tagen kam die gute Nachricht

435 Tage später erhielt Gernhardt die frohe Kunde. Endlich. Die Firma Züblin, die auch am Autobahnbau beteiligt ist, übernimmt die Kosten für Bau und Montage von vier neuen Bänken im Sontraer Land.

„Mir fiel ein Stein vom Herzen, ein feiner Zug – damit hätte ich nicht mehr gerechnet, niedergewalzt ist doch nicht niedergewalzt“, freut sich Gernhardt, der am Dienstag die Mitarbeiter vom Zweckverband Geo-Naturpark Frau-Holle-Land beobachte, als sie die Bänke aufbauten. Der waschechte Sontraer und ausgebildete Landmaschinenmechaniker hat in diesem Frühjahr wie gewohnt alle Bänke in Schuss gebracht. Besonders Bürgermeister Thomas Eckhardt freute sich über die Rückkehr der drei verlorenen Bänke: „Alfred ist ein herzensguter Mensch, der der Natur wie kein Zweiter etwas zurückgibt. Mit den Bänken macht er an ganz besonderen Orten aufmerksam auf unsere wunderschöne Region.“

Nächster Skandal: Mülleimer werden nicht benutzt

 In diesen Tagen bereitet dem Naturliebhaber, der im vergangenen Jahr 665 Kilometer gewandert ist, lediglich ein Thema erhebliche Kopfschmerzen: „Es ist nicht zu fassen, dass die Stadt Sontra an diesen Bänken Müllbehältnisse angebracht hat, die aber partout nicht benutzt werden“, ärgerte sich Gernhardt: „Gerade diese giftigen Zigarettenstummel gehören hier nicht auf den Boden“, so der engagierte Mann, der das Ehrenamt vorlebt.

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