Bau der A 44: Bauern reichen Ausgleichszahlungen nicht

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Hier wird gebaut: Durch den A44-Ausbau bei Wichmannshausen mussten einige Landwirte Flächen abgeben. Sie kritisieren, dass es keine Flurbereinigung gab, sondern nur unzureichende finanzielle Entschädigung.

Wichmannshausen. Landwirte und Landbesitzer in Wichmannshausen sind verärgert über die ausgebliebene Flurbereinigung im Zuge des Autobahnausbaus. 

Stattdessen hat das Land die Praxis des sogenannten freihändigen Grunderwerbs angewandt. Das heißt, die Bauern mussten die für die A 44 notwendigen Flächen abgeben und bekommen im Gegenzug Geld pro Quadratmeter. „Das Angebot war aber ein Witz“, sagt beispielsweise Wilfried Rabe, der Ackerland verpachtet hat.

Der Hintergrund

Die Flurbereinigung für ein Infrastrukturvorhaben werde nur zurate gezogen, wenn sich der entstehende Landverlust auf einen größeren Kreis von Eigentümern verteile oder Nachteile für die Landeskultur vermieden werden sollen, teilt Marco Kreuter, Pressesprecher des hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums auf Anfrage mit. Dies sei in den Gemarkungen Hoheneiche (Wehretal), Wichmannshausen und Mitterode nicht der Fall. Man habe den freihändigen Grunderwerb dort als zweckmäßiger erachtet.

Die Kritik

„Zuerst wurden 56 Cent pro Quadratmeter angeboten. Ich bin A44-Befürworter, aber das ist nicht fair. Ein Euro wäre angemessen im Vergleich zu hiesigen Flächenpreisen“, erklärt Wilfried Rabe. Wegen Bürokratie und Alter hat er seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb eingestellt und befindet sich im Ruhestand, jedoch ist er jetzt als Verpächter von rund 10 000 Quadratmetern Ackerland von der Sache betroffen. Laut Ministerium sei der größte Teil der Flächen für den Bau der A 44 bereits gesichert.

Das Unverständnis

„Ich verstehe nicht, wieso hier keine Flurbereinigung stattgefunden hat. Denn das ist ein gerechtes Verfahren. Zwischen Sontra-Nord und Wommen sowie von Kassel durch bis Hoheneiche gab es eine“, fährt Rabe fort. Einen Abfindungsvertrag für sein Land musste er schon unterzeichnen. Auch mit dem aufgestockten Angebot von 68 bis 69 Cent will er sich nicht zufriedengeben. „Etliche andere Bauern kämpfen ebenfalls weiter und klagen“, so Rabe.

Die Auswirkungen

Pächter von Rabes Flächen ist Mike Dorsch. Auf dem Land hat er bis Herbst 2016 Futter für seine Geflügelzucht angebaut. Das geht jetzt nicht mehr. „Den Ackerbau musste ich einstellen. Denn die Fixkosten für Geräte und so weiter bleiben gleich, die Fläche wird aber weniger. So wurde das Arbeiten unwirtschaftlich“, erklärt Dorsch. Den finanziellen Ruin bedeute das für ihn nicht, wohl aber ein Ärgernis wegen der empfundenen Ungerechtigkeit.

„Nachteile, die der Landwirtschaft durch den Bau der Autobahn entstehen, werden unter anderem mithilfe von Tauschflächen und Wegekonzepten zur Sicherstellung der Erreichbarkeit aller Ackerflächen minimiert“, entgegnet Ministeriumssprecher Kreuter. Mit Familie Dorsch verhandele man gerade, könne aber keine näheren Informationen herausgeben.

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