Ehepaar Volk aus Breitau seit Jahrzehnten ein Team

Bei Dunkelheit und Regen: WR-Zusteller bei jeder Wetterlage unterwegs

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Die Haushalte, die eine Zeitung bekommen, kennt Renate Volk fast alle auswendig. 

Werra-Meißner. Bei vielen Menschen darf sie morgens am Frühstückstisch einfach nicht fehlen: die druckfrische Werra-Rundschau. Damit diese rechtzeitig zu den Abonnenten gelangt, gibt es im Werra-Meißner-Kreis etwa 130 Zusteller. Renate (61) und Rudolf (66) Volk aus dem Sontraer Ortsteil Breitau erledigen diese Arbeit seit Jahrzehnten im Team.

Während andere Menschen um diese Uhrzeit noch schlafen, geht bei der Familie Volk aus Breitau schon das Licht an. Es ist halb vier in der Früh. Zeit für das Ehepaar, sich für die bevorstehende Arbeit fertigzumachen. Egal ob es regnet, hagelt oder schneit, die beiden sorgen bei jedem Wetter dafür, dass die Werra-Rundschau in den Briefkästen der Abonnenten aus den Ortschaften Breitau, Krauthausen und seit Neuestem Mitterode landet.

Gegen 2 Uhr liefert ein Sprinter die druckfrischen Zeitungen aus dem Druckzentrum der HNA vor die Scheune der Familie Volk. Mehrere Bündel sind das in der Regel. Manchmal kommen noch Anzeigenblätter dazu, die auch an Nicht-Abonnenten verteilt werden müssen. Dann geht es ans Sortieren.

Bestens vorbereitet: Zusteller Werra-Rundschau Renate und Rudolf Volk aus Breitau. 

Den Plan, wer eine Ausgabe erhält, haben die Volks mittlerweile so gut wie auswendig im Kopf: „Zwar kennen wir die Menschen, die wir beliefern, meist nicht persönlich, dafür aber den Standort ihrer Briefkästen umso besser“, scherzt Renate Volk. Ihr Mann kümmert sich an diesem Tag um das Austragen in Krauthausen und Mitterode, da sie ihren Heimatort Breitau übernimmt. 

Zwei Umhängetaschen voller Zeitungen, eine Warnweste, Taschenlampe, festes Schuhwerk und ein GPS-Anhänger gehören zu Renates Ausrüstung. „Den Anhänger hat mir mein Mann geschenkt“, erzählt die 61-Jährige. Dieser schenkt der langjährigen Zustellerin Sicherheit, wenn sie in der Dunkelheit von Haus zu Haus geht. Obwohl die Straßenlaternen aus sind, hat Renate keinerlei Probleme, sich beim Zustellen der Exemplare zurechtzufinden. Begegnen tut sie während ihrer Tour niemandem außer ein paar Tieren. „Letztens saß ein Waschbär vor einer Haustür und wollte mich partout nicht an die Zeitungsrolle lassen“, berichtet die Breitauerin.

Angst, alleine durch die Straßen und Gassen zu laufen, habe sie noch nie gehabt. Auch als Kind nicht. „Mein Mann schimpft mich immer, wenn ich mal wieder eine Folge der Sendung Aktenzeichen XY schaue“, sagt sie. Auf ihrer Tour im Dunklen genießt Renate vielmehr diese einmalige Ruhe, die trotz des regen Verkehrs der am Ort angrenzenden Bundesstraße, zu dieser Uhrzeit einmalig sei. Auch Gerüche nimmt Renate Volk viel intensiver wahr. „Die klare Luft in Verbindung mit der Bewegung tut mir wirklich gut und mein Sportprogramm für den Tag habe ich somit auch bereits erledigt.“ 

Vor ein paar Jahren war sie neben dem Zusteller-Job noch im Einzelhandel tätig und arbeitete in den Abendstunden als Servicekraft in einer Gaststätte. Irgendwann wurde ihr alles zu viel. Das Austragen an den Nagel zu hängen kam für sie jedoch nie in Frage. „Ich wurde nahezu in diesen Beruf hineingeboren, denn schon vor 70 Jahren waren Familienmitglieder von mir als Zusteller im Einsatz“, berichtet Renate Volk, die gebürtig Bachmann mit Nachnamen heißt. Als Jugendliche habe sie damit ihr Taschengeld aufgebessert. „Damals kam die Zeitung bereits am Abend“, erinnert sie sich zurück. 

Es gleicht einem Hindernis-Parcours, den Renate Volk an sechs Tagen in der Woche absolviert. Mal muss sie eine steile Treppe hinauf, über unebene Wege laufen oder aufpassen, dass sie bei Glatteis nicht auf der Nase landet. Passiert sei ihr bis auf ein paar kleine Verletzungen aber noch nichts Schlimmeres.

Dass ihre Anstellung eine undankbare Arbeit sei, könne die 61-Jährige keinenfalls bestätigen. Beschwerden der Zeitungsleser seien nach ihrer Aussage eine Seltenheit. Zu Weihnachten gibt es von dem ein oder anderen Abonnenten sogar ein kleines Präsent für die Volks. „Dass die Menschen zufrieden mit unserer Leistung sind, freut uns natürlich sehr“, gesteht die Zustellerin. 

Nach der zirka einstündigen Tour durch den Ort Breitau ist Renate Volk trotz niedriger Temperaturen in der Winterzeit durchgeschwitzt.  Schnurrend wird sie von Katze Lilly begrüßt, die sie schon sehnsüchtig erwartet. Rudolf Volk ist zwischenzeitlich auch von seiner Auslieferung nach Hause gekehrt. Der Duft von frischem Kaffee zieht durch die Küche der Volks. „Der darf natürlich nicht fehlen“, meint der Renter und nimmt einen Schluck aus der Tasse.

Zwar könnten die Volks die Zeitung schon vor allen anderen lesen, doch meist geschieht das erst beim gemeinsamen Frühstück. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann, der danach nicht mehr müde ist, versucht sich Renate Volk danach noch für ein paar Stunden ins Bett zu legen. Wirklich einschlafen könne sie aber nicht.

Bei dem Gedanken daran, irgendwann den Job als Zustellerin nicht mehr auszuüben, wird sie traurig: „Ewig machen können wir es nicht, aber es wäre schön, wenn die Tätigkeit dann von einem Familienmitglied fortgeführt werden könnte.“Die Chance, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht, ist gar nicht so gering: Schon jetzt springt Tochter Susanne des Öfteren ein, wenn ihre Eltern Unterstützung benötigen.

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