„Das sind Bauernopfer“

Coronavirus: Kosmetikerin kritisiert ungleiche Behandlung

Sauer darüber, dass sie ihren Beruf nicht ausüben darf: Kosmetikerin und Fußpflegerin Silke Schmauch aus Sontra-Hornel. Sie kritisiert, dass in Hessen ein Verbot existiert, während es in anderen Ländern nicht gelte.
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Sauer darüber, dass sie ihren Beruf nicht ausüben darf: Kosmetikerin und Fußpflegerin Silke Schmauch aus Sontra-Hornel. Sie kritisiert, dass in Hessen ein Verbot existiert, während es in anderen Ländern nicht gelte.

Kosmetiker, Fußpfleger und Nageldesigner sind nicht systemrelevant. Das hat die hessische Landesregierung mit der neuerlichen Verordnung zum Schutz vor der weiteren Ausbreitung des Coronavirus, die vergangene Woche in Kraft trat, deutlich gemacht. Für Silke Schmauch ist das ein Schlag ins Gesicht. Die 54-Jährige ist ausgebildete Kosmetikerin und Fußpflegerin und führt ihr eigenes Studio im Sontraer Stadtteil Hornel. Warum Friseursalons hingegen nach Ansicht der Landesregierung zur Grundversorgung gehören, versteht sie nicht.

Hornel – Dabei empfindet die Kosmetikerin, die seit Anfang der 1980er-Jahre in ihrem Beruf arbeitet, keinen Neid: „Im Gegenteil. Ich gönne es jedem, der arbeiten kann“, sagt Schmauch. Sie könne allerdings nicht verstehen, dass nun vor allem die Branchen mit Schließungen bestraft würden, die sich seit dem Ausbruch der Coronapandemie im Frühjahr darüber Gedanken machen würden, wie sie unter entsprechenden Hygienevorkehrungen arbeiten könnten. „Kosmetikstudios, Gaststätten und Fitnessstudios, das sind für mich alles Bauernopfer. Und das, obwohl Infektionsketten in Einkaufszentren nicht nachvollziehbar sowie Bus und Bahn rappelvoll sind“, sagt sie.

Bereits im Frühjahr konnte Schmauch, die in Chemnitz geboren wurde und seit 2003 in Hornel lebt, wie viele andere nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen: „In den 14 Jahren, in denen ich in Hornel nun selbstständig bin, hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, das Geschäft einmal für sechs Wochen schließen zu müssen.“ Erst ab Anfang Mai habe sie dann wieder unter strengeren Hygienevorkehrungen öffnen können. „Als die Nachricht kam, bin ich durch die Küche gesprungen“, sagt die Kosmetikerin.

Umfangreiches Hygienekonzept steht

Seit Mai zählen eine Plexiglastrennwand, Desinfektionsmittel und Mund-Nase-Maske zu ihrem Arbeitsalltag. In der Kosmetik müssten pro Kunde alle verwendeten Deckeln gewechselt werden. „Selbst beim Augenbrauenzupfen“, sagt Schmauch. Außerdem seien FFP2-Masken und ein Plexiglasgesichtsschild zu tragen. Auch bei der Fußpflege ist eine Mund-Nase-Maske-Pflicht. Schutzhandschuhe würde sie seit jeher tragen. Mit all diesen Schutzvorkehrungen habe sie kein Problem. „Es ist ganz normal, dass ich meine Kunden, vor allem die Älteren, und mich schütze“, sagt die 54-Jährige. Dass sich die Kunden sicher fühlten, hätte auch die Zahl der Kundenbesuche ergeben, die nach dem Frühjahr wieder vollkommen normal gewesen sei.

Frisöre versus Kosmetiker

Als Solo-Selbstständige arbeitet sie in ihrem Studio in der Regel mit einem Kunden. Maximal sei ein Ehepartner dabei. „Der sitzt dann aber im Vorraum und der Kunde im Behandlungszimmer“, so Schmauch. Nach jeder Behandlung, die grob 30 bis 40 Minuten dauere, sei Lüften möglich. Auch deswegen verstehe sie nicht, warum für Kosmetiker nicht die gleiche Regelung wie für Friseure gelte. Sie habe viele ältere Kunden, die eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit hätten und nicht mehr so einfach an ihre Füße gelangten. Eine mangelnde Pflege führe dann irgendwann zum Arztbesuch.

Und noch etwas stößt ihr auf: Unter anderem im Nachbarland Thüringen dürfen Studio geöffnet bleiben. „Wenn ich in Hessen keinen Termin kriege, dann rufe ich eben dort an. In einer halben Stunde bin ich in Eisenach“, sagt sie. Auch ihre Kunden, die aus Bebra, Nentershausen und Sontra kämen, hätten kein Verständnis für die ungleiche Behandlung. Schwierig sei die fehlende Planungssicherheit. Erst im vergangenen Jahr renovierte sie ihr Studio. Sie hoffe, demnächst wieder öffnen zu können. „Am liebsten schon nächste Woche“, sagt Schmauch.

Von Maurice Morth

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