Aus Liebe zu seiner Heimatstadt

Daniel Kohl hat Ehrenamt des Hänselmeisters in Sontra übernommen

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Der Neue und sein Vorgänger: Sontras Hänselmeister Daniel Kohl neben der Figur von seinem Amtsvorgänger Wolfgang Ewald, die am Ortseingang von Sontra grüßt. 

Sontra – Aus Langeweile hat Daniel Kohl aus Sontra das Ehrenamt des Hänselmeisters, der Traditions- und Symbolfigur seiner Heimatstadt, sicher nicht übernommen.

Denn mit seinem Job an der Universität Kassel samt Doktorarbeit, dem mit der Lebensgefährtin erst gekauften Haus und dem Vorsitz im Kirchenvorstand hat er wahrlich genug zu tun. Nein: „Aus Liebe zur Heimatstadt“ habe der 35-Jährige laut eigener Aussage die Nachfolge von Wolfgang Ewald angetreten.

Denn er sei Ur-Sontraner, hier geboren, aufgewachsen und aus Überzeugung zurückgekommen. „Mein Herz hängt an Sontra“, sagt Kohl. Das hat er vor allem in den vergangenen siebeneinhalb Jahren gemerkt, als er in Hann. Münden gewohnt hat. Das schien nur logisch, arbeitet Kohl doch als Projekt- und Forschungsingenieur an der Universität in Kassel, während seine Freundin in Göttingen ihrem Beruf nachgeht. „Also haben wir uns in der Mitte getroffen“, erklärt er.

Daniel Kohl lebt gerne in Sontra

Doch am Wochenende sei er grundsätzlich in Sontra gewesen. „Manchmal auch unter der Woche abends, wenn zum Beispiel Sitzungen vom Kirchenvorstand waren, dann habe ich bei meiner Familie übernachtet und bin am nächsten Tag wieder nach Kassel gefahren“, sagt Kohl. Irgendwann haben er und seine Lebensgefährtin beschlossen, dass sie gerne zurück nach Sontra möchten. Gesagt, getan. Im vergangenen Jahr kaufte das Paar ein Haus. „Auch wenn junge Leute nicht verstehen können, wie man freiwillig zurück aufs Land gehen kann – uns gefällt es hier“, so Kohl.

In diesem Zeitraum kam die Anfrage von dem Rat der Hansegilde und der ASH ins Haus, ob Daniel Kohl das Amt des Hänselmeisters übernehmen wolle. „Das hat mich schon stolz gemacht, dass man da an mich gedacht hat. Ich musste natürlich erst mal überlegen und auch auf der Gegenseite gab es mehrere Kandidaten“, erzählt Kohl. Am Ende habe dann einfach alles zusammengepasst.

Als seine Aufgaben sieht er, die Stadt bei Veranstaltungen in Sontra und außerhalb zu repräsentieren sowie die althergebrachten Traditionen rund um das Hänseln und die Hansegilde fortzuführen – mit Fachwissen und dem notwendigen „Spaßfaktor“. Was er nicht versuchen wird, ist, seinen Vorgänger zu imitieren. „Das würde schiefgehen. Ich wäre ein schlechter Wolfgang Ewald. Er hat das über 30 Jahre lang gemacht und war quasi ein wandelndes Sontra-Lexikon“, sagt Kohl. Die Fußstapfen seien einfach zu groß. Vielmehr will er die Hänselmeister-Figur mit seiner eigenen persönlichen Note füllen, ohne dabei die eben genannten Kernaufgaben zu vernachlässigen. „Es geht mir zudem darum, junge Menschen ebenso wie ältere abzuholen“, schildert Daniel Kohl.

Erster offizieller Auftritt: Breitwiesn-Eröffnung in Sontra

Sein erster offizieller Auftritt ist für die Breitwiesn-Eröffnung in Sontra geplant – mit Antrittsrede und Präsentation des neuen klassischen Gewands, das noch nicht abschließend ausgewählt wurde. „Das von Wolfgang übernehme ich nicht, weil es einfach zu seiner Person gehört nach über 30 Jahren“, erklärt der neue Hänselmeister.

Was ihn positiv stimmt für die Zukunft, war der Start in sein Ehrenamt. „Ich war schon etwas unsicher, wie die Menschen mir begegnen würden, aber alle haben mich beglückwünscht und gesagt, dass sie froh sind, dass ich zu meiner Heimat stehe. Das war schon ein gutes Gefühl zum Anfang“, sagt Kohl – der sich am Telefon bereits stilsicher mit „Daniel Kohl, Hänselmeister“ meldet.

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