Bergauf dank der Husaren

Ehemaliges Bundeswehrgelände in Sontra ist jetzt Gewerbegebiet 

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Ein letztes feierliches Gelöbnis: Das Foto entstand in der Sontraer Husarenkaserne im Juni 2007. Nur ein Jahr später schloss der Standort endgültig seine Pforten. 

Sontra. Vor zehn Jahren wurde die letzte in der Sontraer Husarenkaserne stationierte Einheit außer Dienst gestellt: das Panzeraufklärungsbataillon 5. Wir blicken zurück auf die Bundeswehr-Geschichte in der Stadt.

Die Befürchtungen

Es war ein düsteres Szenario, das ein Redakteur der Frankfurter Rundschau einst von Sontra malte. Leerstehende Geschäfte, kaputte Leuchtreklamen und verstaubte Auslagen. Dazu ein Stadtverordnetenvorsteher Heinz Gebhardt, der rückblickend mit den Worten zitiert wird: „Sontra stirbt, wenn die Bundeswehr abzieht.“ Das war 2004, kurz nachdem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck entschieden hatte, 105 Kasernen zu schließen – darunter auch die Husarenkaserne in Sontra.

Heute, 13 Jahre nach dieser Entscheidung, und zehn Jahre, nachdem die letzten Panzeraufklärer die Stadt verlassen haben, ist bekannt, dass Gebhardts Prophezeiung nicht eingetreten ist. Die Bedeutung der Husarenkaserne als Bundeswehrstandort schmälert das jedoch in der Nachbetrachtung nicht.

Die Anfänge

Der Aufschwung Sontras in der Nachkriegszeit ist eng verknüpft mit der Bundeswehr. Anfang der 1960er-Jahre wurden die ersten Panzeraufklärer oberhalb von Sontra stationiert. Nahe der gerade befestigten Grenze zur DDR gut positioniert als Abwehr bei einem möglichen Angriff der im Warschauer Pakt zusammengeschlossenen Staaten. Mit der entstehenden Kaserne florierte Sontras Wirtschaft. Die örtlichen Handwerker erhielten eine Vielzahl an Aufträgen, Gastronomie und Einzelhandel profitierten von den mehr als 1000 Soldaten, viele Offiziere zogen mit ihren Familien in die Hänselstadt.

Das Ende

Mit Strucks Stationierungskonzept war das Schicksal der Kaserne besiegelt. Der Abzug erfolgte in den folgenden Jahren nach und nach. Ende 2007 verließ das letzte Panzeraufklärungsbataillon die Kaserne, deren Tore sich erst 2008 offiziell schlossen.

Die Zukunft

Die Zukunft der Kaserne klärte sich in der Folge erst nach einigem Hin und Her. Im März 2012 kaufte die Stadt Sontra das Gelände. Der Plan sah vor, in einem interkommunalen Zweckverband mit Herleshausen und Nentershausen das Areal zum Gewerbegebiet zu entwickeln. Seitdem wurden mehrere Millionen Euro in die Sanierung und Erschließung gesteckt. Die Vermarktung läuft gut an. Weil durch die Vermietung zunächst Einnahmen von jährlich über 100 000 Euro in den Kassen landeten, sah sich der Zweckverband erst mal nicht zu Schnellschüssen genötigt. Kürzlich kauften dann zwei Unternehmen die ersten angebotenen Flächen. (lad/flk)

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