Ein Berliner holt den  Jazz-Nachwuchs nach Wölfterode

Der Vorstand der Jazz-Föderation Deutschland (von links) Lutz Fußangel, Suzette Yvonne Moissl, Jürgen Kriegeskotte und Hartmuth Reichstein. Im Wölfteröder Jazz-Haus trafen sich die Mitglieder erstmalig, um dort ihre Sizung abzuhalten. Foto: MICHELLE FUNK

Wölfterode – Jahrelang lebte Musikpädagoge Lutz Fußangel mit seiner Familie in Berlin. Bald jedoch will er dem Großstadtgetümmel entfliehen und ein Haus im Sontraer Ortsteil Wölfterode beziehen. Dieses besitzt er schon seit 2016 und bietet dort Jazzworkshops für Kinder und Jugendliche an.

Junge Menschen für Jazz begeistern: Das ist ein Ziel von Lutz Fußangel. Die Suche nach einem geeigneten Domizil führte den 49-Jährigen nach Wölfterode – wo er schließlich fündig wurde. „Die Lage ist perfekt“, meint Lutz Fußangel. „Da die Workshop-Teilnehmer aus ganz Deutschland kommen, ist es für sie angenehmer, wenn die Anreise nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt.“

Mir gefällt die Offenheit der Leute hier. In Berlin ist das Leben anonymer.“

Lutz Fußangel Musiker

Außerdem kam der Musiker schnell in Kontakt mit den Einwohnern des kleinen Ortes. „Mir gefällt die Offenheit der Leute hier. In Berlin ist das Leben anonymer“, so der sechsfache Familienvater. „Noch bevor sie mich wirklich kannten, wurde ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen.“

Viele Instrumente, vom Saxofon bis zum Schlagzeug, hat Fußangel in einem gemütlich eingerichteten Proberaum untergebracht. Nicht fehlen darf dabei der Plattenspieler, der oft zum Einsatz kommt: „Sich mit den Jugendlichen verschiedene Stücke anzuhören und anschließend darüber zu reden, empfinde ich als sehr lehrreich.“

Was der baldige Ex-Berliner seinen Schülern noch beibringt? „Der Fokus liegt auf der Bandarbeit. Rhythmische Übungen sowie Tipps für das Improvisieren sind dabei zwei der vielen Bestandteile.“ In Zukunft soll das Angebot des Wölfteröder Bildungszentrums erweitert werden. „Mir schwebt so etwas vor wie ein lockeres Zusammentreffen von Jazz-Begeisterten“, verrät der ausgebildete Saxofonist.

Zum ersten Mal empfing Lutz Fußangel am Donnerstag seine Kollegen vom Vorstand der Jazz-Föderation Deutschland in seinem neuen Zuhause. „Derzeit befinden wir uns in einer schwierigen Phase. Sehr viele Jazz-Clubs haben Probleme damit, Nachwuchs zu finden“, berichtet Präsidentin Suzette Yvonne Moissl. „Daher sind wir überaus dankbar für die Zeit, die Lutz Fußangel investiert, um Jugendlichen die Freude an Jazzmusik zu vermitteln.“

Außerdem gäbe es zunehmend Probleme bei der Finanzierung der Clubs. „Digitale Effekte sind momentan beliebt. Geräte, die diese erzeugen, sind allerdings nicht gerade günstig.“

Damit der Musikstil – nicht wie in den 1990er-Jahren – viele seiner Anhänger verliert, arbeiten die vier Vorstandsmitglieder nun an einem Konzept, um ein neues Publikum anzusprechen und, so hoffen die Vorstandsmitglieder, Nachwuchs-Musiker zu finden.

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