Blitzeblank und lebensfroh

Die weite Welt und wir: Felix Bierwirth aus Hornel lebt nun im Kanton Zürich

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Immer bergauf geht es beim Wandern in der Schweiz – ein guter Ausblick aber ist stets garantiert. Der 25-jährige Felix Bierwirth aus Hornel genießt ihn in seiner neuen Heimat, dem Kanton Zürich in der Schweiz.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die weit weg von zu Hause spannende Geschichten erleben. Heute: Felix Bierwirth aus Hornel, der im Kanton Zürich lebt.

Auf dem Rennrad erhöht er das Tempo, die Frequenz steigt, er wird schneller, für Anstiege geht er kurz aus dem Sattel. Dank seiner puren Muskelkraft zieht die Landschaft rund um den Greifensee an ihm vorbei wie im Flug. Felix Bierwirth, der 25-jährige Elektrokonstrukteur, befindet sich auf seiner Feierabendrunde im Kanton Zürich. Seiner neuen Heimat. Der aus dem Sontraer Stadtteil Hornel stammende Bierwirth lebt und arbeitet seit einem Jahr in der Schweiz. „Wegen der Liebe und wegen meines Berufs bin ich in die Schweiz gegangen“, sagte Bierwirth, der mit seiner Schweizer Freundin Irene (27) im 1000-Seelen-Dorf Gutenswil lebt.

„Ich habe mich sehr gut eingelebt. Das habe ich anfangs nicht gedacht“, so Bierwirth, der in seiner Freizeit wandert, Rad fährt oder ins Fitnessstudio geht. Die vielen Aussichtspunkte und die Bergseen hat Bierwirth auf längeren Motorradtouren mit seiner Freundin und deren Zwillingsschwestern bereits erkundet. „Wahnsinn, wie türkis und klar das Wasser hier in fast jedem See ist“, schwärmt Bierwirth, der die Schweizer lobt für ihre Sauberkeit: „Keiner schmeißt einfach so Müll auf den Boden. Die Straßen sind blitzeblank“. Warum ist das so? „Vielleicht liegt dieser ausgeprägte Sinn für Ordnung daran, dass hier die militärische Grundausbildung absolviert werden muss“, mutmaßt Bierwirth.

„Lebensfroh zu sein, ist hier eine Grundeinstellung“

Mit einem herzlichen „Grüezi“ wird er in der Regel von seinen Mitmenschen begrüßt. „Lebensfroh zu sein, ist hier eine Grundeinstellung“, betont Bierwirth, der schweizerdeutsch versteht, aber sich selbst noch ohne „schwizerdütschen Akzent“ verständigt. „Noch“, sagt Bierwirth freudestrahlend am Tage des WR-Videotelefonats und ergänzt mit einem Lächeln: „Glücklicherweise wird hier nicht Französisch gesprochen.“

Mit seiner Schweizer Freundin Irene lebt Felix Bierwirth im Örtchen Gutenswil.

Laut Bierwirth seien die Menschen in der Schweiz stolz auf das, was sie machen, und arbeiten gern noch mehr als üblich. 24 Urlaubstage im Jahr und 42 Arbeitsstunden pro Woche sind in der Schweiz die Regel. Bierwirth arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen im 40 Autominuten entfernten Oberengstringen, nördlich von Zürich: „Hier kann ich mich beruflich weiterentwickeln und den nächsten Schritt gehen.“

110 Corona-Neuinfizierte pro Tag wurden im März und April in der Schweiz verzeichnet. Die 8,6 Millionen Einwohner müssen nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske tragen: „Sehr gelassen sind die Schweizer mit dem Thema Corona umgegangen, es entstand nie eine richtige Panik oder gar eine Hysterie.“

Der Innenverteidiger des Fußball-Kreisoberligisten SG Sontra hat sich zwar schon mit einem Vereinswechsel in die Schweiz beschäftigt, aber nach einem Probetraining beim FC Uster (5. Liga) war für ihn klar, dass er sich nicht kurzfristig in Sontra abmelden will: „Ich spiele seit 20 Jahren für den Verein, da geht man nicht einfach durch die Hintertür.“ Ärgerlich für Bierwirth: Eine Zweitspielgenehmigung ist länderübergreifend nicht möglich.

Videotelefonate in die Heimat 

„Heimweh habe ich, aber ich denke nicht daran, in absehbarer Zeit wieder zurück nach Deutschland zu gehen“, so Bierwirth, der sein Heimweh stillt mit möglichst monatlichen Heimatbesuchen. Und wenn das nicht geht, helfen die Videotelefonate mit seiner Mutter Regina oder seinem Bruder Christoph. Dabei berichtet Felix auch über seine letzten Touren auf dem Rennrad.

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